Tops & Flops der Bundesliga-Vorrunde

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Deutsche Presse-Agentur

Auch im Fußball hat Verrücktes gute wie auch schlechte Seiten. Die außergewöhnlichsten Tops und Flops der Bundesliga-Hinrunde hat die Deutsche Presse-Agentur (dpa) zusammengestellt.

FRANCK RIBERY: „Fußballer des Jahres“ in Deutschland und Frankreich - oh là là. Der Wirbelwind und Filou trug mal schwarze, mal rosa, mal giftgrüne Schuhe; stoppen konnten ihn seine Gegner nur selten. Der Dribbelkönig ist die Attraktion der Bundesliga und der vielleicht einzige absolute Weltklassespieler. Ohne den 25-Jährigen, das merkte man während seiner Verletzungspause, ist auch der FC Bayern nur halb so viel wert. „Es ist ein Traum mit ihm“, sagte Manager Uli Hoeneß.

VEDAD IBISEVIC: Der Torschützenkönig der Hinserie kam wie seine Hoffenheimer Mannschaft aus dem Nichts - und traf gegen fast alle. Gerd Müller traut dem Bosnier sogar zu, seinen Uralt-Rekord von 40 Saisontreffern aus der Spielzeit 1971/72 zu knacken. „Es ist nicht mein Ziel, diese erschreckende Zahl zu erreichen“, meinte aber der 24-Jährige.

JÜRGEN KLINSMANN: Der frühere Wahl-Amerikaner erobert die alte Fußball-Welt. Als die Buddhas vom Trainingszentrum des Titelverteidigers wieder abgebaut waren, ging's allmählich aufwärts beim FC Bayern. Die Münchner kamen spät, aber gewaltig: elf Bundesliga-Spiele und fünf Champions-League-Partien ohne Niederlage, dazu den Emporkömmling 1899 Hoffenheim geputzt. Manager Uli Hoeneß litt lange unter den Startschwierigkeiten seines neuen Trainers, der an der Säbener Straße alles auf den Kopf stellte, doch am Ende sprang er Klinsmann immer öfter in die Arme.

RALF RANGNICK: Heißester Anwärter auf den Titel „Trainer des Jahres“. Der 50-jährige Taktikfuchs, ursprünglich Lehrer für Sport und Englisch, formte mit 1899 Hoffenheim das Sensationsteam der Hinrunde. Der Dorfclub stürmte bis an die Tabellenspitze und spielte zeitweise einen atemberaubenden Fußball. Mit Neuzugang und Ex-Nationaltorwart Timo Hildebrand kann Rangnick nun dem 1. FC Kaiserslautern nacheifern, der 1997/98 als Aufsteiger Meister wurde.

BAYER LEVERKUSEN: Der Noch-Nie-Meister hatte mit Patrick Helmes, Michal Kadlec, Renato Augusto und Henrique klasse eingekauft und spielte unter dem Erstliga-Trainer-Novizen Bruno Labbadia groß auf - auch wenn der Mannschaft am Schluss etwas der Atem ausging. Als einziges Team nahm Leverkusen den frechen Aufsteiger 1899 Hoffenheim so richtig auseinander. Und zwischen den Pfosten hat Bayer jetzt sogar einen Nationaltorwart: René Adler wuchsen Flügel.

TRAINER-TREUE: Friedhelm Funkel fehlten bei Eintracht Frankfurt wochenlang ein Dutzend verletzter Profis, er gewann kaum ein Spiel. Doch der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen stärkte dem dienstältesten Coach der Liga neben Bremens Thomas Schaaf den Rücken - zur Not im Trainingsanzug bei einer Pressekonferenz. Ein Trend, von dem auch die meist glück- und erfolglosen Michael Frontzeck (Arminia Bielefeld), Edmund Becker (Karlsruher SC), Dieter Hecking (Hannover 96) und Marcel Koller (VfL Bochum) profitierten.

HERTHA BSC: Der Hauptstadtclub schnupperte nach der stärksten Vorrunde der Vereinsgeschichte Höhenluft. Wird aus der „grauen Maus“ doch noch ein bärenstarker Bundesligist? Zumindest haben die Berliner immer Unterhaltungswert: Dauerstreit zwischen Stürmerstar Marko Pantelic und Trainer Lucien Favre, Eifersüchteleien zwischen Präsident Werner Gegenbauer („Dieter-Hoeneß-Festspiele“) und seinem Manager.

WERDER BREMEN: Diva Diego und der frustrierte Torsten Frings stehen für die Krise des einstigen Spitzenclubs. Der Brasilianer kam nach seinem erzwungenen Olympia-Ausflug nicht richtig in Tritt. Am Schluss musste er als gesperrter „Würger von Werder“ zuschauen, turtelte dafür aber mit Popstar Sarah Connor. Frings kämpfte nicht nur in der Nationalmannschaft nach Äußerungen á la Ballack um den Anschluss. Und Thomas Schaaf geriet nach zehn Jahren als Chefcoach mehr und mehr in die Bredouille: Aus in der Champions League, Absturz in der Tabelle.

ARMIN VEH: Oh weh... Der Meistertrainer von 2007 verlor nach fünf Spielen ohne Sieg am 23. November seinen Job beim VfB Stuttgart. Zuvor hatte der 47-Jährige Fehler in der Personalpolitik eingestanden. Sportdirektor Horst Heldt hat diese mitzuverantworten, darf aber noch bleiben. Vehs Assistent Markus Babbel soll nun die Schwaben wieder auf Kurs Europapokal bringen, ist aber möglicherweise keine Dauerlösung: Dem Ex-Nationalspieler fehlt die Trainerlizenz.

FC SCHALKE 04: Alle Jahre wieder blühen in Gelsenkirchen die Meisterträume, das böse Erwachen kam diesmal ganz früh. Unter Fred Rutten waren die „Königsblauen“ selten eine Einheit. Symbolfigur und Mitauslöser der Krise: Kevin Kuranyi, der mit seiner überstürzten Flucht aus der Nationalmannschaft für Aufsehen sorgte. Der Stürmer war auch bei den Fans der Sündenbock.

LUKAS PODOLSKI: 575 Kilometer von seinem geliebten Köln entfernt, wurde der Nationalstürmer auch in dieser Saison beim FC Bayern nicht glücklich. Nur elf Einsätze in der Bundesliga, davon vier von Beginn an, zuletzt auch noch verletzt. Dafür machte der erst 23 alte Vater als Coverboy eines Familienmagazins mit seinem Baby Louis eine gute Figur. „Jetzt kann ich auch mal mit einem Lächeln auf der Bank sitzen, weil ich einen Sohn habe, auf den ich stolz bin.“

SCHIEDSRICHTER-DISKUSSIONEN: Jahrelang rühmte sich der DFB, die besten Unparteiischen der Welt zu haben. Doch die Männer in Schwarz mussten sich gegen aufmüpfige Trainer und Manager wehren und standen immer wieder in der Kritik. Nach einem eilends einberufenen Runden Tisch schworen alle Besserung, doch die Fronten sind zumindest im Fall Magath verhärtet: Wolfsburgs Coach will partout keine Geldstrafe wegen Schiedsrichter-Beleidigung bezahlen.

BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH: Als Zweitliga-Meister stürmten die „Fohlen“ zurück in die Bundesliga - und stolperten über die eigenen Beine. Auch die Entlassung von Trainer Jos Luhukay brachte nicht die erhoffte Wende. Unter Nachfolger Hans Meyer (nur zwei Siege in neun Spielen) beendete die Mannschaft um Nationalspieler Marcus Marin als Schlusslicht die Vorrunde.

VFL BOCHUM: Mit dem „besten Kader aller Zeiten“, so Trainer Marcel Koller, startete man tief im Westen in die Saison. Doch die langjährige Fahrstuhlmannschaft kam einfach nicht in Tritt, verbuchte nur einen „Dreier“. Nach einer Negativ-Serie von 13 Spielen ohne Sieg müssen die Bochumer im Tabellenkeller überwintern.

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