Toni beschert Bayern umjubelten Sieg

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Deutsche Presse-Agentur

Die Bayern haben damit die Kräfteverhältnisse in der Fußball- Bundesliga wieder ein Stück weit zurecht gerückt. Aber in all den Jubel mischte sich auch die Erkenntnis, dass man den Emporkömmling auf dem Weg zum angestrebten 22. Titel noch lange an seiner Seite haben könnte. „Die deutsche Meisterschaft wird kein Selbstläufer werden. Wir werden hart fighten müssen, um am Ende deutscher Meister zu sein“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel gegen den „besten Hinrunden-Gegner“.

Im hochklassigen Gipfeltreffen waren die Hoffenheimer mehr als nur ein ebenbürtiger Kontrahent. Nach dem 1:0-Führungstreffer durch das 18. Saisontor von Vedad Ibisevic (49.) und auch noch nach dem 1:1 durch Philipp Lahm (60.) durften die Gäste bis zur zweiten Minute der Nachspielzeit auf etwas Zählbares hoffen. Aber zu früh hatte sich das Dorf gefreut - und erlebte die Grausamkeit des Fußballs in aller Härte. „Das ist sehr schade. Dieser Sieg ist unverdient“, klagte Ibisevic sein Leid. „Das Leben geht weiter, aber wir müssen daraus schnell lernen, dass man solche Spiele nicht verlieren darf.“ Die Punkte verloren die Hoffenheimer, weitere Sympathien im deutschen Fußball gewannen sie aber sicherlich hinzu.

Bayern war mit viel Einsatz um mehr Ballbesitz bemüht, die lauffreudigen Hoffenheimer schalteten beeindruckend schnell um und waren immer brandgefährlich. Dazu schränkten vor allem Andreas Beck und Tobias Weis die Kreise von Alleskönner Franck Ribéry („Ich muss sagen: Chapeau, Hoffenheim“) ein. Ob es dann am Ende die Kraft, die Erfahrung oder einfach nur das Bayern-Gen war, das dem Rekordmeister zum Sieg verhalf, vermochte niemand wirklich zu sagen. „Wir hätten nicht viel besser spielen können in dieser Konstellation. Ich bin relativ sicher, wenn das Spiel morgen noch mal gespielt werden würde, wäre bei unserer Mannschaft einiges an Fortschritten erkennbar“, sagte Gäste-Coach Ralf Rangnick.

Ob der Hoffenheimer Höhenflug durch diese bittere Niederlage gestoppt oder nur unterbrochen ist, bleibt abzuwarten. Erst einmal geht es in einer Woche im Fernduell um die Herbstmeisterschaft. Die beiden Kontrahenten sind punktgleich, Hoffenheim weist aber noch das um vier Treffer bessere Torverhältnis auf. „Es wäre schön, aber am wichtigsten ist es, am 34. Spieltag die Schale in die Luft halten zu können“, sagte Bayern-Kapitän Mark van Bommel und Rangnick geht es ohnehin vielmehr um „Fortschritte der Mannschaft“ als um den Wintertitel.

Während Rangnick nach dem Schlusspfiff schnell den Weg in die Stadion-Katakomben suchte, feierte Jürgen Klinsmann mit den Spielern auf dem Rasen. „Wenn man so ein Spiel, das so oder so hätte ausgehen können, in der letzten Minute gewinnt, dann bricht alles aus einem heraus, da genießt man so einen Moment“, schilderte der 44-Jährige seine Gefühlslage. Der zufriedenste Mann auf dem Platz aber war Toni, der vor seinem Siegtreffer noch reihenweise Chancen vergeben hatte. „Ich bin wirklich glücklich, dass ich das Tor in der Nachspielzeit gemacht habe. Sonst wäre ich nämlich Schuld daran gewesen, dass wir nur 1:1 gespielt hätten“, gestand der 31-Jährige. Nach der Ankündigung Rangnicks, den „Skalp“ der Bayern zu holen, ließ Toni nach seinem Treffer im Torjubel den imaginären Colt rauchen.

In 168 Länder wurde das Spiel übertragen und Werbung für die Bundesliga war die Partie auf jeden Fall. „Es gibt ja oft Spitzenspiele, die dann leider nicht das halten, was man sich von ihnen erwartet. Aber das Spiel hat alles übertroffen“, bewertete Rummenigge. Nur ein TV-Zuschauer in Florida konnte das Fußball- Highlight nicht richtig genießen. „Ein ganz bitterer Moment“, ließ Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp via „Bild-Zeitung“ aus dem Urlaub in den USA ausrichten.

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