Titelkampf in Bundesliga spannend wie selten

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Deutsche Presse-Agentur

Geringe Abstände, hartnäckige Verfolger und ein neuer Titelaspirant - der Kampf um die Meisterschaft in der Fußball-Bundesliga ist offen wie selten.

Nach der 0:2-Niederlage beim VfB Stuttgart beträgt der Vorsprung von Tabellenführer Hertha BSC auf ein punktgleiches Trio nur noch einen Zähler. Neben dem bereits vor der Saison zum Topfavoriten erklärten FC Bayern München und dem Hamburger SV, der mit 2:1 beim FC Schalke 04 gewann, wird der lange Zeit unterschätzte VfL Wolfsburg hoch gehandelt. Nicht nur die famose Rückrundenbilanz, sondern auch das lösbare Restprogramm machen die „Wölfe“ zu mehr als einem Geheimtipp. Dennoch antwortete Trainer Felix Magath auf die nahe liegende Frage, ob er seinem Team den Titel zutraut, kurz und unmissverständlich: „Nein.“

Zwei Wochen vor dem richtungsweisenden Duell mit dem punktgleichen Tabellennachbarn aus München spielte die beste Rückrunden-Mannschaft beim 3:0 in Bielefeld mit der eiskalten Effektivität einer Spitzenmannschaft auf. Beim siebten Sieg in Serie reichten vier Chancen zu drei Toren. Trotz der verheißungsvollen Ausgangslage pflegten alle Beteiligten weiterhin die Rolle des Außenseiters. „Wenn es am letzten Spieltag noch möglich sein sollte, werden wir das Wort Meisterschaft in den Mund nehmen. Vorher ist es sinnlos“, sagte Mittelfeldspieler Zvjezdan Misimovic schmunzelnd.

Neben den Wolfsburgern nutzten auch die Bayern die Gunst der Stunde, um den Rückstand auf Berlin zu verkürzen. Selbst das Pfeifkonzert der Fans im Anschluss an den 1:0-Zittersieg gegen Schlusslicht Karlsruher SC konnte die Freude von Manager Uli Hoeneß und Trainer Jürgen Klinsmann über den Patzer des Spitzenreiters nicht trüben. „Wenn man Meister werden will, muss man diese Spiele gewinnen. Gerade die, die nicht besonders schön sind. Hertha BSC hat die letzten zehn Spiele alle so gewonnen“, befand Hoeneß.

Trotz der kräftezehrenden UEFA-Cup-Partie bei Galatasaray Istanbul (3:2) am Donnerstag blieben auch die Hamburger dem Spitzenreiter auf den Fersen. Nach einem lange Zeit müden Auftritt sorgte Paolo Guerrero mit einem Doppelpack dafür, dass die Hanseaten mit den punktgleichen Wolfsburgern und Bayern Schritt halten.

Des einen Freud, des anderen Leid. Die noch schmeichelhafte 0:2- Schlappe beim VfB Stuttgart riss die Berliner abrupt aus allen Meisterschafts-Träumen. „Es war Chaos, es war einfach grausam“, klagte Mittelfeldspieler Pal Dardai. Immerhin bleiben angesichts der Länderspielpause zwei Wochen Zeit, um den Rückschlag zu verarbeiten. Die Zeit will Hertha-Kapitän Arne Friedrich nicht nur zum Auskurieren seiner Muskelverletzung, sondern auch zu einer gründlichen Analyse der Niederlage nutzen: „So etwas dürfen wir uns nicht noch einmal leisten, sonst verlieren wir auch die restlichen neun Spiele.“

1899 Hoffenheim schlug als einziges Spitzenteam aus der Hertha-Niederlage kaum Kapital. Beim 2:2 gegen Hannover 96 musste sich der einst stolze Herbstmeister zum fünften Mal in Serie mit einer Punkteteilung begnügen. Deshalb redet beim Tabellenfünften niemand mehr vom Titelkampf, sondern fast nur noch von wachsenden Personalsorgen. „Es ist brutal, vor allem für die Spieler“, kommentierte Trainer Ralf Rangnick den langfristigen Ausfall seiner Verteidiger Andreas Ibertsberger und Matthias Jaissle. Zudem droht Spielmacher Luiz Gustavo ein sportjuristisches Nachspiel, weil er Gegenspieler Arno Bruggink in der Freistoß-Mauer mit einem Ellbogenschlag niederstreckte.

Anders als an der Spitze zeichnen sich im Tabellenkeller erste Tendenzen ab. Nach der unglücklichen Niederlage in München ist das rettende Ufer für den Karlsruher SC bereits sieben Punkte entfernt. Auch bei Energie Cottbus wachsen die Sorgen um den Klassenverbleib. Nach der 0:2-Heimschlappe gegen den 1. FC Köln flüchtete sich Energie-Manager Steffen Heidrich in Durchhalteparolen: „Wir werden uns nicht aufgeben“, sagte der Energie-Manager vor den wohl entscheidenden Duellen gegen die Abstiegs-Konkurrenten Frankfurt und Bielefeld.

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