Tierarzt: „Nur zehn Prozent der vermuteten Vergiftungen sind wirklich welche“

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Nach der an Rattengift verendeten Hündin in der Berger Höhe sind in der Region weitere Fälle von Hunden mit Vergiftungserscheinungen aufgetaucht.

SZ-Redakteur Bernd Treffler hat den Wangener Tierarzt Dr. Günter Staudacher gefragt, ob Hundebesitzer hier vorbeugen können, und hat dabei erfahren, dass die wenigsten vermuteten Vergiftungen auch wirklich welche sind.

Herr Dr. Staudacher, hatten Sie in den vergangenen Wochen in Ihrer Praxis Fälle von Vergiftungen?

Staudacher: Nein. Aber man muss hier auch sehr vorsichtig sein. Laut Fachliteratur sind maximal zehn Prozent aller vermuteten Vergiftungen auch wirklich Vergiftungen. Und in diesen Fällen muss man dann auch unterschieden, ob es absichtliche oder unabsichtliche Vergiftungen sind.

Können sie ein Beispiel nennen?

Wenn jemand in seinem Schuppen Rattengift fahrlässig aufbewahrt und der Hund da rankommt, ist es natürlich etwas anderes, als wenn jemand mit Absicht einem Tier Gift verabreicht.

Wenn ein Hund Durchfall hat oder erbricht, kann das noch andere Ursachen haben?

Natürlich. Es kann sich um eine Magen-Darm-Infektion handeln, wenn der Hund etwas isst, was ihm nicht bekommt. Man darf ja nicht vergessen, dass ein Hund von Haus aus ein Aasfresser ist und er fast alles in den Mund nimmt, was am Wegesrand liegt. Mit Vorliebe dann, wenn etwas riecht oder stinkt. Ich hatte mal einen Fall, da hat ein Hund Dichtungsfett von einer Baustelle gegessen, und wir haben gerätselt, was da wohl hinten rauskommt.

Können Besitzer Hundevergiftungen vorbeugen? Etwa durch einen Maulkorb?

Ein Maulkorb ist eine grimmige Sache, da tut man dem Hund nichts Gutes, das ist für ihn eher eine Tortur. Man muss hierbei auch sagen, dass zumindest in Wangener Grün- und Erholungsanlagen Leinenzwang herrscht. Da dürfte eigentlich nicht viel passieren. Aber das ist auch ein Thema: Manche Hundebesitzer lassen ihre Tiere dennoch frei herumlaufen.

Am Verhalten mancher Hundebesitzer scheiden sich ja die Geister...

Ich kann den Ärger der Leute nachvollziehen, die auf ihrem Grundstück Hund- oder Katzenkot finden. Da sollte man Hundebesitzer schon drauf aufmerksam machen. Ich denke aber, dass bei den allermeisten, die sich darüber ärgern, die Hemmschwelle zu hoch ist, einen Hund deswegen zu vergiften.

Was sollen Hundebesitzer tun, wenn ihr Tier erbricht oder Durchfall hat?

Sofort zum Tierarzt gehen, und am besten das Corpus delicti, das als Ursache im Verdacht steht, mitbringen. Viele vergessen das. Grundsätzlich ist Panikmache aber unangebracht. In den meisten Fällen ist eine Magen-Darm-Infektion nach kurzer Zeit wieder behoben.

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