Teams wollen sich nicht spalten lassen

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Deutsche Presse-Agentur

Der Diffusor soll nicht zum Keil werden: Auch durch den eskalierten Aerodynamik-Streit will sich die Formel-1- Teamvereinigung FOTA nicht spalten lassen.

Die Rennställe wissen, dass die mühsam geschlossene Einheit eine ihrer schärfsten Waffen im Kampf mit FIA-Chef Max Mosley und Formel-1-König Bernie Ecclestone um Macht und Einfluss im PS-Geschäft werden kann. „Da ist eine klare Trennung zwischen den Bemühungen, gemeinsam die Zukunft der Formel 1 voranzubringen, und dem Tagesgeschäft im Wettbewerb“, erklärte FOTA-Vizechef und Toyota-Teampräsident John Howett zu der Diffusor- Auseinandersetzung, die nun wohl noch mindestens bis zur erwarteten Berufungsverhandlung weiter schwelt.

Obwohl einer der Beklagten, nehme er das sportrechtliche Vorgehen den Konkurrenten nicht übel, betonte Howett versöhnlich. In der Nacht zuvor hatten sein Team, Brawn GP und Williams schon vor der ersten Runde der Saison 2009 ihren ersten Sieg erreicht. Die drei Renn- Kommissare hatten die Proteste von Ferrari, Renault und Red Bull gegen die Diffusoren an den Autos der drei Rivalen abgelehnt. Die Unterlegenen erklärten sofort, Einspruch gegen die Entscheidung beim Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA einzulegen.

Auch BMW-Sauber hatte Protest angemeldet, der aber wegen eines Formfehlers nicht angenommen worden war. Das Berufungsgericht kann frühestens nach dem Grand Prix in Australien und dem Rennen eine Woche später in Malaysia entscheiden. Die Chancen für die Beschwerdeführer stehen erfahrungsgemäß nicht gut. Ob bei einem Erfolg der Antragsteller die Ergebnisse der ersten beiden Saisonläufe revidiert werden, ist noch unklar. „Das ist kaum der Start, den der Sport benötigt“, befand die englische Tageszeitung „The Guardian“.

„Das ist ein rein operativer Vorgang im Renngeschäft“, hatte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen zum Protestverfahren gesagt. Die Schuld an dem Hin und Her, das den Saisonauftakt belastet, scheint bei der FIA zu liegen. Sie hätte schon viel früher klären können, ob die Konstruktionen der Beklagten den neuen Regeln entsprechen oder nicht.

Das Versäumnis seiner eigenen Organisation könnte nun FIA-Chef Mosley nützen. Denn im Machtkampf, der die Formel 1 seit Jahren belastet, ist die im vergangenen Jahr gegründete FOTA zu einem starken Faktor geworden, der die Stellung von Mosley als Regelhüter und PS-„Zirkusdirektor“ Ecclestone als Rechteverwalter gefährdet. Das Duo wehrt sich deshalb nach dem Motto „verhöhnen und spalten“. Kaum ein Interview, in dem der 68 Jahre alte Mosley nicht über die FOTA und ihre Vertreter herzieht. Auch sein zehn Jahre älterer Koalitionspartner Ecclestone lässt keine Gelegenheit aus, gegen die Rennställe anzugehen.

Die Teams fühlen sich zu oft gegängelt von den beiden. Mit ihrem einheitlichen Auftreten feierten sie zuletzt einige Etappenerfolge: Mosley und Ecclestone hatten im FIA-Weltrat schon für diese Saison ein neues Wertungssystem einführen wollen, nach dem der Fahrer mit den meisten Siegen Weltmeister werden könnte. Die FOTA schrie auf, und Mosley musste aus formalen Gründen den Rückzug antreten.

Die Regelung, nach der die Teams, die ihr Budget auf 33 Millionen Euro einschränken, technisch mehr freie Hand haben als die Rennställe mit unbegrenzten Mitteln, soll dafür 2010 kommen. Ob vor allem die Rennställe der Automobil-Hersteller dies verhindern können, bleibt abzuwarten. Der nächste Streit ist längst eröffnet: FOTA-Vertreter wurden jüngst bei Ecclestone wegen angeblich noch ausstehender Zahlungen aus dem Rechtetopf vorstellig, das Treffen geriet hitzig. Am Freitag schlug Ecclestone via Pressemitteilung zurück. Er schulde den Teams überhaupt kein Geld, versicherte der Brite.

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