Täglich auf Tour: Reisemobile für den Alltagseinsatz

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Deutsche Presse-Agentur

Zwei Privatautos sind ein Kostenfaktor, der angesichts der diversen Krisenszenarien derzeit wohl häufiger auf dem Prüfstand steht. Das gilt nicht nur, wenn neben der Limousine ein Kleinwagen unter dem Carport wartet.

Überlegenswert sind Einsparungen auch bei einer Kombination aus Alltagsauto und Wohnmobil. Trotzdem müssen reiselustige Autofahrer in Zukunft nicht unbedingt auf einen Wagen mit Wohnkomfort verzichten: Verstärkt werden Reisefahrzeuge angeboten, die sich auch im Alltagseinsatz bewähren.

Schon seit geraumer Zeit vermelden die Reisemobilanbieter einen Trend zu kompakteren Fahrzeugen: Wohnlich ausgebaute Kastenwagen und Vans zeichnen sich dadurch aus, dass sie genügend Komfort auch für längere Urlaubstouren bieten können. Zudem sind ihre Abmessungen noch so, dass die Tour im Stadtverkehr nicht in ein Abenteuer ausartet.

Doch Käufer sollten nicht darauf vertrauen, dass entsprechende Modell-Bezeichnungen gleichbedeutend sind mit Alltagstauglichkeit. Auf die tatsächlichen Merkmale und Maße kommt es an. „Grundsätzlich kann man sagen, dass Reisemobile bis zu einer Gesamtlänge von etwa sechs Metern noch alltagstauglich sind“, sagt Ralph Binder vom Caravaning Industrie-Verband (CIVD) in Frankfurt/Main.

Je breiter Karosserie und Aufbau sind, desto schwerer wird es zum Beispiel, das Reisemobil einzuparken. Binder nennt als Anhaltspunkt einen Höchstwert von 2,15 Metern. Viktoria Groß vom Deutschen Camping Club (DCC) in München rät, in diesem Zusammenhang nicht nur auf die Breite zu schauen: „Wenn das Reisemobil in einer Garage parken soll, dann ist natürlich auch die Höhe ein Thema.“

Wichtig ist auch folgende Frage: Soll der Wagen einer Familie dienen oder etwa nur zwei Personen? „Die Bandbreite der typischen Wohnmobilnutzer ist breiter geworden“, sagt Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart. Eine Entwicklung, die Holger Guggolz vom Hersteller Westfalia aus Rheda-Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen) bestätigt: Familien gehörten ebenso wie Paare und Singles zu den Käufern von kompakten Reisemobilen oder ausgebauten Kastenwagen.

Daher kommt es darauf an, ob die Ausstattung den Anforderungen genügt. Dazu zählt laut Groß, ob genug Platz zum Sitzen vorhanden ist und ob es Kochmöglichkeiten gibt, um alle Insassen zu versorgen. Hinzu kommt die Überlegung, wie es mit dem Wunsch nach Geräumigkeit aussieht: „Bei den ausgebauten Kastenwagen ist jeder Platz sehr gut genutzt - aber der Platz insgesamt eben auch recht begrenzt.“

Eine weitere wichtige Überlegung ist die Variabilität. So gibt es zahlreiche Fahrzeuge mit fest installierter Einrichtung, bei anderen lassen sich Küche oder Mobiliar entfernen. „Wenn man mit dem Fahrzeug im Alltag nur Passagiere oder mal den Einkauf befördert, dann stört so eine Küche kaum“, sagt Viktoria Groß. Soll es aber auch mal ins Möbelhaus gehen, dann sollte das Interieur demontierbar sein.

Schon vorher muss Interessenten außerdem klar sein, dass geringe Länge bei einem Reisemobil nicht mit Sonderpreisen gleichzusetzen ist. Zwar gibt es kompakte Fahrzeuge schon zu Preisen unter 30 000 Euro. Es ist aber auch kein Problem, 60 000 Euro dafür auszugeben.

Für Reisemobile gibt es heute durchweg Sicherheitszubehör wie im Pkw - es muss teils aber extra bezahlt werden. Ein Fahrerairbag ist zwar grundsätzlich bereits ab Werk an Bord. Beifahrerairbags sind ebenfalls verfügbar, aber laut Ralph Binder vom Caravaning Industrie-Verband oft nur als Sonderausstattungen gegen Aufpreis. ESP sei ebenfalls „flächendeckend verfügbar“ - was im Klartext auch hier „gegen Aufpreis“ bedeutet. Im Hinblick auf die Sicherheit der Insassen sollten solche Aufpreise vorab in die Kalkulation einbezogen werden.

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