Stuttgart-21: Demonstrant wegen Wasserwerfer auf einem Auge erblindet

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Wasserwerfer der Polizei gehen am Donnerstag in Stuttgart im Schlossgarten gegen Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 vor. Ein j
(Foto: Uwe Anspach)
Deutsche Presse-Agentur

Ein 22-jähriger Gegner von Stuttgart 21 hat am Donnerstag bei den Protesten im Schlossgarten eine schwere Augenverletzung erlitten. Möglicherweise wird er auf einem Auge nie mehr sehen können.

Der Chefarzt der Stuttgarter Charlottenklinik für Augenheilkunde, Gangolf Sauder, sagte am Freitag der Nachrichtenagentur dpa, der junge Mann habe auf dem rechten Auge einen frontalen Wasserwerferstrahl abbekommen. Diese Verletzung führte dazu, dass das Lid einen Bluterguss hat und es im Auge selbst zu Blutungen kam. „Bleibende Schäden sind nicht auszuschließen. Es kann sein, dass der Mann auf dem Auge nie mehr sehen kann“, sagte Sauder. Genaueres werde man in ein bis zwei Wochen erfahren, wenn sich das Blut im Auge aufgelöst hat. Derzeit werden die Schmerzen behandelt.

Außerdem seien fünf Patienten ambulant behandelt worden. „Wir haben uns stationär und ambulant auf härtere Zeiten eingestellt. Die Oberärzte sind in Alarmbereitschaft“, sagte Sauder. Die Polizei hatte am Donnerstag bei schweren Auseinandersetzungen mit Demonstranten Wasserwerfer, Reizgas und Schlagstöcke eingesetzt. Über 400 Demonstranten im Schlossgarten erlitten Augenreizungen, einige trugen Platzwunden und Nasenbrüche davon, teilte das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 mit.

Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) hat sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen, die Polizei sei bei der Räumung des Schlossgartens für das Bahnprojekt Stuttgart 21 brachial vorgegangen. „Wir haben im Augenblick keinerlei Anhaltspunkte für Fehlverhalten der Polizei“, sagte er am Freitag in Stuttgart. Dies werde aber noch genauer analysiert. Dagegen hätten Polizisten über Aggressivität von Demonstranten berichtet. „Die Einsatzkräfte waren bis an die Grenze gefordert.“ Stuttgarts Polizeipräsident Siegfried Stumpf sagte, erstmals seit 40 Jahren seien in der Landeshauptstadt wieder Wasserwerfer im Einsatz gewesen. Hintergrund dafür sei die „Eigensicherung“ der Beamten gewesen.

Die Aktivisten hatten versucht, die Räumung des Parks für Bauarbeiten am Bahnprojekt Stuttgart 21 mit Sitzblockaden zu verhindern.

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