Studienbewerber müssen verspätete Zulassung einplanen

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Deutsche Presse-Agentur

Hochschulbewerbern droht im kommenden Herbst nach Expertenansicht ein Chaos bei der Zulassung zum Studium. Bei vielen Bewerbern könnte sich die Studienplatzvergabe in diesem Jahr in die Länge ziehen.

Weil sich nach derzeitiger Regelung viele angehende Studenten an mehreren Hochschulen gleichzeitig bewerben, blieben viele Plätze zunächst unbesetzt, sagt Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Frankfurt. „Die werden dann erst über Nachrückverfahren besetzt. Das heißt, dass man als Bewerber einen verspäteten Studienstart einkalkulieren muss.“

Hintergrund des Problems ist, dass sich die zuständigen Stellen nicht darauf einigen können, wie die Studienplatzvergabe bundesweit koordiniert werden soll. Zunächst war geplant, eine zentrale Servicestelle einzurichten, die alle Anträge für die einzelnen Hochschulen entgegennimmt und so den Überblick über die Gesamtzahl der Bewerber hat.

Wie die Hochschulrektorenkonferenz am Mittwoch in Bonn mitteilte, sollen die Hochschulen nun früher mit ihren Nachrückverfahren beginnen, um frei gebliebene Studienplätze schneller zu vermitteln. Mit der derzeitigen Situation sind die Hochschulen nach Einschätzung der GEW aber überfordert: Studienbewerbern drohe daher im Herbst ein „Zulassungschaos“.

„Jetzt müssen Studenten sich also bei der Hochschulbewerbung weiter in Geduld üben“, sagte Thöne. Das bedeute aber auch, dass Bewerber nicht gleich aufgeben sollten, wenn sie zum Semesterbeginn noch keinen Studienplatz zugesagt bekommen haben. „Da muss man also auf die Lücken hoffen, die sich dann bieten.“ Das Problem dabei sei aber, dass es keine einheitlichen Regelungen dafür gibt, wann Hochschulen ihre Studienplätze nachbesetzen. „Bewerber müssen sich also immer bei den jeweiligen Hochschulen nach dem Stand der Dinge erkundigen, bei denen sie sich beworben haben.“

Ergattern Bewerber dann tatsächlich noch einen Platz im Nachrückverfahren, droht ihnen allerdings gleich neuer Ärger, wenn sie zu spät ins Studium starten. Denn in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen erschweren es die straff organisierten Studienordnungen häufig, verpasste Prüfungen nachzuholen. Auch sind die Anforderungen für die Anwesenheitspflicht oft streng geregelt. Schlimmstenfalls verlieren Studenten also ein ganzes Semester, auch wenn sie wegen der Zulassungsprobleme nur einige Wochen verpasst haben. „Mit solchen Startschwierigkeiten muss man jetzt also schon vorher rechnen, wenn man sich auf einen der neuen Studiengänge bewirbt“, sagte Thöne.

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