Strick oder Spitze: Der Aufschwung der Winter-Kleider

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Deutsche Presse-Agentur

Trendbewusste schalten beim Styling derzeit einen Gang runter. Denn üppige Dekoration ist nicht gefragt: Die aktuelle Mode ist stark von Einzelteilen bestimmt, die mit vereinzelten Details als Hingucker aufwarten.

Das hat einem Kleidungsstück in diesem Winter zu besonderer Bedeutung verholfen, das seine Hochzeit sonst im Sommer hat: Winter-Kleider kommen in dieser Saison in zahlreichen Variationen daher - von kuscheligem Strick bis hin zu zarter Spitze. In Kombination mit Strümpfen und Stiefeln muss darin niemand frieren.

Bisher sei das Kleid von deutschen Frauen eher stiefmütterlich behandelt und seltener getragen worden, sagt Gerd Müller-Thomkins vom Deutschen Modeinstitut in Köln. Mit den aktuellen Kollektionen könnten diese Zeiten nun vorbei sein. Denn Mut zum Kleid passt in diesem Jahr in den Zeitgeist, der schlichte Formen bevorzugt und besonderen Einzelteilen einen Laufsteg bietet. Für Stylistin Birgit Getter aus Düsseldorf zum Beispiel sind Kleider das Sinnbild von Weiblichkeit: „Dabei treffen sich Femininität und Sex-Appeal. Mit einem Kleid ist jede Frau immer gut angezogen.“

Knallige Farben und harte Farbkontraste sind dagegen in der aktuellen kalten Saison gar nicht gefragt, sagt Müller-Thomkins: „Nach wie vor beherrschen Neutrals das Bild.“ Dazu finde sich Grau in eisig kühlen, getönten Varianten in vielen Kollektionen wieder - zu sehen zum Beispiel bei Jil Sander. Wärme strahlen neue Beige-, Karamell- und Honigtöne aus. Akzente setzen Rotorange, Anisgelb, Amethyst, Violett, Kirschrot und Pink.

Auch manches Muster gibt den Einteilern das Besondere - Flächen mit aufgeräumten Hinguckern sind im Trend. Die derzeit vorherrschenden Dessins sind Weiterentwicklungen der luftigen Sommerkleider, sagt Ingo Brack von der Modeschule ESMOD in München: „Dabei sind Ethno- und Blumenmuster immer noch voll im Trend.“ Vor allem Luxushersteller setzen auf Florales, hat der Experte beobachtet. Auch Karos oder geometrische Drucke fänden sich aber in den Kollektionen.

Bei den Formen liegt der Schwerpunkt auf einer körpernahen Silhouette: „Wurde vor einiger Zeit noch vieles auf Hüfte getragen, wird jetzt die Taille betont“, sagt Müller-Thomkins. Damit die Schuhe zur Geltung kommen, reichen die Längen nicht bis zum Boden - in der kalten Jahreszeit wäre das außerdem unpraktisch. „Dank der knieumspielenden Länge wird der Blick auch auf die Beine gelenkt“, erläutert Getter. Hohe Schuhe, zum Beispiel Pumps, Ankle Boots oder Stiefel - machen ihr zufolge den Look perfekt.

Ein wichtiger Trend bei den Stoffen ist Spitze. Miuccia Prada hat es auf dem Laufsteg ihrer Herbst/Winter-Kollektion vorgemacht: Dort flanierten die Models in Kleidern und Röcken aus zarter, handgeklöppelter Schweizer Spitze über den Laufsteg - feminin und trotzdem cool.

Ein Dauerbrenner bleibt Schwarz, sagt Müller-Thomkins - das zeigen die großen Labels von Otto und Benetton bis zu den Luxusherstellern: Richtig kombiniert ist das dunkle Kleid der perfekte Partner für jeden Anlass. Kombiniert mit Clutch-Bag und High-Heels sorgt es für den glamourösen Auftritt am Abend. Mit Parka und Boots aus Vintage-Leder ergibt das Kleid den femininen Casual-Look. Auch die aktuellen Strickkleider, zum Beispiel von Marc O'Polo, verbinden weibliche Eleganz mit Alltagstauglichkeit.

„Schließlich wollen Frauen auch im Berufsleben nicht auf ihr Lieblingskleidungsstück verzichten. Und Kleider aus Wollstoffen oder Strick lassen sich auch bei kühleren Temperaturen gut tragen“, erläutert Müller-Thomkins. Im Alltag können die Einteiler gut mit einer Jacke kombiniert werden - auch das ist im Winter wichtig. „Zierliche Frauen sollten zu kurzen Jacken mit weiten Ärmeln greifen“, rät Getter. „Mollige Frauen können Problemzonen am besten mit einem Cardigan kaschieren, der bis zum Po reicht und auch körperbetont geschnitten sein darf.“

Kleider in Glockenform kaschieren füllige Oberschenkel und den Po. Außerdem lassen sie die Schultern schmal wirken, sagt Stylistin Birgit Getter aus Düsseldorf. Bodenlange Kleider strecken optisch. Weiche, fließende Stoffe - zum Beispiel Chiffon - machen so manches Pölsterchen unsichtbar. Und auch dickeres Material muss nicht dick machen: Wolle zum Beispiel trägt nicht unbedingt auf. Vor allem feine Muster setzen Kurven ins rechte Licht, ein V-Ausschnitt streckt optisch. Und Wickelkleider lenken durch die Wickeltechnik von Problemzonen ab.

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