Stress im Beruf: Pillen sind keine Lösung

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Bei Stress im Job mag es verführerisch wirken, sich mit Hilfe von Pillen zu mehr „Power“ zu verhelfen. Langfristig verschlimmert dies die Probleme oft aber nur.

„Das ist der Einstieg in einen Teufelskreis. Denn auf diese Weise werden ja nur die Symptome bekämpft, nicht aber die Ursachen“, sagte die Pädagogin und Unternehmensberaterin Nicole Truckenbrodt aus Feldkirchen-Westerham. Letztlich führe dieser Weg dann in eine Sackgasse: Wenn Beschäftigte nichts an ihrer Situation ändern, blieben sie im täglichen „Hamsterrad“ gefangen. „Ein Burnout ist dann eine wahrscheinliche Folge.“

Laut einer Befragung der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) dopen sich rund rund zwei Millionen Arbeitnehmer in Deutschland, um den Belastungen im Job standhalten zu können. Rund 800 000 nehmen sogar regelmäßig Mittel wie Aufputschpillen oder Antidepressiva, um ihre Leistung oder Laune bei der Arbeit zu steigern. Befragt wurden rund 3000 Arbeitnehmer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren.

Um aus der Stress-Falle im Job zu entkommen, böten sich als kurzfristige Hilfe Entspannungs- und Atemübungen an. „Das hilft, um in stressigen Situationen wieder mehr bei sich zu sein“, sagte Truckenbrodt. Solche Übungen allein reichten in der Regel aber nicht, um Herr über den Dauerstress zu werden: „Die drei Tipps, mit denen sich solche Probleme schnell mal eben lösen lassen, gibt es nicht.“

Wichtig sei es daher, sich eingehender mit der eigenen Einstellung zur Arbeit zu beschäftigten. Häufig sei übertriebener Perfektionismus ein Grund dafür, dass Beschäftigte sich zu viel Stress bei der Arbeit aufhalsen. Gerade in Krisenzeiten sei das Risiko hoch, sich selbst zu überfordern. Denn wer Angst um seinen Job hat, schiebe öfter auch Überstunden, um beim Chef einen guten Eindruck zu machen. Stressgeplagte müssten aber lernen, sich die eigene Überforderung einzugestehen, um das Problem wirksam zu bekämpfen. „Viele gehen lieber nach dem Motto vor: Augen zu und durch“, sagte Truckenbrodt.

Auch helfe es nichts, bloß über den Chef zu schimpfen oder den Kollegen die Schuld zu geben, wenn die Akten sich auf dem Schreibtisch türmen. Vielmehr müssten Betroffene einsehen, dass sie selbst für ihre Situation verantwortlich sind - dann erkennen sie womöglich auch, dass sie durchaus etwas an ihrer Lage ändern können. Langfristig müsse dabei das Ziel sein, auch einmal „Nein“ sagen zu können, wenn es einem zu viel wird im Job, und sich nicht von zielloser Hektik anstecken zu lassen, wenn es stressig wird. Auf diese Weise lasse sich sogar effektiver arbeiten, so die Expertin.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen