Strenge Eltern: Verbote nicht einfach ignorieren

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Deutsche Presse-Agentur

Bei der Freundin übernachten, einen Freund haben oder auf Partys gehen - wer strenge Eltern hat, kann davon nur träumen. Stattdessen stehen dann Dinge wie Zimmer aufräumen oder im Haushalt helfen auf dem Programm.

Die Schulaufgaben werden kontrolliert und rausgehen darf man nur nach Absprache. Das nervt ganz schön. Schnell fühlt man sich unfair behandelt. Dabei ist das meistens gar nicht so gemeint. „Eltern sind streng, weil sie sich Sorgen um ihre Kinder machen“, sagt Julia aus München. Die 17-Jährige engagiert sich bei dem vom Kinderschutzbund München und der Nummer gegen Kummer organisierten Projekt „Teens on Phone“. Am Telefon berät sie andere Jugendliche mit Problemen.

„Manche Eltern haben auch schlechte Erfahrungen gemacht oder von anderen etwas gehört, was ihnen Angst macht“, erzählt Julia. „Ein anderer Grund für strenge Regeln könnte sein, dass keine gute Vertrauensbasis besteht.“ In solchen Fällen würde sie zuerst mit den Eltern sprechen. „Dabei sollte man versuchen, auch die Eltern zu verstehen, damit es nicht in Streit ausartet.“ „Hat ein Gespräch nichts gebracht, würde ich erst mal überlegen, was schief gegangen ist“, sagt Julia. Dabei könne es helfen, eine Liste anzulegen, auf der man die Punkte notiert, die einem wichtig sind.

Verbote einfach zu ignorieren, sollte man besser vermeiden. Denn wer sich an Abmachungen hält, hat viel bessere Argumente, um mehr Freiheiten für sich herauszuschlagen. „Man kann durch das eigene Verhalten die Eltern steuern“, erklärt Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Fürth. So zahle es sich zum Beispiel aus, wenn man zuverlässig zum verabredeten Termin nach Hause kommt. „Dann kann man versuchen, mit guter Diplomatie über eine Lockerung der Regeln zu verhandeln.“

Ulrich Gerth hält es aber auch für notwendig, dass Eltern gewisse Grenzen setzen. „Wenn sie keine Regeln aufstellen oder schwanken, fehlt die Orientierung.“ Dass es darüber auch Zoff gibt, findet er normal. Die meisten Familien erleben solche Auseinandersetzungen, pflichtet Klaus Seifried vom Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) in Berlin ihm bei. „Wichtig ist, dass eine Streitkultur besteht, also dass man sich streitet und wieder verträgt.“ Ist eine Situation aber so verfahren, dass Eltern und Kinder nicht mehr miteinander sprechen, sollte man sich besser Unterstützung von außen holen.

„Helfen könnten zum Beispiel Vertrauens- oder Klassenlehrer, Mitschüler, Erziehungs- und Familienberatungsstellen und Schulpsychologen“, sagt Seifried, der selbst als Schulpsychologe in Berlin arbeitet. Wenn die Eltern nicht gesprächsbereit sind, könnten Jugendliche sich auch allein an Beratungsstellen wenden.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, machen beide Seiten besser frühzeitig Zugeständnisse und gehen aufeinander zu. „Eltern müssen sich Zeit nehmen, um an der Entwicklung ihrer Kinder teilzuhaben“, sagt Seifried. Und Jugendliche sollten versuchen, „nicht nur sich selbst zu sehen“.

Informationen: Das Justizministerium hat die Broschüre „Meine Erziehung - da rede ich mit“ herausgegeben. Sie kann im Internet heruntergeladen werden unter „bmj.bund.de“, Stichwort „Service“ - „Publikationen“. Die Nummer gegen Kummer ist unter 0800/111 03 33 bundesweit kostenfrei von Festnetz und Handy erreichbar.

Bundeskonferenz für Erziehungsberatung: www.bke.de

Nummer gegen Kummer: www.nummergegenkummer.de

Justizministerium: www.bmj.bund.de

Was Eltern erlauben dürfen oder müssen, ist in vielen Fällen gesetzlich nicht festgelegt. „Vieles ist Verhandlungssache“, sagt Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth. Zwar regle etwa das Jugendschutzgesetz, wie lange Jugendliche in der Öffentlichkeit unterwegs sein dürfen. Ein Recht, so lange auszugehen, haben sie deshalb aber noch lange nicht. „Das können immer noch die Eltern entscheiden.“

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