„Straßenfußballer“ Trochowski greift an

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Deutsche Presse-Agentur

Stark am Ball, strammer Schuss und endlich auch mit Kämpferherz - aus dem EM-Touristen Piotr Trochowski ist beinahe über Nacht ein WM-Aspirant geworden.

Und so offensiv und selbstbewusst hat man den nur 1,69 Meter großen HSV-Profi im Kreise der Fußball-Nationalmannschaft noch nicht erlebt: Zwei Tore legte der 24-Jährige für Lukas Podolski beim Schützenfest in Liechtenstein auf, und meldete noch vor der Weiterreise nach Helsinki forsch seine Ansprüche für das zweite WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland an. „Ich gehe davon aus, dass ich spielen werde“, sagte Trochowski.

Keine Minute ließ ihn Joachim Löw bei der EM in Österreich und der Schweiz ran - gegen Belgien (2:0) und in Liechtenstein (6:0) gab ihm der Bundestrainer nun gleich zweimal die Chance in der Startelf. „Wenn man mir das Vertrauen schenkt, kann ich einiges zurückgeben“, betonte der quirlige Mittelfeldspieler, der immer den Risiko-Pass sucht: „Es reicht, wenn ein Ball ankommt und wir 1:0 gewinnen.“

Bei der EM hängte er sich rein, trainierte, hoffte und war „traurig. Aber das ist Schnee von gestern.“ Im Profi-Fußball zählt nur das Hier und Heute, und da schwärmen plötzlich alle von der starken linken Seite, vom dem Tandem Philipp Lahm/Piotr Trochowski, das vor einem knappen Jahrzehnt schon beim FC Bayern in der B-Jugend gemeinsam auf dem Platz stand. „Piotr war immer ein großes Talent“, berichtete Lahm. Mancher Experte beim FC Bayern hielt den gebürtigen Polen sogar für ein größeres als Lahm und Bastian Schweinsteiger, die dann im Profi-Bereich durchstarteten, während Trochowski nach seinem Wechsel nach Hamburg erst „jetzt richtig aufblüht“, wie Lahm sagte.

„Ich wusste, dass der Knoten mal platzen wird“, sagte Trochowski in St. Gallen. Der feine Techniker, der sich selbst zur aussterbenden Spezies der „Straßenfußballer“ zählt, scheint befreiter und beflügelt. Beim HSV war weniger der Weggang von Rafael van der Vaart zu Real Madrid dafür entscheidend, sondern der Trainer-Wechsel von Huub Stevens zu Martin Jol. „Beim HSV hatte ich keine einfache Zeit“, verriet Trochowski rückblickend über die Stevens-Zeit, in der er nicht gesetzt war. Über den Niederländer Jol schwärmt er dagegen: „Martin Jol hat mich motiviert. Er will hundert Prozent sehen, alles aus mir herausholen. Der HSV hat mit ihm einen guten Griff gemacht.“

Auch Löw, der ihn seit dem Länderspiel-Debüt gegen Georgien (2:0) vor knapp zwei Jahren „an die Hand genommen hat“, wie Trochowski selbst bemerkte, hat ihn nach der schweren EM-Lehrzeit angestachelt. „Der Bundestrainer meinte, dass jetzt mehr von mir kommen muss.“ Gegen Liechtenstein blitzte im 14. Länderspiel für Deutschland sein Können auf. In Helsinki will Trochowski „den Trend fortsetzen“, denn er spürt die Zeit des Umbruchs im DFB-Team, wittert seine Chance: „Ich werde versuchen anzugreifen.“

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