Stimmung in der deutschen Wirtschaft eingetrübt

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Deutsche Presse-Agentur

Nach kurzem Hoffnungsschimmer ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft auf dem Tiefpunkt. Der Geschäftsklimaindex des Münchner ifo Instituts sank im Februar von 83,0 im Vormonat auf 82,6 Punkte.

Damit fiel der Index wieder auf seinen historischen Tiefstand aus dem Dezember zurück. Viele Experten hatten dagegen mit einem leichten Anstieg gerechnet. Weitere Hiobsbotschaften kamen am Dienstag aus den USA. Notenbankchef Ben Bernanke rechnet vorerst mit einem weiteren Abrutschen der US-Wirtschaft in die Rezession. Das Vertrauen der US-Verbraucher fiel im Februar auf ein neues Rekordtief. Nach dem herben Kurseinbrüchen auf neue Tiefstände zu Wochenbeginn sorgten Schnäppchenjäger an der New Yorker Börse indes für ein leichtes Plus.

Bernanke rechnet zum Ende des Jahres mit einer schrittweisen Erholung der US-Wirtschaft, nur wenn die Maßnahmen der Regierung und der Zentralbank greifen würden. Andernfalls drohe eine längere Rezession, deren Überwindung zwei bis drei Jahre dauern dürfte.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn erklärte in München: „Insgesamt deuten die Befragungsergebnisse nicht auf eine konjunkturelle Wende hin.“ Zwar blickten die Firmen etwas zuversichtlicher in die Zukunft. „Dennoch bleiben die Erwartungen der Unternehmen vorwiegend skeptisch.“

Im Februar beurteilten die Firmen ihre derzeitige Geschäftslage deutlich schlechter, der entsprechende Index fiel von 86,8 auf 84,3 Punkte. Dagegen legte der Index, der die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate widerspiegelt, von 79,5 auf 80,9 Punkte zu.

Der ifo-Index wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen aus den Branchen Industrie, Einzel- und Großhandel sowie Bauwirtschaft ermittelt.

Vor allem in der Industrie kühlte das Klima im Februar weiter ab. Sorgen bereitet den Firmen insbesondere die weiter schrumpfende schwache Auslandsnachfrage. Unverändert planen viele Industrieunternehmen einen Stellenabbau. Ihre aktuelle Situation schätzten die Firmen abermals schlechter ein, die kommenden Monate sehen sie aber dennoch insgesamt etwas weniger negativ.

Im Einzelhandel und im Baugewerbe sorgten derweil die Konjunkturpakete für Lichtblicke. Vor allem dank des Käuferansturms im Autohandel beurteilten die Einzelhändler insgesamt ihre Lage etwas günstiger, und auch zu den Zukunftsaussichten äußerten sie sich etwas weniger kritisch. Auch die Bauwirtschaft war mit ihrer aktuellen Situation etwas zufriedener und zeigte sich zuversichtlicher für die kommenden Monate. „Insgesamt ist das Bild doch so, dass man den Konjunkturpaketen etwas Vorschusslorbeeren einräumt, aber das Ganze muss erst noch durchwirken“, sagte der ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Mit 82,6 Punkten steht der ifo-Index wieder exakt auf dem Allzeit- Tief seit Beginn der gesamtdeutschen Erhebung nach der Wiedervereinigung 1991, das im Dezember 2008 erreicht worden war. Im Januar hatte dann ein leichter Anstieg des Konjunkturbarometers Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Belebung genährt. Der ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft.

Der deutsche Aktienmarkt setzte seine Talfahrt am Dienstag unter dem Eindruck der ifo-Ergebnisse mit gebremstem Tempo fort. Der DAX fiel zum Schluss um 1,03 Prozent auf 3895,75 Punkten. Manche Anleger waren von der Höhe der Verluste des staatlich gestützten US- Versicherers AIG schockiert. Diesem droht laut Medienberichten für das vierte Quartal ein Rekordminus von 60 Milliarden Dollar (47 Mrd Euro). Das wäre der größte Quartalsverlust eines Unternehmens in der amerikanischen Geschichte. Der einstige globale Branchenführer verhandele mit der US-Regierung über weitere Nothilfen nach den bereits gewährten rund 150 Milliarden Dollar, hieß es.

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