Stille Bewahrer behüten kleine Kapelle

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 Nur getrennt durch einen schmalen Gehweg steht die Blasius-Kapelle in Rot an der vielbefahrenen Orsenhauser Straße.
Nur getrennt durch einen schmalen Gehweg steht die Blasius-Kapelle in Rot an der vielbefahrenen Orsenhauser Straße. (Foto: Kurt Kiechle)
Kurt Kiechle

Für die Sankt Blasius-Kapelle an der Orsenhauser Straße in Rot wäre in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts beinahe das Aus gekommen. Das kleine Bauwerk war damals in einem desolaten Zustand und schien nicht mehr erhaltenswert zu sein. Erschwerend kam hinzu, dass die Kapelle auch für den Durchgangsverkehr auf der Landstraße 263 ein gewisses Hindernis darstellte. Bereits 1974 sprach sich der Kirchengemeinderat von Sankt Georg Rot für den Abriss aus, weil das kleine marode Bauwerk „an einer sehr ungünstigen Lage ist und somit weder zum privaten noch zum gemeinsamen religiösen Gebrauch genutzt werden kann“.

Finale Rettung durch den Schwäbischen Heimatbund im Jahr 1991

Die Rettung der Kapelle kam in Gestalt des Schwäbischen Heimatbundes (SHB), der sie im Jahr 1991 als Schenkung unter seine Fittiche nahm, nachdem er schon 1978 die Trägerschaft über eine umfangreiche Sanierung übernommen hatte. Das marode Gebäude wurde mit Geldern des Landes Baden-Württemberg denkmalgerecht instand gesetzt. Weitere Sanierungsmaßnahmen folgten in den Jahren 2003 und 2006. Die Kapelle in Rot ist eines der vier Kulturdenkmäler des SHB, der auch Eigentümer der Sankt Blasius-Kapelle und weiterer Kulturdenkmäler ist. Wie einst präsentiert sich das Kapellchen in spätbarockem Weiß und Gelb an besagtem Standort. Die Eckpilaster und der dominierende Giebel verhelfen dem Bauwerk zu einem repräsentativen Erscheinungsbild.

Der Kapelle in Rot hat der Heimatbund in einer Ausgabe der Zeitschrift „Schwäbische Heimat“ einen aufschlussreichen Artikel gewidmet. Als Autor zeichnete Dr. Bernd Langner verantwortlich. Nach den Recherchen des Autors stammt die Kapelle aus dem Jahr 1848. Baumeister und Stuckateur nahmen damals noch die Tradition oberschwäbischer barocker Kapellen auf, doch mit ihrer ruhigen Gestalt und Gliederung, dem Dreiecksgiebel über dem Eingang sowie dem Verzicht auf Ornamente und Figuren gibt sich die Blasiuskapelle als Baubeispiel des 19. Jahrhunderts zu erkennen. Eher kleiner als eine Garage misst sie drei mal vier Meter und bietet nur wenigen Menschen Platz. Was den Anstoß zum Bau dieser Wegekapelle gegeben hat, ist nicht bekannt. Es darf vermutet werden, dass sie ihr Entstehen einer Stiftung von privater Seite zu verdanken hat, womöglich als Dank für die ersehnte Genesung eines Familienmitglieds. Gewissheit herrscht aber darüber, dass der Bauer Blasius Rapp der Auftraggeber war.

Figur des Schutzheiligen ist aus der Kapelle verschwunden

Der Namensgeber des kleinen sakralen Gebäudes ist der Heilige Blasius, der als einer der 14 Nothelfer gilt. Er war Bischof von Sebaste, dem heutigen Sivas in Mittelanatolien. Er starb im Jahr 216 den Märtyrertod. Insbesondere bei Halskrankheiten soll der Heilige die Gebete und Fürbitten von Menschen erhören. Seine Attribute sind Hechelkamm, Schweinskopf und gekreuzte Kerzen. Es ist anzunehmen, dass es in der Sankt Blasius-Kapelle eine Figur des Heiligen gab. Sie ist jedoch schon lange verschollen. Heute ist im Chorschluss, gesichert hinter einem Gitter, das Gnadenbild der betenden Madonna, flankiert von zwei kleinen Engelfiguren, sowie eine Darstellung des heiligen Sebastian und der heiligen Ottilie zu sehen.

Nach Einschätzung des Schwäbischen Heimatbundes wäre schon längst manches landschafts- oder ortsbildprägendes Kulturdenkmal von der Bildfläche verschwunden, wenn sich nicht Privatpersonen, Unternehmen oder auch Vereine für dessen Erhalt einsetzen würden. Die Spendenbereitschaft der SHB-Mitglieder ist ein Garant dafür, dass auch in Zukunft diese kleinen Denkmäler im Land erhalten werden können.

Der Schlüssel zur Pflege des Gebäudes

Einen nicht zu unterschätzenden Beitrag leistet auf andere Weise eine Roter Bürgerin aus der Nachbarschaft der Kapelle. Sie verwahrt seit etwa drei Jahrzehnten die Schlüssel und sorgt auch dafür, dass stets Kerzen im Schrein der Blasius-Kapelle brennen.

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