Stevens und Assauer: Das Singen verband sie bis zum Schluss

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Erfolgreiches Gespann – Rudi Assauer (re.) und Huub Stevens feierten 1997 den Gewinn des UEFA-Cups.
Erfolgreiches Gespann – Rudi Assauer (re.) und Huub Stevens feierten 1997 den Gewinn des UEFA-Cups. (Foto: dpa)
Patrick Strasser

Huub Stevens spricht ruhig und mit gedämpfter Stimme, als ihn die „Schwäbische Zeitung“ telefonisch erreicht. Am Mittwoch ist sein Freund und Mentor Rudi Assauer mit 74 Jahren verstorben. Dessen Tod schmerzt ihn sehr, das spürt man. Dennoch nahm sich der 65-Jährige Zeit, um über Assauer, das München-Gastspiel seines FC Schalke, bei dem Stevens im Aufsichtsrat sitzt, den FC Bayern sowie die Situation bei seinen Ex-Trainerstationen in Stuttgart und Hoffenheim zu sprechen.

Stevens über:

… Assauers Tod: „Es tut sehr weh. Ich habe einen engen Freund verloren. Leider war er durch diese Scheißkrankheit schon seit Jahren nicht mehr der Rudi Assauer wie wir alle ihn kannten, nicht mehr der Assi, der mein Freund war. Jetzt ist er gar nicht mehr da (schluckt, bricht kurz ab).“

… das letzte Treffen: „Vor drei, vier Monaten. Leider war es so, dass er auch mich bei den letzten Besuchen bei ihm und seiner Tochter Bettina zu Hause in Herten nicht mehr erkannt hat. Wenn ich ihm in die Augen geschaut habe, dann habe ich nicht mehr den Rudi erkannt, der er noch vor etwa eineinhalb Jahren war. Die Alzheimer-Erkrankung hat ihn sehr mitgenommen, zuletzt auch körperlich.“

… gemeinsame Gespräche: „Es war zuletzt schwierig, sehr schwierig, sich zu unterhalten. Er war sehr ruhig, in sich versunken. Wenn er früher einen Raum betrat, dann stand da eine Persönlichkeit mit großer Ausstrahlung. Und zuletzt wusste er nicht mehr, wo er war. Alles sehr traurig. Aber wir haben gemeinsam gesungen: „Oh du schöner blauer Vogel“, die Hymne der Taubenzüchter im Ruhrgebiet. An den Text konnte er sich noch immer erinnern, das war super schön. Früher hat er das Lied gerne gesungen, wenn Schalke gewonnen hat. Dazu gab’s Pils.“

… Dankbarkeit: „Rudi hat mich auf den deutschen Trainermarkt gebracht, nur durch ihn bin ich 1996 in die Bundesliga gekommen. Er ist mein Entdecker. Rudi hatte damals den Mut, einen Nobody aus den Niederlanden nach Gelsenkirchen zu holen. Keiner konnte ahnen, dass wir dann mit Schalke einen so erfolgreichen Fußball spielen und ein Jahr später sensationell den Uefa-Cup gewinnen.“

… Assauers Stärken: „Seine Ehrlichkeit, seine Direktheit – das war typisch Assi. Wir haben nach einer Verhandlung nie sofort einen Vertrag unterschrieben. Es gab eine mündliche Einigung und irgendwann das Stück Papier. Seine Tür stand immer für alle offen. Auch als wir nicht mehr zusammengearbeitet haben, konnte ich ihn immer anrufen. Wir vermissen ihn. Unsere gemeinsamen Zeiten, die guten und die schlechten, werde ich nie vergessen.“

… die Krise der TSG Hoffenheim: „Man musste dort erkennen, dass es stets schwieriger ist, oben zu bleiben als nach oben zu kommen. Die Qualifikation für die Champions League war natürlich überragend, aber auch eine Bürde. Was jetzt stattfindet, ist ein Lernprozess. Dass sie die Europa League noch erreichen, wird sehr schwierig, aber nicht unmöglich.“

… die brenzlige Situation des VfB Stuttgart: „Um den VfB mache ich mir große Sorgen. Es passiert so viel, im Grunde zu viel um den Verein herum. In Stuttgart hast du niemals Ruhe. Und das zweite Problem ist: Die Erwartungen aus dem Umfeld, der Sponsoren, Fans und Medien sind so hoch, zu hoch. Sie sollen lieber von Spiel zu Spiel schauen und nicht vom Europapokal träumen wie zu Beginn dieser Saison. Geträumt wird nachts – im Bett.“

… die Gefahr des Abstiegs mit Coach Markus Weinzierl: „Ich denke, sie bekommen große Probleme, weil Nürnberg und Hannover sich steigern werden gegen Ende der Saison. Denn dann kämpfen sie ums Überleben. Der VfB, Nürnberg, Hannover sowie Augsburg und Düsseldorf, die aktuell noch über dem Strich stehen, werden die Absteiger unter sich ausmachen.“

… das Duell der Schalker am Samstag beim FC Bayern: „Wenn Bayern zu Hause Schalke empfängt, ist doch klar, wer der große Favorit ist. Wenn du als kleinerer Verein aus München etwas mitnehmen kannst, wäre es sensationell. Unser Vorteil ist: Wir können frei auflaufen – trotz allem, was in der Vergangenheit war. Dann hast du immer eine kleine Chance. Wir haben keinen Druck, den hat Bayern. Sie müssen gewinnen – immer.“

… die Entscheidung in der Meisterschaft: „Dortmund ist der große Favorit. Sie spielen den besten Fußball, die entscheidende Frage wird sein: Wie kommen sie mit dieser Favoritenrolle klar? Das ist eine Sache des Kopfes. Aber mit den Bayern musst du immer rechnen. Aber wenn sie in Leverkusen verlieren, dann muss man Bedenken haben, was ihre Entwicklung betrifft. Bayern ist aktuell nicht stabil. Sie bekommen Gegentore, die sie früher nicht bekommen haben. In der Offensive kreieren sie nicht die Anzahl von Chancen, die man auf diesem Niveau braucht, um die Spiele nach Hause zu bringen.“

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