Stepney drohen weiter Folgen wegen Spionage-Affäre

Lesedauer: 3 Min
Deutsche Presse-Agentur

Trotz des Schlussstrichs von McLaren-Mercedes unter die Formel-1-Spionageaffäre mit Ferrari muss der frühere Scuderia-Chefmechaniker Nigel Stepney weiter mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.

Der „Gazzetta dello Sport“ zufolge wollen die italienischen Behörden bis Ende März die Ermittlungen gegen den Briten wegen angeblicher Sabotage beim Ferrari-Rennstall abschließen. Danach werde die Staatsanwaltschaft Anklage erheben, hieß es weiter. Stepney, dem auch die Übergabe von Ferrari-Plänen an einen McLaren-Mercedes-Mitarbeiter vorgeworfen wird, sieht sich als Opfer einer Verschwörung.

McLaren-Mercedes hatte die Spionage-Affäre aus dem Jahr 2007 endgültig zu den Akten gelegt. Mit einem Vergleich war das Verfahren in Modena wegen Verletzung des Industrie-Geheimnisses in Italien gegen den früheren Chef-Designer Mike Coughlan und drei Techniker des Teams eingestellt worden. Coughlan muss ein Bußgeld von 180 000 Euro zahlen, seine ehemaligen Kollegen je 150 000 Euro.

Vor zwei Jahren war Ferrari-Datenmaterial bei McLaren-Mercedes aufgetaucht. Der britisch-schwäbische Rennstall wurde daraufhin von der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft ausgeschlossen und zu einer Rekordgeldstrafe von 100 Millionen Dollar verurteilt.

Als Auslöser für den wohl größten Skandal in der „Königsklasse“ gilt der ehemalige Ferrari-Mann Stepney. Ein 780-Seiten-Dossier mit Daten der Scuderia soll Stepney McLaren-Mitarbeiter Coughlan überlassen haben. Zudem wird ihm vorgeworfen, vor dem Großen Preis von Monaco 2007 weißes Pulver in die Ferrari-Tanks geschüttet und damit die Autos sabotiert zu haben. Stepney wurde von seinem Arbeitgeber suspendiert. Auch McLaren-Mercedes trennte sich von Coughlan.

Der Automobil-Weltverband (FIA) hob Anfang Februar den gegen Stepney und Coughlan ausgesprochenen Formel-1-Bann vorzeitig auf. Nach Bekanntwerden der Affäre hatten die FIA alle Formel-1-Teams aufgefordert, die beiden Verdächtigen bis mindestens Juli 2009 nicht zu beschäftigen.

Der Zwist zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes ist nach fast zwei Jahren nach dem Höhepunkt des Skandals weitgehend beigelegt. „Ich habe heute ein anderes Bild von Ferrari als vor einem Jahr. Damals war unser Verhältnis eher feindschaftlich. Vielleicht schweißen schwierige Zeiten zusammen“, sagte der scheidende McLaren-Teamchef Ron Dennis der Online-Ausgabe des Fachmagazins „auto, motor und sport“. Im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise sind die beiden Rennställe in der Teamvereinigung FOTA zusammengerückt, um die Zukunft der Formel 1 zu sichern. Die Ergebnisse der Kooperation seien „bereits tiefgreifend“, sagte Dennis jüngst.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen