Stephan Fanderl: Der deutsche „Mr. Warenhaus“

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Warenhäuser
Dass die Fusion von Karstadt und Kaufhof der Königsweg ist, um die Zukunft der Warenhäuser in Deutschland gegen Konkurrenz von Online-Anbietern sowie Einkaufs- und Outlet-Centern zu sichern, steht für Fanderl fest. (Foto: Marius Becker / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Erich Reimann

Es ist kein offizieller Titel. Aber mit einigem Recht kann sich Stephan Fanderl ab sofort der neue deutsche „Mr. Warenhaus“ nennen.

Unter seiner Führung soll der langgehegte Traum von der Deutschen Warenhaus AG - dem Zusammenschluss der ewigen Rivalen Karstadt und Kaufhof unter einem Dach - doch noch Wirklichkeit werden. Die Grundlagen dafür hat der 54 Jahre alte Manager in mühsamer Arbeit bei Karstadt gelegt.

Als der aus einer Ingolstädter Kaufmannsfamilie stammende Fanderl 2014 das Ruder bei dem Essener Unternehmen übernahm, war das wahrscheinlich der schwierigste Job, der im deutschen Einzelhandel zu vergeben war. Nach der Pleite des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor hatten sich unter dem nächsten Eigentümer, dem deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen, die Problem eher noch verschärft. Am Ende musste Berggruen die Karstadt Warenhaus GmbH für den symbolischen Preis von einem Euro an die Signa-Holding des österreichischen Investors René Benko verkaufen.

Fanderl - bis zu diesem Zeitpunkt Aufsichtsratschef der Warenhauskette - übernahm auf Bitte von Benko den Vorstandsvorsitz bei der ums Überleben kämpfenden Firma. Er fing an, Karstadt umzukrempeln. Dabei begann er ganz oben. Die repräsentativen Vorstandsbüros in der Zentrale wurden abgeschafft, stattdessen saßen plötzlich auch die Top-Manager im nüchternen Großraumbüro.

Gleichzeitig verordnete Fanderl der Warenhauskette eine harte Sanierung, zu der auch der Abbau zahlreicher Stellen und Filialschließungen gehörten. Bei der Gewerkschaft stieß das Vorgehen damals auf heftigen Widerstand. Die Mitarbeiter würden für die Management-Fehler der vergangenen Jahre bestraft, klagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger angesichts der von Fanderl vorangetriebenen Schließungspläne.

Der neue Chef strich aber nicht nur Stellen, er stutzte auch das Marken-Wirrwarr bei Karstadt und ließ Flächen an externe Händler vermieten. Bei der Sanierungsarbeit kam ihm zugute, dass er den Einzelhandel als Sohn eines Edeka-Händlers von Kindesbeinen an erlebt hat. „Dass er Handel kann, merken Mitarbeiter beim ersten Besuch in der Filiale“, zitierte das Fachblatt „Textilwirtschaft“ eine Stimme aus Fanderls Umfeld. „Der bleibt beim ersten Warenträger stehen und sagt den Mitarbeitern, wo der Fehler ist.“

Die Akribie machte sich bezahlt. Fanderl gelang, woran seine Vorgänger scheiterten. Für das Geschäftsjahr 2016/2017 wies das Unternehmen mit seinen 79 Warenhäusern erstmals seit zwölf Jahren unter dem Strich wieder einen Gewinn aus: 1,4 Millionen Euro.

„Karstadt geht es finanziell so gut wie die letzten 15 Jahre nicht mehr“, sagte der Manager im Frühjahr dem „Handelsblatt“. Inzwischen plant die Warenhauskette unter Fanderls Führung nach rund 30 Jahren sogar wieder die Eröffnung zweier neuer Filialen in Berlin.

Der Erfolg wirkt umso beeindruckender, weil der lange Zeit deutlich erfolgreichere Konkurrent Kaufhof gleichzeitig unter dem neuen kanadischen Eigentümer Hudson's Bay Company (HBC) in die roten Zahlen rutschte und auch dort ein erheblicher Sanierungsbedarf deutlich wurde. Ein Problem, das jetzt Fanderl lösen muss.

Dass die Fusion von Karstadt und Kaufhof der Königsweg ist, um die Zukunft der Warenhäuser in Deutschland gegen Konkurrenz von Online-Anbietern wie Amazon, Billigketten wie Primark sowie Einkaufs- und Outlet-Centern zu sichern, steht für Fanderl fest. Immer wieder betonte er in den vergangenen Monaten: „Die industrielle Logik in diesem Geschäft hat sich seit Jahren nicht verändert. Sie spricht für ein einziges Warenhaus-Unternehmen in Deutschland.“

Nun muss er beweisen, dass der Zusammenschluss der Warenhaus-Konzerne wirklich neue Kräfte freisetzen kann. Viele Mitarbeiter dürften allerdings mit gemischten Gefühlen in die Zukunft blicken. Schließlich hat „Mr. Warenhaus“ schon bei Karstadt bewiesen, dass er auch zu harten Einschnitten bereit ist, wenn er sie für nötig hält.

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