Stadtrat lehnt Tempo 30 auf der B 311 ab

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Die Lärmschutzwand für das Haus in der Storchenneststraße verläuft hinter dem Zelt. Hier müsste noch mehr gemacht werden, um di
Die Lärmschutzwand für das Haus in der Storchenneststraße verläuft hinter dem Zelt. Hier müsste noch mehr gemacht werden, um die Einwohner zu schützen. (Foto: Jennifer Kuhlmann)

Eine Tempo-30-Zone auf der Bundesstraße 311 zwischen den beiden Kreisverkehren am Bahnhof und am Penny-Markt in Mengen kann sich die Mehrheit der Gemeinderäte nicht vorstellen. Auch nicht, wenn das Tempolimit nur nachts gelten soll. Das ist bei der Vorstellung des Lärmaktionsplans für die Stadt in der Sitzung am Dienstag deutlich geworden. Im vom Ingenieurbüro Brenner Bernard vorgestellten Konzept war die Geschwindigkeitsreduzierung als Sofortmaßnahme zum Lärmschutz für Bewohner zweier Mehrfamilienhäuser in der Storchenneststraße empfohlen worden.

Wie Volker Badouin, Sachgebietsleiter Tiefbau, anfangs erläuterte, ist die Stadt Mengen wie alle Kommunen dazu verpflichtet, einen sogenannten Lärmaktionsplan für besonders lärmbetroffene Gebiete aufzustellen. Grundlage dieser Pflicht sind die Umgebungslärmrichtlinie der Europäischen Union und das Bundesimmissionsschutzgesetz. Pläne sind demnach für Hauptverkehrsstraßen mit einem Verkehrsaufkommen von über drei Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr erforderlich.

Nur ein Lärmschwerpunkt

Die Stadt Mengen hatte das Büro Brenner Bernard damit beauftragt, die Lärmsituation zu ermitteln und zu bewerten und einen Lärmaktionsplan aufzustellen. Ingenieurin Anne Griebel stellte den Entwurf im Gemeinderat vor. Neben der B 32 sind laut den aktuellen Verkehrszählungen des Büros die B 311 im Bereich zwischen der Einfahrt zu Nudel Buck und dem Kreisverkehr Meßkircher Straße (9750 Fahrzeuge in 24 Stunden), die Meßkircher Straße vom Kreisverkehr bis zur Einfahrt Zeppelinstraße (8300 Fahrzeuge) und der Bereich zwischen den beiden Kreisverkehren am Bahnhof und beim Penny-Markt (12 300 Fahrzeuge) betroffen.

„Wir haben dann als nächstes Lärmschwerpunkte ermittelt“, sagt Griebel. Das sind die Orte, an denen im 24-Stunden-Wert der Grenzwert von 70 Dezibel und nachts zwischen 22 und 6 Uhr der Wert von 60 Dezibel überschritten werden. Für Mengen hat sich ein einziger Lärmschwerpunkt ergeben, der sich an der Storchenneststraße in unmittelbarer Nähe zur B 311 befindet. Die beiden Wohnblöcke Storchenneststraße 5 und 11 würden zwar jeweils über einen ein Meter hohen Erdwall mit Bewuchs und eine etwa zwei Meter hohe Lärmschutzwand verfügen, diese Maßnahmen reichen aber rechnerisch nicht aus, um allen Einwohnern den richtigen Lärmschutz zu gewähren. Hier ist im 24-Stunden-Wert statistisch gesehen ein Einwohner betroffen, nachts sind es vier.

Als Sofortmaßnahme würde zum Schutz der Betroffenen ein nächtliches Tempolimit von 30 Stundenkilometers auf dem Teilstück der B311 greifen. Mittel- und langfristig könnten der Erdwall erhöht und Lärmschutzfenster, Schalldämmlüfter und weitere Schallschutze für Balkone eingebaut werden. Die meisten Gemeinderäte sahen das Tempolimit kritisch. „Die Autofahrer weichen dann aus und fahren durch Ennetach“, sagte etwa Stefan Vollmer (CDU). „Dann schützen wir einerseits einige wenige Einwohner und gleichzeitig werden durch das Ausweichen deutlich mehr in Ennetach belastet.“ Favorisiert werden deshalb die anderen Maßnahmen, auch wenn dann Kosten auf die Stadt zukämen, betonte auch Bürgermeister Bubeck.

Die Räte hatten den Plan am Dienstag nur zur Kenntnis zu nehmen. Als nächstes wird er öffentlich ausgelegt und Stellungnahmen von den Trägern öffentlicher Belange eingeholt. Dabei soll direkt vermerkt werden, dass der Gemeinderat kein Tempo 30 anstrebt. Voraussichtlich im August kann der Plan dann offiziell beschlossen werden.

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