Staatsanwältin Lichtinghagen ging vor Prozessbeginn

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Deutsche Presse-Agentur

Als „Volkssport der Oberschicht“ hatte die Bochumer Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen die Steuerhinterziehung über Liechtensteiner Stiftungen an den Pranger gestellt. Das Ziel der Steuerspezialistin: Das „sozialschädliche Verhalten“ der Reichen zu bekämpfen.

Dabei zeigte sie auch gegenüber Wirtschaftsbossen Härte. Ihr schillerndster Fall war der von Postchef Klaus Zumwinkel. Als sie ihn Mitte Februar nach einer Razzia aus seinem Haus abführte, wurde sie schlagartig zur bekanntesten Steuerjägerin Deutschlands.

Zehn Jahre lang hat die heute 54-Jährige versucht, möglichst viel Geld für den Staat einzunehmen und zusätzliche Strafgelder für soziale Zwecke verteilen zu lassen. Hunderte Verfahren in der Steueraffäre Liechtenstein haben die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen in Bochum bereits beschäftigt. Prominente wurden in günstigen Fällen mit Strafbefehl bedacht, mitunter kam es zu Untersuchungshaft und Prozess. „Einen Promibonus gibt es bei ihnen nicht“, sagte ein renommierter Steueranwalt.

Nach internen Querelen in ihrer Behörde nahm Lichtinghagen noch vor dem Zumwinkel-Prozess den Hut und wechselte als Richterin an das Amtsgericht Essen. Nordrhein-Westfalens Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) ließ erklären, das Verhältnis zwischen Lichtinghagen und ihren Vorgesetzten sei zerrüttet. Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf versucht derzeit, Licht in die Geschichte zu bringen. Auch Vorwürfe, die Mutter von zwei Töchtern habe Geldauflagen an die Privatuniversität Witten-Herdecke verteilt, an der eine Tochter studiert, warten auf Klärung.

Den Fall Zumwinkel klagen nun Lichtinghagens Kollegen an. Mit Daniela Wolters geht sogar ein bekanntes Gesicht für die Staatsanwaltschaft in den Prozess. Sie war schon bei der Zumwinkel-Razzia dabei. Die Bilder gingen um die Welt. Wolters bildet das Anklageteam zusammen mit ihrem Abteilungsleiter Gerrit Gabriel.

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