Staatsanwältin fordert lebenslange Haft für Fritzl

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Deutsche Presse-Agentur

Der Inzesttäter von Amstetten, Josef Fritzl, soll lebenslang ins Gefängnis. Das hat die Anklagevertretung im Schwurgerichtsprozess gegen den 73-Jährigen am Donnerstag in St. Pölten gefordert.

Staatsanwältin Christiane Burkheiser vertrat die Ansicht, dass Fritzl 1996 seinen nach der Geburt in einem Kellerverlies lebensbedrohlich erkrankten Sohn und Enkel Michael bewusst habe sterben lassen. Dadurch habe er sich des „Mordes durch Unterlassung“ schuldig gemacht.

„Dafür verdient er die Höchststrafe“, sagte sie in Richtung der Geschworenen. Die Verteidigung wies dagegen den Mordvorwurf zurück und bat um Verständnis für Fritzl, der vermutlich „sowieso für 20 Jahre ins Gefängnis kommt.“ Nach den insgesamt 40-minütigen Plädoyers erhielt der Angeklagte Fritzl das Schlusswort. „Ich bereue es aus ganzem Herzen, was ich meiner Familie angetan habe. Ich kann es leider nicht mehr gut machen. Ich kann nur schauen, den Schaden nach Möglichkeit zu begrenzen.“

Zuvor hatte die für Fritzls Tochter Elisabeth auftretende Opferanwältin Eva Plaz ebenfalls die Höchststrafe wegen Mordes an dem neugeborenen Michael Fritzl gefordert. Plaz, die im Namen Elisabeths an dem Prozess teilgenommen hatte, wies die zwölf Geschworenen darauf hin, dass Josef Fritzl nach der Geburt des kranken Kindes Ende April 1996 sehr wohl gewusst habe, dass der Säugling lebensgefährlich erkrankt war. „Michael ist durch Qualen gestorben, und meine Mandantin musste ihm dabei tagelang zusehen“, rief sie den Schöffen zu. „Der Angeklagte hat sich zum Herrn über Leben und Tod gemacht. Dafür muss er bestraft werden.“

Nach den Plädoyers zogen sich die ausgewählten acht Hauptgeschworenen zur Beratung über den Schuldspruch zurück. In ihrem Plädoyer hatte die Staatsanwältin zuvor darauf hingewiesen, dass Fritzl sich auch der „Sklaverei“ schuldig gemacht habe, indem er seine Tochter „in ein Sklaverei-ähnliches Verhältnis gebracht“ habe. „Das ist ein Zustand voller Abhängigkeit ohne jede Chance aus freiem Willen entkommen zu können“. „Sklaverei“, die in Österreich vor Gericht erst einmal verhandelt wurde, kann mit bis zu 20 Jahren Gefängnis bestraft werden.

Im Gegensatz zur Anklägerin und Opferanwältin versuchte Fritzls Verteidiger Rudolf Mayer den Vorwurf des Mordes durch Unterlassung zu entkräften. Fritzl hatte sich am Mittwoch auch in diesem Punkt schuldig bekannt. Mayer bestätigte in seinen Ausführungen, dass Fritzls Tochter Elisabeth am Mittwoch bei der Vernehmung ihres Vaters im Gerichtssaal anwesend war. Schon vorher sei der Angeklagte „sichtlich verfallen“, meinte Mayer.: „Als er bemerkt hat, dass die Elisabeth dort (auf der Zuschauertribüne) sitzt, war's mit ihm ganz aus!“ sagte der Verteidiger.

Mit dem Urteil in dem Prozess wird nicht vor 13.00 Uhr gerechnet.

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