Spurensuche im Schnee: Entdeckungstouren im Wald

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Deutsche Presse-Agentur

Wenn im Winter die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken und der Schnee die Natur in strahlendes Weiß hüllt, scheinen auch die Wälder wie ausgestorben. Doch ein Spaziergang muss deshalb nicht langweilig sein.

Gerade in der kalten Jahreszeit gibt es jede Menge zu entdecken. So hinterlassen Rehe, Wildschweine und andere Waldtiere ihre Spuren im Schnee. Sie zu entdecken und zu lesen, kann spannend und lehrreich sein.

„Während die Vogelfauna im Winter sehr ausgedünnt ist, sind alle Tiere, die nicht fliegen können, noch da“, sagt Edmund Haferbeck von der Tierrechtsorganisation PETA in Gerlingen in Baden-Württemberg. Daher biete die kalte Jahreszeit besonders gute Voraussetzungen für die Tierbeobachtung.

Sobald etwas Schnee liegt, sind auch die Spuren der Waldbewohner zu sehen. Ob Rehe, Wildschweine, Füchse, Hasen oder Rothirsche - jede Tierart hinterlässt ihre eigene Spur. „Manchmal sind die Fährten nicht so einfach voneinander zu unterscheiden“, sagt Haferbeck. „Rehe und Wildschweine zum Beispiel sind 'Schalentiere', die auf den Zehen laufen. Ihre Spur kommt hauptsächlich von den sogenannten Schalen. So nennt man die Verhornung ihrer Füße.“

Die meisten Wildtiere sind Paarhufer. Jeder ihrer Hufe hinterlässt daher zwei Abdrücke. „Die am häufigsten vorkommende Spur im Wald ist die vom Reh und an zwei länglichen Abdrücken zu erkennen, die vorn spitz zulaufen, sozusagen ein Dreieck bilden“, erklärt Haferbeck. Auch Wildschweine sind Paarhufer. Die Abdrücke ihrer Hufe bilden aber kein Dreieck, sondern verlaufen parallel. Außerdem hinterlassen auch ihre Hinterzehen Spuren, so dass sich insgesamt vier Abdrücke bilden. Im Gegensatz zum zarten Reh ist der Rothirsch sehr schwer und hinterlässt dadurch eine Spur, die wesentlich tiefer liegt. „Außerdem hat er größere Hufe und hinterlässt somit größere Abdrücke“, so Haferbeck. Im Gegensatz zu den Huftieren lassen sich Tatzengänger wie Luchse seltener sehen. Dafür kommen Füchse etwas häufiger vor. Ihre Spur ist der eines Hundes sehr ähnlich. Allerdings setzen Füchse ihre Spur in einer Linie direkt hintereinander, treten mit den Hinterläufen in die Spur der Forderläufe. Experten nennen diese Art der Fortbewegung auch schnüren.

Doch so spannend das Beobachten der Wildtiere und ihrer Spuren ist - wer sich dabei nicht an Regeln hält, stört die Waldbewohner. „Wichtig ist, sich keinesfalls von den öffentlichen Wegen wegzubegeben“, sagt Julian Heiermann vom Naturschutzbund NABU in Berlin.

Wenn Tiere nicht zur Ruhe kommen und immer wieder aufgeschreckt werden und flüchten müssen, werden durch die ständige Bewegung ihre Fettreserven angegriffen. „Die Tiere müssen dann hungern, weil es im Winter nicht genug zu fressen gibt.“ Außerdem könne es passieren, dass Rehe oder Wildschweine über Straßen flüchten, wenn sie aufgeschreckt werden. Die Folge: Wildunfälle.

Katrin Umlauf vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn rät Hundehaltern deshalb, ihre Vierbeiner vor dem Waldspaziergang unbedingt anzuleinen. „Gerade Jagdhundrassen lieben die Fährtensuche und sind dabei manchmal nicht mehr zu bremsen.“

Eichhörnchen halten während der kalten Jahreszeit Winterruhe. Im Gegensatz zu Hamstern oder Igeln, die fest schlafen, kommen sie ab und zu aus ihren Höhlen, um auf Nahrungssuche zu gehen. „Auch dabei hinterlassen sie Spuren“, sagt Edmund Haferbeck von der Tierrechtsorganisation PETA. Auf dem Boden kann man Fichtenzapfen sehen, aus denen die kleinen Tiere Samen herausgefressen haben. Dabei nagen Eichhörnchen den Zapfen ab wie Menschen einen Maiskolben. Auch einige Vogelarten, wie die Tannenmeise, picken Samen aus Zapfen. „Auf den ersten Blick sieht jeder auf der Erde liegende Baumzapfen gleich aus. Aber wer genauer hinschaut und sich ein bisschen auskennt, kann genau erkennen, welche Tiere sich von ihm ernährt haben.“

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