Sponsoren-Flucht trifft Formel 1

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Deutsche Presse-Agentur

Die schlechten Nachrichten reißen für die Formel 1 nicht ab. Mit dem in Not geratenen Williams-Geldgeber Royal Bank of Scotland (RBS) kündigte der nächste Großsponsor seinen Ausstieg aus der Motorsport-Königsklasse an.

Einen Tag später stoppten die Investoren in Dubai wegen Geldmangels das Millionen-Projekt eines bereits zur Hälfte fertiggestellten Formel-1-Themenparks. Die Flut von Hiobsbotschaften drückt zunehmend auf die Stimmung vor dem Saisonstart Ende März und lässt Zweifel an der langfristigen Zukunft des PS-Spektakels wachsen. „Es ist schwerer geworden, Geldgeber aufzutreiben“, sagte Teamchef Frank Williams.

Die tief in den Roten Zahlen steckende RBS folgt mit dem Rückzug bei Williams zum Vertragsende 2010 dem Beispiel anderer Geldinstitute. Der niederländische Finanzkonzern ING spart sich nach der kommenden Saison die Millionen als Titelsponsor des Renault-Rennstalls um den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso. Die Schweizer Bank Credit Suisse stellte schon zu Beginn des Jahres die Zahlungen an das BMW-Sauber-Team ein. „Unser Sport steht angesichts der schwierigen weltwirtschaftlichen Lage vor einer tiefgreifenden Umstrukturierung“, urteilte Renault-Teamchef Flavio Briatore.

Privatteams wie Williams, die ohne die Rückendeckung eines großen Automobil-Konzerns auskommen müssen, trifft die Krise mit voller Wucht. Der Arbeitgeber des deutschen Piloten Nico Rosberg soll schon in den vergangenen beiden Jahren umgerechnet etwa 50 Millionen Euro Verlust gemacht haben. Vor dieser Saison bewahrte das Team angeblich nur ein Vorschuss von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone in Höhe von 15 Millionen Euro vor dem Aus. Mit dem Ausstieg der RBS, die für 2008 den Rekordverlust von 24,1 Milliarden Pfund auswies, gehen dem Rennstall bis zu 15 Prozent seines Budgets verloren. Zuvor hatten sich bereits das Computer-Unternehmen Lenovo und der brasilianische Öl-Gigant Petrobas verabschiedet.

„Kein Sponsor allein bedeutet für uns Alles oder Nichts“, betonte Williams-Geschäftsführer Adam Parr in der Tageszeitung „Daily Mail“. Doch die Sorgen in der Formel 1 werden nicht geringer. Zwar haben sich die Teams in bisher ungekannter Einigkeit nach dem überraschenden Rückzug des japanischen Autobauers Honda im Dezember auf drastische Sparmaßnahmen verständigt. Automobil-Weltverbandschef Max Mosley drängt jedoch angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise auf weitere Einsparungen. „Die Situation heute ist noch viel schlimmer“, befand der Brite.

Am 3. März will die Teamvereinigung FOTA in Genf die Ergebnisse der jüngsten Verhandlungen bekanntgeben. Bis dahin hofft die Vollgas-Branche auf einen Lichtblick: Das frühere Honda-Team soll auf der Suche nach frischem Geld fündig geworden sein und in der kommenden Woche in Spanien endlich sein neues Auto testen.

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