Spielend Geld verdienen: Nebenjob als Spieletester

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Am Ende heißt es „test to destroy“: Die Spieler drücken wilde Tastenkombinationen oder versuchen, aus der Spielewelt auszubrechen. Ziel ist es dabei, das Spiel zum Absturz zu bringen oder eine Situation zu erreichen, in der es nicht weitergeht.

Auf diese Weise werden neue Titel für PCs und Konsolen kurz vor der Veröffentlichung auf letzte Fehler geprüft. Diesen Job übernehmen Spieletester. Das sind neben Festangestellten vor allem Studenten und auch Schüler. Wer diesen Nebenjob anstrebt, braucht Ausdauer - und hat zugleich Chancen, einen Fuß in die Spielebranche zu bekommen.

„Viele Leute haben völlig falsche Vorstellungen vom Testen“, sagt Michael Höhndorf von Quality Four in Potsdam. Die Firma hat sich auf das Testen von Computer- und Konsolenspielen, die „Quality Assurance“ (QA), spezialisiert. „Es ist nicht so, dass man nur ein paar Stunden vor sich hin daddelt.“ Die Tester müssen nach definierten Testplänen arbeiten und Handlungsabläufe überprüfen. Das kann bedeuten, im Spiel von Punkt A nach Punkt B zu gehen und unterwegs Aufgaben zu lösen. Soll ein Geldkreislauf geprüft werden, müssen Tester dagegen immer wieder Waren kaufen und verkaufen und dabei die Werte im Blick haben.

Spieletester werden bei Entwicklern und bei Publishern gesucht. Freie Stellen stehen auf den Internetseiten der Firmen. Die meisten suchen Studenten. „Wir stellen auch Schüler ein“, sagt Pan Schröder vom Publisher dtp-entertainment in Hamburg, „die testen Kindertitel.“

Erfahrungen mit unterschiedlichen Spieletiteln sind hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. Wer wenig Kenntnisse mitbringt, bemerke sogar eher, wenn ein Spiel nicht selbsterklärend ist, sagt Schröder. Laut Frank Fay sind Computerkenntnisse und Erfahrungen mit Datenbanken aber nützlich: „Man sollte schon eine Betriebssystem-Einstellung vornehmen können“, sagt der QA-Leiter der Firma Keyfactor im hessischen Eschborn, die unter anderem Spiele für Atari testet. Außerdem müssen Bewerber mindestens Schulenglisch sprechen und sich schriftlich ausdrücken können. Schließlich müssen komplexe Handlungen auf dem Bildschirm für die Fehlerdatenbank in Worte gefasst werden.

In der Regel verlangen Firmen einen Probearbeitstag. „Wir schauen, ob ein Bewerber die eingebauten Fehler findet und in Englisch und Deutsch posten kann“, sagt Höhndorf. Schlecht prüfen lässt sich dagegen die vielleicht wichtigste Qualifikation: Ausdauer. Denn das Testen kann sehr öde sein. Trat ein Fehler in einer Situation auf, müssen die Tester diese immer wieder spielen und prüfen, wie und wann der Fehler sich wiederholt. Das ist wichtig für die Programmierer.

In der Regel sind die Tester einem Spiel zugeordnet. Damit sie bei den wiederkehrenden Spielszenarien nicht durchdrehen, werden sie aber durchgewechselt. „Sonst wird man auf Dauer zu betriebsblind“, sagt Pan Schröder. Obwohl sich immer mehr Studiengänge mit der Entwicklung von Spielen beschäftigen, kann auch der Testerjob ein Einstieg in die Branche sein. „Gute Tester werden immer gesucht“, sagt Fay. Sie können zum angestellten Tester, zum QA-Leiter oder Projektleiter aufsteigen - ein Weg, den Michael Höhndorf genau so gegangen ist.

In der Masterphase eines Spiels - kurz vor der Veröffentlichung - wird es bei Entwicklern und Publishern meistens hektisch. Dann arbeiten die Firmen bis spät in die Nacht - und sind froh, wenn ihre Tester das mitmachen. „Das ist kein normaler Acht-Stunden-am-Tag-Job“, sagt Michael Höhndorf von Quality Four. Bezahlt werden Tester in der Regel nach Stunden, der Lohn liegt bei sechs bis zehn Euro.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen