Spezielle Schutzplanke kann Motorradfahrer retten

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Anna Ernst

Leitplanken am Fahrbahnrand sollen Verkehrsteilnehmer schützen, doch für Motorradfahrer sind sie oft eine tödliche Falle. Biker können unter den Planken eingeklemmt werden. Vor allem die teils scharfen senkrechten Pfosten sind dann ein enormes Verletzungsrisiko. Helfen kann ein spezielles Blech: ein so genannter Unterfahrschutz. Er kann „beispielsweise verhindern, dass bei einem Sturz Gliedmaßen abgetrennt werden“, betont Carl Eugen Metz vom ADAC Württemberg. Der Automobilclub setzt sich für einen flächendeckenden Einsatz dieser Schutzplanken ein, vor allem an Gefahrenstellen. Auch im Laucherttal wurde bei der Sanierung der B 32 bereits die Sicherheit von Motorradfahrern mitbedacht.

Kurven sind besonders gefährlich

Wie hoch der Bedarf ist, zeigt die Statistik: 104 Roller- oder Motorradfahrer waren im vergangenen Jahr im Landkreis Sigmaringen an Unfällen beteiligt. Der Zollernalbkreis zählte 89 Motorradunfälle. Landesweit waren es rund 4600 Motorradfahrer, die verunglückten – 104 von ihnen tödlich. Damit ist die Zahl um mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Überhöhte Geschwindigkeit ist in 70 Prozent aller Fälle die Unfallursache gewesen, teilt das statistische Landesamt mit. „In Bezug auf gefahrene Kilometer ist das Risiko, bei einem Verkehrsunfall mit einem Motorrad ums Lebens zu kommen, 18-mal so hoch wie mit einem Pkw“, warnt der ADAC Württemberg.

In unübersichtlichen, kurvenreichen Streckenabschnitten, wie sie auf der Alb zuhauf existieren, ist die Unfallgefahr für Motorradfahrer besonders hoch. Bei einem Sturz in einer Kurve werde der Motorradfahrer „durch die Fliehkraft nach außen getragen“, erläutert Franziska Rumpel, Leiterin des Fachbereichs Straßenbau im Landratsamt Sigmaringen, „durch die Anbringung des Unterfahrschutzes gleitet der Motorradfahrer an diesem entlang.“ Kopf und Arme werden auf diese Weise nicht vor die Pfosten der Leitplanken geschleudert. „Durch diese Maßnahme werden schwerwiegende Verletzungen minimiert“, sagt Rumpel.

Auf der an mehreren Teilstücken frisch sanierten Bundesstraße 32 im Laucherttal wurde der Unterfahrschutz in Kurvenbereichen neu angebracht. So auch in der Nähe eines Parkplatzes zwischen Hettingen und Veringenstadt, wo sich die Straße um einen Felsvorsprung herum schlängelt.

Seit 2010 beschäftigt sich der Landkreis Sigmaringen schon mit dem Thema. Damals wurden unter anderem im gesamten oberen Donautal verschiedene Streckenzüge für 160 000 Euro nachgerüstet. Darunter auch Strecken der L 277 zwischen Beuron und Sigmaringen. Weitere 90 000 Euro kostete die Nachrüstung an der L 197 zwischen Stetten am kalten Markt und Thiergarten. „Dort traten seit 2011 häufiger Unfälle auf. Bei zwei Dritteln waren Zweiradfahrer beteiligt“, erklärt Franziska Rumpel. Auf dieser Strecke habe die Sigmaringer Straßenmeisterei zudem 90 Kurvenleittafeln angebracht, um die Motorradfahrer vor der kurvigen Strecke zu warnen.

Auch das Straßenbauamt des Zollernalbkreises hat das Thema Unterfahrschutz auf seine Agenda gesetzt. Es sei wichtig, „konkrete Maßnahmen umzusetzen und dadurch Unfallhäufungsstellen zu entschärfen“, sagt Straßenbauamtsleiter Jan-Peter Lorenz.

Auf der Landesstraße 433 zwischen Meßstetten und Ebingen – einer ebenfalls bei Bikern beliebten Strecke – wurde der Unterfahrschutz in den vergangenen Wochen auf einer Länge von rund 1500 Metern montiert. Der ADAC Württemberg, der den Unterfahrschutz-Ausbau mit bis zu 5000 Euro pro Projekt fördert, hat sich hier beteiligt.

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