Spektakel für kältefeste Leute: Nordlichter in Kanada

Lesedauer: 6 Min
Deutsche Presse-Agentur

Miyu kommt nicht aus dem Staunen heraus. Es ist schon seit vielen Stunden dunkel im Norden Kanadas und eiskalt - um minus 40 Grad zeigt das Thermometer an. Doch die Kälte schreckt die zierliche Frau aus Tokio nicht.

Was sie am Himmel sieht, ist Entschädigung für alles Frieren. Langsam gehen über den Northwest Territories die Nordlichter auf: grüne Schleier, zu denen sich bei guten Bedingungen rote Streifen gesellen. Ist die Luft geladen, sind die Voraussetzungen für diese Lichter optimal - dann tanzen sie.

Aurora Borealis heißen die Nordlichter, die während des gesamten Winterhalbjahres am Himmel zu sehen sind. „Man kann nie sagen, wann sie kommen und wie stark sie leuchten“, sagt „Buffalo Mike“, einer der Einheimischen unter den Himmelsguckern, die sich im Aurora Village, einer Zeltstadt außerhalb von Yellowknife, versammelt haben.

In den Northwest Territories - einem Teil Kanadas, der am Rande der Arktis liegt - sind die natürlichen Bedingungen besonders gut. Die Temperaturen aber können recht ungemütlich werden, dazu weht der Wind oft stark. Gefühlt fallen die Werte dann um weitere zehn Grad - das reicht, um mit der Nase an der Kamera festzukleben oder binnen weniger Minuten Erfrierungen an der nackter Haut zu bekommen.

Aber die Kanadier sind auf ihre Winter vorbereitet. Warme Wäsche und Hosen, schwere Filzstiefel mit Kautschukfuß und Daunenmäntel mit fellbesetzten Kapuzen - das ist die Kleidung, die man auf den Straßen am häufigsten sieht. Und die Kälte ist trocken. „Dadurch wird man sofort wieder warm, wenn man in ein geheiztes Haus kommt“, sagt Carlos Gonzales, dessen größter Spaß es ist, Touristen auf ein Schneemobil zu setzen und mit ihnen über den Great Slave Lake zu fahren. Dieser See ist mit einer Tiefe von bis zu 614 Metern der tiefste Nordamerikas. Im Winter ist er zu großen Teilen zugefroren. „Die Eisschicht kann bis zu zwei Meter dick werden“, sagt Carlos.

Damit trägt der See nicht nur die Fahrer, die mit den 125 PS starken Maschinen über die Schnee- und Eisfläche fliegen. Im Winter werden auf dem See Straßen planiert, die breit wie Autobahnen sind. Der Verkehr ist rege, vor allem Lkw-Konvois zu den Diamantenminen gibt es viele. „Sie bringen Vorräte für das ganze Jahr in die Minen“, sagt Carlos. Damit das Wasser unter der Eisschicht nicht zu viele Wellen schlägt und Risse an der Oberfläche verursacht, dürfen die Laster nur noch mit zehn Stundenkilometern über das Eis schleichen - damit brauchen sie für ihre Tour eine halbe Ewigkeit.

Wer in den Northwest Territories unterwegs ist, trifft oft stundenlang keinen Menschen. In den Kiefernwäldern entlang der Straßen allerdings lauern Gefahren - zumindest für Touristen. Elche, Karibus, Luchse, Schneefüchse, Wölfe, Bären und Wildbüffel sind für die Einheimischen dagegen Teil des Alltags: Elch-Burger, Bison-Suppe und getrocknetes Fleisch arktischer Fische gehören zum Speiseplan.

„Buffalo Mike“ trägt eine Lederkappe und Handschuhe, die so groß sind wie Einkaufstüten. Während der Nordlicht-Beobachtung sind sie der Clou. Noch interessanter finden die Gäste aber, was Mike erzählt: Seine Handschuhe seien aus dem Fell eines Wolfes, den er selbst geschossen habe. Eine Näherin habe daraus weiche Handschuhe gemacht. „Sie halten viele Jahre, und ich hatte noch nie kalte Hände darin.“

Informationen: Kanada-Information, c/o Lange Touristik-Dienst, Eichenheege 1-5, 63477 Maintal; Telefon: 01805/52 62 32 für 14 Cent pro Minute.

Offizielle Website der kanadischen Tourismuskommission: www.canada.travel

Reise-Infos über die Northwest Territories (englisch): www.spectacularnwt.com

Reise-Infos zu Yellowknife und dem Great Slave Lake (englisch / französisch): www.northernfrontier.com

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen