Spannung steigt, Einnahmen sinken

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Die Pfullendorfer Marc Kuczkowski (vorne) und Michael Falkenmayer werden ab August in der neuen Regionalliga Südwest Tore bejube (Foto: SZ-Archiv: khb)
Schwäbische Zeitung
Sportredakteur

Die kommende Saison wird die erste sein, in der die 2010 beschlossene Strukturreform der Regionalligen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) greift. Statt bisher drei (Süd, West, Nord) wird es künftig fünf Regionalligen als Unterbau der 3. Bundesliga geben: Die Regionalligen Südwest, Bayern, Nordost, Nord und West. Der SC Pfullendorf wird in der Regionalliga Südwest starten. Deren Teilnehmerfeld steht im Grunde fest, auch wenn in den drei Oberligen, die die Aufsteiger zuführen, noch ein Spieltag aussteht. Doch der SSV Ulm (Oberliga Baden-Württemberg), der 1. FC Eschborn (Oberliga Hessen) sowie der FC Homburg (Oberliga Südwest) stehen vorzeitig als Meister und Aufsteiger fest.

19 Vereine werden in der Regionalliga Südwest starten. Eigentlich wären es sogar 20 gewesen, doch weil die erste Mannschaft des Karlsruher SC aus der 2. Bundesliga abstieg, wurde die U23 des KSC gemäß den DFB-Statuten für die kommende Spielzeit in die Oberliga zwangsversetzt. Aus der Regionalliga Süd kommen folgende zehn Vereine in die neue Südwest-Staffel: SC Pfullendorf, SG Sonnenhof Großaspach, Wormatia Worms, Hessen Kassel, Waldhof Mannheim, SC Freiburg II, TSG Hoffenheim II, Bayern Alzenau, Eintracht Frankfurt II sowie der FSV Frankfurt II. Aus der bisherigen Regionalliga West gesellen sich weitere sechs Vereine in die neue RL Südwest: Eintracht Trier, TuS Koblenz, SC Idar-Oberstein, SV Elversberg, 1. FC Kaiserslautern II sowie der FSV Mainz II.

Die fünf neu strukurierten Regionalligen gehen aus der DFB-Trägerschaft in die Trägerschaft der Regional- und Landesverbände über. Die Geschäfte der Regionalliga Südwest führt Sascha Döter (34) vom Badischen Fußball-Verband (BFV) in Karlsruhe. Döter geht davon aus, dass sich am Teilnehmerfeld nichts mehr ändert, wenngleich jeder Verein bis zum 1. Juni um 15.30 Uhr noch eine Bankbürgschaft in Höhe von 35 000 Euro beim BFV hinterlegen muss. Döter: „Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass ein Verein dazu nicht imstande sein wird.“

Die neue Spielzeit verspricht, im Gegensatz zur eben abgelaufenen „Gespenstersaison“ ohne Abstiegskampf, erhöhte Spannung sowohl an der Tabellenspitze wie auch im „Keller“: Der Südwestmeister wie auch der Vizemeister ermitteln mit den vier anderen Regionalligameistern (die jeweiligen Vizemeister bleiben dort außen vor) in einer Relegationsrunde die Aufsteiger zur 3. Bundesliga. Dazu werden drei Paarungen ausgelost. Im Europapokal-Modus mit Hin- und Rückspiel werden dann drei Aufstiegsplätze ausgespielt. Die beiden Südwest-Clubs können in der Aufstiegsrunde nicht aufeinandertreffen. Auch der Abstiegskampf wird neue Dimensionen annehmen. Da die Südweststaffel in der übernächsten Saison von 19 auf 18 Mannschaften verkleinert werden soll, wird es bis zu sechs Absteiger geben. Sascha Döter: „Abhängig von der Zahl der Absteiger aus der 3. Bundesliga, die in die Südweststaffel kämen und abhängig davon, wie viele unserer Vereine in die 3. Liga aufsteigen, wird es mindestens vier, höchstens aber sechs Absteiger geben.“

Diese attraktive Konstellation dürfte die Zuschauerzahlen (in der Regionalliga Süd kamen zu den 360 Partien durchschnittlich 1005 Fans, „Krösus“ waren die Stuttgarter Kickers mit 3620, Schlusslicht der FSV Frankfurt II mit 211) wieder etwas in die Höhe treiben, dennoch wird die wirtschaftliche Ausgangslage für die Regionalligisten tendenziell schwieriger. Hauptgrund ist der Wegfall der Fernsehgelder, die sich bislang auf bis zu 90 000 Euro pro Verein und Saison beliefen. Döter zu den Gründen: „Der Vertrag des DFB mit dem ARD-und ZDF-Rechtevermarkter SportA lief aus.“ Jeder Regionalligaträger müsse künftig versuchen, via Einzelvermarktung über die Regionalprogramme TV-Einnahmen zu erzielen. Noch ist da das letzte Wort nicht gesprochen, doch Döter sagt klipp und klar: „Rahmenvereinbarungen mit den dritten Programmen zu erzielen wird für uns sehr schwierig. Realistischer ist, dass es Einzelübertragungen geben wird. Doch auch dabei geht es dann um vergleichsweise kleine Beträge.“ Ein wenig anders stelle sich die Situation in der neuen Regionalliga Nordost dar. Döter: „Da spielt ja fast die ganze einstige DDR-Oberliga und der MDR übertragt sehr umfangreich. Doch selbst dort liegen die TV-Einnahmen der Vereine unter den bisherigen.“

Schwacher Trost für die Südwest-Clubs: Döter versucht, die Vereine in anderen Bereichen zu entlasten. Beispiel Schiedsrichterkosten. Auf bis zu 10 000 Euro pro Club und Saison schätzt der Ligageschäftsführer die Einsparungen, die sich aus der Absenkung des Spesensatzes (bisher 600, künftig nur noch 400 Euro pro Gespann) sowie verkürzte Anfahrtswege der Unparteiischen ergeben, weil nur noch Schiris aus dem Bereich der RL Südwest angesetzt werden. Angesichts der Jahresgesamtbudgets, die beim Gros der Regionalligisten (abgesehen von den finanzsorgenfreien U23-Mannschaften) um die 400 000 Euro pro Club und Saison liegen dürften, nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein wenig ketzerisch könnte man also sagen: Die neue Regionalligasaison verspricht den Fans größere sportliche Spannung, den Vereinen dagegen wirtschaftliche…

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