Slowakische Präsidentenwahl geht in die zweite Runde

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Deutsche Presse-Agentur

Die 52-jährige Soziologie-Professorin und christlich-liberale Ex- Sozialministerin erhielt im ersten Wahlgang nur achteinhalb Prozentpunkte weniger als der 67-jährige Dozent der Rechtswissenschaften und Hobbyrennfahrer Gasparovic. Umfragen hatten ein Verhältnis von 50 zu 30 Prozent erwarten lassen. Radicova hat im zweiten Wahlgang größere Chancen als Gasparovic, die Wähler von zwei aus ihrem christdemokratischen Lager stammenden Konkurrenten anzusprechen, die mit jeweils rund fünf Prozent ausschieden.

Die gegensätzlichen ersten Reaktionen der beiden Kontrahenten auf das Wahlergebnis in der Nacht auf Sonntag gaben schon einen Vorgeschmack auf das Wahlkampffinale. Der laut allen Umfragen hohe Favorit Gasparovic war sichtlich geschockt von seinem im Vergleich zu den Umfragen unerwartet knappen Vorsprung zu Radicova: Wortkarg und fast trotzig betonte er: „Ich bin der Sieger des ersten Wahlganges.“ Zugleich appellierte er an die Wähler, im zweiten Wahlgang ebenso zu wählen wie im ersten: „Denn der Wähler weiß, wer ihm in einer Zeit der Krise wirklich hilft und auf seiner Seite steht.“

Radicova hingegen war von ihrem unerwartet starken Abschneiden so bewegt, dass ihr beinahe die Stimme versagte. Den Freudentränen nahe bezeichnete sie das Ergebnis als „große Herausforderung“ und Beweis dafür, dass es ihr gelungen sei, den Wählern die wichtige Bedeutung des Präsidentenamtes nahe zu bringen. Und im Stile des US-Präsidenten Barack Obama, an dessen Vorbild sie sich schon im Wahlkampf angelehnt hatte, fügte sie kurz nach Mitternacht hinzu: „Das ist eine wunderschöne Tageswende und ich hoffe, der zweite Durchgang wird erst recht eine (politische) Wende bringen.“

Gasparovic hat im bisherigen Wahlkampf auf seinen schon aus seinem Überraschungssieg vor fünf Jahren bewährten Slogan gesetzt: „Ich denke national und fühle sozial.“ Er profitierte vor allem von der Unterstützung der regierenden Linkspartei Smer-Sozialdemokratie des populären Regierungschefs Robert Fico wie auch dessen rechtsradikalen Koalitionspartners Slowakische Nationalpartei. Radicovas Anhänger und rechtsliberale Intellektuelle wie der im Ausland Politologe Grigorij Meseznikov hatten ihn hingegen stets daran erinnert, dass er als Parlamentspräsident in den 90-er Jahren mitverantwortlich für die internationale Isolation der Slowakei während der Ära des umstrittenen Ministerpräsidenten Vladimir Meciar gewesen sei.

Die von drei oppositionellen christdemokratischen Parteien gemeinsam nominierte Radicova hatte dem in Anlehnung an Obamas „Change“ den Slogan entgegengesetzt: „Lasst uns den Mut haben, besser zu sein!“ Der sozialdemokratische Ministerpräsident Fico und andere Regierungspolitiker hatten ihr hingegen im Wahlkampf mehrfach vorgeworfen, als Sozialministerin der rechtsliberalen Ex-Regierung bis 2006 mitverantwortlich für ein rechtsliberales Programm voller sozialer Härten gewesen zu sein. Zudem habe sie davon profitiert, dass die damalige Koalition nur dank offensichtlichen Stimmenkaufs von Parlamentariern ihren vorzeitigen Sturz verhindert habe.

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