Skispaß: Marienbad wartet auf Entdecker

Lesedauer: 7 Min
Deutsche Presse-Agentur

Nur wenige Kilometer sind es von der deutsch-tschechischen Grenze nach Marianske Lazne, ins böhmische Kurbad Marienbad. Wer sich in den Wintermonaten auf den Weg dorthin macht, entdeckt eine Skisportregion in einem nostalgischen Outfit.

Ausgangspunkt für die Entdeckung Marienbads ist der Kurpark im Herzen der Stadt. Im Winter ist die „Singende Fontäne“ abgestellt, die Pavillons über den Heilquellen sind verwaist. Schnee knirscht unter den Füßen, Eiszapfen funkeln im Licht der Wintersonne. Der Gartenarchitekt Vaclav Skalnik, der im 19. Jahrhundert das Tal in eine Kurstadt mit weitläufigen Parkanlagen verwandelte, hatte offensichtlich auch die kalte Jahreszeit im Blick, als er den Park anlegte: Umgeben von aufwendig restaurierten Prachtbauten, wirkt die Gartenanlage wie ein kleines Winterwunderland aus dem Bilderbuch. An ihrem Rand beginnt ein Netz an geräumten Winterwanderwegen.

Joachim Steckler hat seine Großeltern nach Marienbad begleitet. Die älteren Herrschaften wollen eine Kur genießen - eine Vorstellung, die den Gymnasiasten erst nicht unbedingt reizte. Doch an diesem kalten, klaren Morgen steht der Teenager an dem mit 720 Metern höchsten Punkt der Slalompiste. Aus den Lautsprechern an der Strecke schallt laute Musik. Joachim wippt mit und lockert seine Muskeln. Schon vor einer halben Stunde wurde die Piste geöffnet, als die beiden Schlepplifte anliefen. Aber Schlangestehen muss niemand, Joachim hat an diesem Morgen das Revier nahezu für sich alleine.

Erst seit dem Jahr 2005 existiert das kleine Skigebiet mitten in der Kurzone von Marienbad. Morgens ist es hier eher still, neben Winterurlaubern frischt gerade mal eine Handvoll Einheimischer ihre Skikenntnisse auf, bevor sie wie Anna Skrupska an die Arbeitsplätze in den Hotels eilen. Anna lacht, wenn sie über ihre Schwünge auf der Piste spricht: „Einmal kräftig Luftholen und schon ist man unten.“ Wegen der künstlichen Beschneiung gilt Marienbads Skigebiet als relativ schneesicher. Auf den Pisten wurden mittlerweile auch schon Weltcuppunkte fürs Freestyle Skiing auf der Buckelpiste vergeben.

Vor allem Snowboarder und Funrider sollen auf ihre Kosten kommen. Seit der Eröffnung der Skiarea mit Ski- und Snowboardschule zieht Marienbad zunehmend jüngere Gäste an, die Wellnessangebote auf hohem Niveau gerne mit Bewegung in der Natur verbinden. Von der Piste ins Thermalbad: Fast alle der sanierten Jugendstilhotels verfügen neben der Kurabteilung auch über einen Wellnessbereich mit Sauna und Pool.

Knapp sieben Euro hat Joachim der Skipass für den Vormittag gekostet, für etwa elf Euro könnte er die Schlepplifte und die Gondelbahn den ganzen Tag nutzen. Die Bahn beförderte ursprünglich Kurgäste und Wanderer zum Aussichtspunkt am „Hotel Rübezahl“, einem Wahrzeichen Marienbads. Doch dessen große Zeit ist vorbei: Anders als die restaurierten Häuser im Kurzentrum verfällt das alte Grand-Hotel. Auf dem Gelände dahinter wurden in sozialistischen Zeiten schlichte Apartmenthäuser und ein Sporthotel im Pseudo-Chaletstil errichtet.

Die Gondelbahn bringt auch Langläufer hinauf zur Verbindungsloipe ins Langlaufgebiet am Golfplatz. Dort geht es auf maschinengepflegten Loipen vorbei an Teichen, die unter dem Eis glitzern. Neben klassischen Loipen wird täglich auch eine Skatingloipe präpariert. Anspruchsvollere Wintersportler mit guter Kondition finden Naturgenuss pur auf der insgesamt mehr als 20 Kilometer langen Achterloipe vom Golfplatz zum Forsthaus Königsstein.

Hier zeigt sich das Naturschutzgebiet Kaiserwald von seiner schönsten Seite: Weite Fichten- und Buchenwälder, durchsetzt von Teichen und Heidemoor, prägen das Waldgebiet mit seinen Hochplateaus, das Marienbad von drei Seiten umgibt. Fürsten bauten sich hier Jagdschlösser und Forsthäuser. Über Winterwanderwege oder per Bus oder Auto sind die im Wald versteckten Gebäude gut zu erreichen und laden zu gemütlicher Einkehr ein. Die Zufahrten zu den zahlreichen Wanderparkplätzen werden im Winter geräumt und gestreut.

Wer Abwechslung sucht, bleibt im Kurgebiet: östlich schließt sich das „Nordic Walking Center“ an, während das zentral gelegene Eisstadion auf eine Runde Schlittschuhlaufen einlädt. Für Snowboarder Joachim ist es vielleicht eine Alternative in den folgenden Tagen. Heute dagegen zieht es ihn nach dem Abendessen noch mal auf die beleuchtete Piste - diesmal kommen die Großeltern mit. Am Fuß des Slalomhangs schauen sie bei Glühwein und Apfelpunsch an der Schirmbar ihrem Enkel bei seinen Freestyle-Kapriolen zu.

Informationen: Tschechische Zentrale für Tourismus, Friedrichstraße 206, 10969 Berlin, Telefon: 030/204 47 70; Tourist-Info Marienbad, Hlavní 47/28, Mariánské Lázne 35301, Telefon von Deutschland: 00420/354/62 24 74

Tschechische Zentrale für Tourismus: www.czechtourism.com

Marienbad Tourismus: www.marianskelazne.cz/de

Ski-Areal Marienbad: www.skiarea.cz/index-de.php

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen