Skisaison auf der Schwäbischen Alb fällt praktisch aus

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Der Skilift in Kreenheinstetten im Kreis Sigmaringen: Schon heute ist an einen regulären Skibetrieb ohne künstliche Beschneiung
Der Skilift in Kreenheinstetten im Kreis Sigmaringen: Schon heute ist an einen regulären Skibetrieb ohne künstliche Beschneiung nicht mehr zu denken. (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung

Die Liftbetreiber in der Region ziehen Bilanz. Während auf der Alb viele Lifte den ganzen Winter über still gestanden sind, freuen sich die Betreiber im Schwarzwald und im Allgäu über steigende Umsätze und Besucherzahlen.

Seit dem Saisonstart im Oktober liegt in Balderschwang eine geschlossene Schneedecke, berichtet Albert Fischer vom Skigebiet Balderschwang. Und noch läuft die Saison: „Das Skigebiet erlebt dieses Wochenende mit mehr als 20 Grad vermutlich die heißesten Skitage seit vielen Jahren“, sagt Fischer. Insgesamt hat das Gebiet dann an 114 Tagen geöffnet, zusätzlich kommen vier Wochenendtage vor offiziellem Saisonbeginn dazu. Im Vorjahr waren es lediglich 79 Tage. Was den Umsatz angeht, gibt der Familienbetrieb keine Zahlen heraus. Nur so viel: „Seit Inbetriebnahme der neuen Sesselbahn in der Saison 2016/17 erleben wir stetigen Umsatzzuwachs im einstelligen Prozentbereich“, sagt Fischer. Im gesamten Allgäu seien die Wintermonate bisher eine gute Tourismussaison gewesen. Grund dafür sind der frühe Winterstart und seither durchgängige Schnee, sagt Bernhard Joachim, Geschäftsführer der Allgäu GmbH. „Alle Bergbahnen hatten mehr als 100 Betriebstage.“

Diese Skigebiete sind vom Klimawandel bedroht

Thomas Geiger, Geschäftsführer der Skilifte Wiesensteig im Landkreis Göppingen auf der Schwäbischen Alb hat seine Lifte in diesem Winter gar nicht erst in Betrieb genommen. Grund war der fehlende Schnee. „Wir hatten null Betriebstage“, sagt Geiger. „Das treibt das Konto unheimlich in die Miese.“ Konkret sind das zwischen 12 000 und 15 000 Euro, sagt Geiger. Das seien aber Kosten, die die Stadt Wiesensteig als Betreiber der Anlage trägt. Konsequenzen habe diese praktisch ausgefallene Saison daher nicht. Auch auf die Mitarbeiter wirkt sich das nicht aus, da im Liftbetrieb freiwillige Helfer eingesetzt sind, sagt Geiger. Im Durchschnitt laufen die Anlagen des größten Lifts auf der Schwäbischen Alb zwischen null und 20 Tagen pro Saison. Je nach Besucherzahl könnten bereits drei gute Tage kostendeckend sein, sagt Geiger.

Auch andere Liftbetreiber auf der Schwäbischen Alb hatten mit wenig Schnee zu kämpfen. Das teilt der Tourismusverband Schwäbische Alb mit. Wenn überhaupt, waren die einzelnen Lifte gar nicht oder nur an wenigen Tagen geöffnet. Spitzenreiter ist der Skilift in Nusplingen im Zollernalbkreis mit 22 Tagen. Grund für die sporadischen Öffnungen seien die stark schwankenden Temperaturen gewesen. Gerade in der Ferienzeit um Weihnachten und die Fasnetszeit.

Skilift Laichingen

Mit 141 Betriebstagen von November bis nach Ostern ist Volker Haselbacher vom Liftverbund Feldberg im Hochschwarzwald mit der Saison zufrieden. 400 000 Gäste sind auf den Feldberg gekommen. Im gesamten Liftverbund waren es rund 500 000. Der Umsatz ist dadurch um etwa ein Drittel angestiegen: auf etwa acht Millionen Euro im Kerngebiet und rund neun Millionen im Verbund. In der vorangegangenen Saison zählten die Liftbetreiber am Feldberg rund 350 000 Wintersportler an etwa 90 Betriebstagen. Dementsprechend ist auch der Umsatz im Vorjahr, mit rund fünf Millionen Euro, geringer ausgefallen.

Eine ähnlich positive Bilanz lasse sich im gesamten Schwarzwald ziehen, sagt Sascha Hotz von der Schwarzwald Tourismus GmbH. Mit zu wenig Schnee hatten nur die Lifte unter 800 Metern zu kämpfen. Darüber hätten alle Lifte mehr als 100 Betriebstage gehabt, sagt Hotz. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte kein Liftbetrieb im Schwarzwald an mehr als 100 Tagen geöffnet. Zwar hätten die tiefer gelegenen Anlagen aufgrund der Kälte mit Schneekanonen auch für weiße Pisten sorgen können, „das sind aber oft nur kleine Privatbetreiber, für die sich eine solche Investition nicht lohnt“, sagt Hotz. Dass dieser Winter vergleichsweise schneereich war, sei nach zwei schneearmen Jahren für die Liftbetreiber eine Erleichterung.

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