Silberstreif: ifo-Index steigt völlig überraschend

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Nach Monaten des Abschwungs sehen die deutschen Unternehmen erstmals wieder einen Silberstreif am Horizont. Der als wichtiges Stimmungsbarometer für die Wirtschaft geltende Geschäftsklimaindex des Münchner ifo Instituts hellte sich am Dienstag überraschend auf.

Während die aktuelle Geschäftslage nach wie vor düster aussieht, besserten sich zumindest die Erwartungen für die kommenden Monate wieder etwas. Impulse erhofft sich die Wirtschaft vor allem von den weltweit von vielen Staaten auf den Weg gebrachten Konjunkturprogrammen. In Deutschland segnete das Bundeskabinett am Dienstag das größte Konjunkturpaket seit Bestehen der Bundesrepublik mit einem Volumen von rund 50 Milliarden Euro ab.

Vom ifo Institut kam Lob für die staatlichen Finanzspritzen. Trotz der teils sehr hohen Neuverschuldung vieler Staaten seien die Konjunkturprogramme alternativlos, da die Krise der vergangenen Monate alles bisher Dagewesene in Schatten gestellt habe, sagte ifo-Bereichsleiter Gernot Nerb am Dienstag. Insbesondere die Bauwirtschaft sei zuversichtlich, von den staatlichen Konjunkturpaketen profitieren zu können. „Außerdem gibt es die Hoffnung, dass der Konsum besser läuft. Das wird durch die Daten aus dem Einzelhandel bestätigt.“

Aber auch in der Automobilbranche seien die Aussichten auf steigende Verkaufszahlen nach den Absatzeinbrüchen der vergangenen Monate mit Einführung der Abwrackprämie wieder gestiegen, sagte Nerb. „Da sind die Erwartungen auch nicht mehr so ungünstig wie vorher. Und so sieht man das auch generell, schließlich haben nicht nur Deutschland, sondern auch andere Länder Konjunkturpakete aufgelegt.“ Dies berge auch Chancen für das Auslandsgeschäft der deutschen Unternehmen. „Da sollte auch für den deutschen Export etwas abfallen.“

Auch der der Bundesverband Deutscher Banken verbreitete am Dienstag vorsichtige Zuversicht. Gesunkene Rohstoffpreise und die weltweite Niedrigzinspolitik sorgten neben dem zweiten Konjunkturpaket „für Lichtblicke am sonst trüben Konjunkturhimmel“, schrieb der Verband am Dienstag in seinem aktuellen Konjunkturbericht. Die deutsche Wirtschaftskraft werde dadurch nachhaltig gesichert, auch wenn in diesem Jahr mit einer Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts um 2,25 Prozent zu rechnen sei.

Der ifo-Geschäftsklimaindex war im Januar nach sieben Monaten des Abschwungs überraschend leicht von 82,7 Punkten im Vormonat auf 83,0 Punkte gestiegen. Analysten hatten mit einem weiteren Rückgang auf 81,0 Punkte gerechnet. Der Index für die Geschäftserwartungen kletterte von 76,9 auf 79,4 Punkte. Die Beurteilung der aktuellen Lage trübte sich von 88,8 Punkten im Dezember auf 86,8 Punkte ein. Der ifo-Index wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt.

ifo-Präsident Hans-Werner Sinn warnte dennoch vor zu großer Euphorie. „Eine konjunkturelle Wende kann man hieraus nicht ablesen“, hieß es in der Mitteilung des Instituts. In der Industrie bleibe die Stimmung unter dem Strich trotz der etwas besseren Aussichten schlecht. Vor allem im Exportgeschäft rechneten die befragten Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit einer anhaltenden Abwärtstendenz. Geräte und Maschinen seien erheblich weniger ausgelastet als noch im vergangenen Herbst, viele Firmen planten den Abbau von Personal.

Solide sah es im Einzelhandel aus. Hier bewerteten die Firmen sowohl ihre augenblickliche Lage als auch ihre Aussichten besser als noch im Vormonat. Im Großhandel und Bauhauptgewerbe hellten sich die Erwartungen für das kommende halbe Jahr ebenfalls auf. Auch im Dienstleistungssektor nahm der Pessimismus trotz schlechterer Geschäftslage etwas ab. Laut ifo Institut planen die Unternehmen hier, weniger Stellen abzubauen als noch vor einem Monat.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen