„Sie haben hier nichts verloren – Hauen Sie ab“

Lesedauer: 3 Min
„Sie haben hier nichts verloren – Hauen Sie ab“
„Sie haben hier nichts verloren – Hauen Sie ab“
Schwäbische Zeitung

Maike Scholz von der Schwäbischen Zeitung“, sagte ich ins Telefon und konnte gerade noch um ein Gesprächstermin mit Karl Scherm für ein Kandidatenporträt zur Bürgermeisterwahl in Blaubeuren bitten. Weiter kam ich dann nicht. „Alle Journalisten sind Verbrecher“, wetterte mir Scherm entgegen und legte auf. Bei meinem zweiten Versuch kam ich nicht viel weiter. Scherms Vorwurf: Keiner hört ihm zu. Ich hörte zu: Ein gut 15-minütiger Monolog Scherms folgte. Da ging es um seine zahlreichen Klagen, darum, dass es in Deutschland keine Verfassung gebe und natürlich auch um mich als Gesprächspartnerin: „Sie sind keine Deutsche. Das höre ich an Ihrem Akzent“, kam es mir aus dem Telefon entgegen. Vielleicht hätte ich mich vorab anders vorstellen müssen: „Maike Scholz von der Schwäbischen Zeitung. Gebürtige Hessin. Grüß Gott!“ Scherms Monolog steigerte sich und gipfelte, in dem er ins Telefon schrie: „Sie haben hier nichts verloren – Hauen Sie ab“. Scherm legte auf. Bei meinem dritten Anruf reagierte er nicht mehr. Ich schildere Ihnen, liebe Leser, das Szenario, damit Sie verstehen, dass ich versucht habe, mehr über Karl Scherm, seine Absichten und Ziele in Form seiner Kandidatur zur Bürgermeisterwahl in Blaubeuren herauszufinden. Ich schildere Ihnen das auch, weil ich entsetzt bin – über so viel Intoleranz, Hass und Fremdenfeindlichkeit. Nach solch’ einem Gespräch steht für mich umso stärker fest: Jeder Mensch und jede Kultur ist eine Bereicherung für uns – unabhängig von der Hautfarbe, der Sprache oder auch der Religion.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen