Shampoo oder Lack: Chemiebranche sucht Fachkräfte

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Deutsche Presse-Agentur

Die chemische Industrie gilt als viertgrößte Industriebranche in Deutschland. Etwa 437 300 Menschen arbeiten in diesem Sektor, darunter Juristen, Volkswirte, Ingenieure und natürlich Chemiker.

Sie stellen aber längst nicht nur Kunststoffe oder Lacke her. Wasch- und Körperpflegemittel gehören hier genauso dazu wie Pharmazeutika. Auch wenn sich das Wachstum nach vier guten Jahren derzeit deutlich abflacht - langfristig sieht sich die Chemieindustrie sowohl im Osten als auch im Westen Deutschlands nach wie vor gut aufgestellt, auch was die Jobperspektiven angeht.

„Seit Beginn des Aufschwungs im Jahr 2003 ist die deutsche Chemie mit über vier Prozent deutlich dynamischer gewachsen als die übrigen Chemieindustrien Europas“, sagt Gerd Romanowski vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) aus Frankfurt. Dass sich mittlerweile fast überall das Wirtschaftswachstum abschwächt, geht zwar nicht spurlos an der Chemiebranche vorbei. „Damit wird auch die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen geringer“, sagt der Geschäftsführer für den VCI-Bereich Wissenschaft, Technik und Umwelt. Langfristig sei die deutsche Chemieindustrie aber gut aufgestellt.

„Nach unseren Beobachtungen finden Chemiker zur Zeit relativ leicht eine neue Stelle“, sagt Karin Schmitz von der ebenfalls in Frankfurt ansässigen Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). „Das gilt besonders für Berufseinsteiger. Diese profitieren davon, dass die Anzahl der promovierten Absolventen derzeit auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren ist.“

Wer Interesse an diesem Industriezweig hat, kann eine klassische Lehre machen - zum Beispiel zum Chemikant, Pharmakant, Chemielaborant, Mechatroniker oder Industriemechaniker. Oder er geht an eine Hochschule: „Studieren kann man je nach Interesse Chemie, Biochemie, Lebensmittelchemie oder Chemie/Chemieingenieurwesen an Fachhochschulen und Universitäten“, erklärt Schmitz. Arbeit finden die Fachkräfte dann in ganz verschiedenen Bereichen, beispielsweise bei der Abfallwirtschaft, als Patentanwalt, als Chemiker bei einer Berufsgenossenschaft oder im Labor zur Entwicklung von neuen Düften.

Momentan gibt es nach Angaben des VCI zwar keinen Fachkräftemangel bei Chemikern und sonstigen Naturwissenschaftlern. Aber in bestimmten Disziplinen fehlen Romanowski zufolge dennoch Experten, darunter in der Toxikologie, Elektrochemie, Makromolekularen Chemie und den Materialwissenschaften sowie in der sogenannten Grenzflächenchemie und -physik. „Hier werden sowohl qualifizierte Hochschulabsolventen als auch Berufspraktiker gesucht.“

Wie in anderen Branchen unterscheiden sich auch hier die Löhne und Gehälter je nach Qualifikation. Auszubildende erhalten je nach Tarifgebiet etwa 700 Euro monatlich im ersten Lehrjahr, in den weiteren Ausbildungsjahren können es über 800 Euro sein, sagt Dirk Meyer, Leiter für Aus- und Weiterbildung beim Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) aus Wiesbaden.

Nach der Ausbildung bekämen Fachkräfte rund 30 000 Euro brutto im Jahr. „Für Hochschulabsolventen können die Einstiegsgehälter je nach Fachrichtung sehr unterschiedlich sein“, erläutert Meyer. Los gehe es bei einem Jahresgehalt von 40 000 Euro brutto. „Akademisch gebildete, naturwissenschaftliche und technische Angestellte mit Uni-Diplom verdienen im zweiten Beschäftigungsjahr rund 52 000 Euro.“

Da die Chemieindustrie ein sehr weitläufiges Feld ist, sind die Einsatzmöglichkeiten für Arbeitnehmer recht unterschiedlich. So stellt die Branche ein breites Produktsortiment für verschiedene Lebensbereiche her. Dazu zählen einerseits Vorprodukte für andere Industriezweige wie die Kunststoffverarbeitung, die Autoindustrie oder die Baubranche. Ein Großteil der Erzeugnisse liefert die chemische Industrie den Experten zufolge aber an sich selbst. Dazu gehören unter anderem anorganische Grundchemikalien wie Schwefel oder Blei, Petrochemikalien wie Ethylen und Propylen sowie Fein- und Spezialchemikalien.

Informationen: Verband der Chemischen Industrie, Mainzer Landstraße 55, 60329 Frankfurt; E-Mail: info@vci.de.

Infos zum Chemiestudium: www.chemie-im-fokus.de

Infos zu den Ausbildungsberufen: www.chemie4you.de

„In vielen Unternehmen der Chemiebranche ist Englisch als Arbeits- und Firmensprache weit verbreitet“, erklärt Dirk Meyer vom Bundesarbeitgeberverband Chemie aus Wiesbaden. So seien beispielsweise viele Regularien in englischer Sprache verfasst. Das Beherrschen einer weiteren Fremdsprache wie Französisch könne in gewissen Situationen von Vorteil sein, zum Beispiel wenn der Mutterkonzern aus Frankreich stammt. Zudem sollten Berufseinsteiger ausreichend mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse und IT-Know-how mitbringen. Bei den persönlichen Eigenschaften schätzen Kollegen und der Chef Leistungsbereitschaft und Zuverlässigkeit.

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