Shakespeares wenig bekannte Lebensgeschichte

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Deutsche Presse-Agentur

William Shakespeare gilt in Großbritannien als der größte Brite aller Zeiten und ist weltweit der berühmteste Autor von Bühnenstücken. Umso erstaunlicher erscheint, dass von ihm als Mensch und seinem Leben so wenig bekannt ist.

Nicht viel mehr als dass er 1564 in Stratford-upon-Avon, nordwestlich von London, als Sohn eines Handschuhmachers geboren wurde, als Anfangzwanziger die Frau und drei Kinder verließ und sich in den Folgejahren als Schauspieler, Stückeschreiber und Teilhaber einer Theatertruppe in London etablierte. Und dass er schließlich zu Wohlstand gelangte und zuletzt wieder in Stratford lebte, wo er im Alter von 52 Jahren starb.

Der in Großbritannien lebende amerikanische Autor Bill Bryson hat sich ihm in einem Buch gewidmet, das jetzt auch in Deutsch mit dem Titel „Shakespeare - wie ich ihn sehe“ vorliegt. „Alle Shakespeare-Biografien bestehen zu fünf Prozent aus Fakten und zu 95 Prozent aus Mutmaßungen“ sagte ihm einmal ein Shakespeare-Forscher. Bryson merkt dazu an, vielleicht habe der auch nur gescherzt.

Er selbst hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Shakespeare ohne Fiktionen zu präsentieren. Um Mutmaßungen kommt allerdings auch er nicht aus. Doch sind gewagte Thesen früherer Autoren wie die, der Stratforder sei gar nicht der Verfasser der mit seinem Namen verknüpften Werke, nicht seine Sache. Das Buch trägt auf jeden Fall zum Verständnis der Problematik der Lebensgeschichte von Shakespeare bei.

Behilflich ist dabei auch das Bild des damaligen England. Mit Schreiben fürs Theater wurde man dort nicht berühmt. Bryson zitiert dazu den Chefarchivar des Staatsarchivs in London, David Thomas: Die vorhandenen dokumentarischen Belege für ihn entsprechen völlig dem, was man bei einer Person seiner gesellschaftlichen Stellung erwarten kann.

Für ein so komplexes Sujet hat Bryson - kein Literaturexperte - eine relativ knappe Darstellung verfasst. Sie ist eingängig geschrieben und erweckt Interesse am Thema - wenn auch viele Leser die Erkenntnis-Reise, auf die sich der Autor mit dem Buch begeben hat, wohl kaum „tollkühn“ (so bezeichnet sie der Klappentext) finden mögen. Manchen mag ihr Ergebnis auch neugierig machen, mehr zu erfahren über die Gründe des unverwelkten Ruhms von Shakespeare, dem Verfasser von 38 Bühnenstücken und 154 Sonetten, in denen manche Wissenschaftler sogar die Krönung seines Werks sehen.

Bill Bryson: Shakespeare - wie ich ihn sehe.

Wilhelm Goldmann Verlag, München,

207 S., 16,95 Euro,

ISBN 978-3-442-31095-1

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