Selbstmordattentat vor der deutschen Botschaft

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Deutsche Presse-Agentur

Ein Selbstmordattentäter hat vor der deutschen Botschaft in Kabul ein Auto in die Luft gesprengt und mindestens fünf Menschen mit in den Tod gerissen, darunter einen US-Soldaten.

Nach Angaben von Ärzten wurden zudem mehr als 30 Menschen zum Teil schwer verletzt, als der Attentäter am Samstag das mit Sprengstoff beladene Fahrzeug im Regierungs- und Diplomatenviertel der afghanischen Hauptstadt in die Luft jagte. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, nach bisherigen Erkenntnissen seien auch „einige Mitarbeiter“ der Botschaft verletzt worden. Weitere Einzelheiten nannte er nicht.

Wie die US-geführten Koalitionstruppen mitteilten, wurde bei dem Anschlag sieben US-Soldaten sowie ein amerikanischer Zivilist verletzt. Ein Soldat sei später in einem Militärkrankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen, hieß es. Die deutsche Botschaft befindet sich gegenüber einer US-Militärbasis. Nach Angaben afghanischer Ärzte handelt es sich bei den weiteren Todesopfern um einheimische Zivilisten, darunter drei Mitglieder einer Familie.

Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich im Internet zu der Tat. Den Angaben zufolge riss der Selbstmordattentäter „acht deutsche Soldaten“ mit in den Tod. Zudem seien Diplomaten unter den Opfern, hieß es weiter. Angaben der Taliban gelten jedoch als übertrieben und haben sich oft als falsch herausgestellt.

Die Bundesregierung zeigte sich angesichts des verheerenden Anschlags bestürzt. Bundeskanzlerin Angela Merkel sei entsetzt über diesen „menschenverachtenden Terrorakt“, hieß es in einer Mitteilung, die am Samstag in Berlin verbreitet wurde. Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Anschlag als „feigen Akt der Barbarei“. Merkel und Steinmeier versicherten, dass Deutschland weiter zu seinem Engagement in Afghanistan stehe. „Wir werden uns durch Terror und Schrecken nicht davon abbringen lassen, unsere Hilfe für das afghanische Volk fortzusetzen“, sagte Steinmeier.

Die deutsche Vertretung richtete einen Krisenstab ein. Um die Sicherheit zu erhöhen, befänden sich derzeit auch Feldjäger der Bundeswehr in Kabul, teilte das Auswärtige Amt mit.

Die Gewalt in Afghanistan und auch in Kabul hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen. Erst Ende November waren bei einem Selbstmordanschlag nahe einem Auto des deutschen Militärattachés in Afghanistan drei afghanische Zivilisten getötet worden. Im August 2007 starben in Kabul drei Personenschützer des deutschen Botschafters bei einem Bombenanschlag außerhalb der deutschen Vertretung.

Wegen der erhöhten Anschlaggefahr in Kabul wurde beschlossen, dass alle deutschen Diplomaten auf das Gelände der Botschaft umziehen. Dafür hat das Auswärtige Amt ein Gebäude errichten lassen, das gegen Anschläge geschützt ist.

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