Traditioneller Bestandteil des Patriziusfestes in Hohenstadt ist die Reiter- und Pferdesegnung. Sie nahm Pfarrer Andreas Theure
Traditioneller Bestandteil des Patriziusfestes in Hohenstadt ist die Reiter- und Pferdesegnung. Sie nahm Pfarrer Andreas Theurer vor, ein direkter Nachfahre jenes Pfarrers, der um 1579 in Hohenstadt den evangelischen Glauben verkündete. (Foto: Wolfgang Fath)
Wolfgang Fath

Abtsgmünd-Hohenstadt - Das 367. Patriziusfest ist in diesem Jahr ganz im Zeichen des Konfessionswechsels vor 440 Jahren gestanden. Mit Pfarrer Andreas Theurer hielt erstmals ein verheirateter katholischer Priester, der auch noch ein direkter Nachfahre des ersten evangelischen Pfarrers in Hohenstadt, Melchior Gärtner, ist, die Festpredigt.

Pilger kommen auch zu Fuß

Bei durchwachsenem Wetter haben nicht so viele Besucher wie in den vergangenen Jahren am Patriziusfest mit Festgottesdienst und Reitersegnung teilgenommen. In diesem Jahr fiel der eigentliche Patriziustag wieder direkt auf den Sonntag und so feierten die Hohenstädter mit ihren Besuchern, darunter auch Pilgern, die zu Fuß gekommen waren, ihren Schutzheiligen mit einer eindrucksvollen Wallfahrtsmesse und einem gelungenen Kirchenkonzert.

Auch nach 367 Jahren in ununterbrochener Reihenfolge ist die Wallfahrt zum heiligen Patrizius nach Hohenstadt für viele Pilger ein ehrliches und auf ihrem christlichen Glauben basierendes Anliegen. Das feierliche Hochamt am Sonntag gestaltete Pfarrer Andreas Theurer aus Augsburg in Konzelebration mit den Pfarrern Karl Blum und Michael Holl. In seiner Festpredigt verband er das Wirken des heiligen Patrizius mit dem Gleichnis von den Fischern am See Genezareth, die Jesus auffordert, ihm nachzufolgen und Menschenfischer zu werden. Dabei dürfe man nicht fragen, was es koste und ob man alles zurücklassen müsse, um Jesus zu folgen.

Musikalisch umrahmte der Patriziuschor mit Sängerinnen und Sängern aus Hohenstadt unter der Leitung von Sybille Balle den Gottesdienst. Bernd Büttner begleitete den Festgottesdienst an der Orgel.

Vertraute des Menschen

Die traditionelle Reiter- und Pferdesegnung auf dem Marktplatz zelebrierte am Nachmittag Pfarrer Andreas Theurer. Früher seien Pferde Kriegswaffen gewesen, heute seien diese oft gute Vertraute des Menschen, sagte er. Beziehungen zwischen Mensch und Tier seien auf Vertrauen aufgebaut. Wenn das gegenseitige Vertrauen gelinge, sei dies Glauben, der jedoch nicht ewig Halt gebe. Dies würde nur der Glaube an Gott, sagte Pfarrer Theurer. Pater Johny Maniankeril dankte allen Beteiligten für ihr Kommen sowie den vielen Helferinnen und Helfern, die jedes Jahr still im Hintergrund mitwirkten. Musikalisch umrahmte der Musikverein Hohenstadt unter der Leitung von Christine Kraus die Reitersegnung.

Nach dem Hochamt und der Reitersegnung herrschte im Fruchtkasten und im aufgestellten Zelt ein großer Besucherandrang. Besucher aus nah und fern genossen nach den geistlichen Impulsen auch die leiblichen Genüsse. Auch die gut sortierte Tombola in Sidonienstift fand regen Zuspruch. Nikolaus Graf Adelmann führte am Nachmittag interessierte Festbesucher durch das Schloss sowie die Wallfahrtskirche. Der Erlös des Patriziusfestes ist für Baumaßnahmen an der Wallfahrtskirche bestimmt.

Katholischer Priester mit Trauschein

Pfarrer Andreas Theurer ist ein direkter Nachfahre des ersten evangelischen Pfarrers Melchior Gärtner, der um 1579 in Hohenstadt den evangelischen Glauben verkündete. Andreas Theurer war viele Jahre hinweg Pfarrer der evangelischen Landeskirche in Württemberg, ehe er im Jahr 2012 zusammen mit seiner Ehefrau zur katholischen Kirche konvertierte. Im Herbst 2018 wurde er schließlich in Augsburg zum katholischen Priester geweiht und ist gegenwärtig Kaplan in der Pfarreiengemeinschaft Göggingen-Inningen sowie Referent im Institut für Neuevangelisierung. Papst Franziskus hat ihn für seine bestehende Ehe vom Zölibat dispensiert.

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