Schweinekopf: Polizei bildet Ermittlungsgruppe

Lesedauer: 3 Min
Schwäbische Zeitung
Sabine Herforth

Ein vor dem Vereinsheim in Ennetach des deutsch-türkischen Vereins abgelegter Kopf eines Ferkels hat nicht nur unter den Mitgliedern der Muslimischen Gemeinde für Verunsicherung, Verärgerung und Kopfschütteln gesorgt.

Das Schwein gilt im Islam als höchst unreines Tier, der Verzehr von Schweinefleisch gilt als schädlich und ist verboten. Nach dem Fund hatte die herbeigerufene Polizei die Angelegenheit aufgenommen und Fotos gemacht, um den Fall zu dokumentieren. Es sei nicht auszuschließen, dass es sich dabei um eine politisch motivierte, fremdenfeindliche Aktion handelt, erklärte Edwin Dobler, Pressesprecher der Polizeidirektion Sigmaringen. Deshalb wurde gestern eine dreiköpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet, die den Fall unter Leitung eines Kriminalbeamten untersuchen soll. Bislang Unbekannte hatten in der Nacht von Samstag auf Sonntag den abgetrennten und gekochten Kopf eines Ferkels unmittelbar vor der Eingangstüre des Gebetshauses abgelegt, so dass jeder Besucher an dem Kopf vorbeigehen musste, um in das Gebäude zu gelangen. Der Schweinekopf war zudem mit Petersilie garniert. Das deute darauf hin, dass der oder die Täter bewusst vorgegangen sind.

Da in dem Gebäude auch gebetet wird, ist zu vermuten, dass beabsichtigt war, die religiösen Gefühle der Besucher zu verletzen. Die Ermittlungsgruppe ermittelt wegen Verdachts der Störung der Religionsausübung gemäß Paragraf 167 des Strafgesetzbuchs. Ein Anfangsverdacht reiche aus, um die Ermittlungen voranzutreiben, so Dobler auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung. „Wir werden die Sache mit Nachdruck verfolgen“, kündigte er an.

Das Thema bewege die Bewohner sehr. „Wir hoffen, die Hintergründe der Tat und den oder die Täter rasch ermitteln zu können. Dabei setzen wir auch auf Hinweise aus der Bevölkerung“, erklärte Polizeichef Gerd Stiefel am Dienstag.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen