Schwarzarbeit gilt vielen als Kavaliersdelikt

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Deutsche Presse-Agentur

Putzhilfen im Haushalt werden häufig „schwarz“ beschäftigt. In der Regel haben die Auftraggeber dabei kein schlechtes Gewissen: „Das gilt als Kavaliersdelikt“, sagte Nicola Hülskamp vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

„Die Aufdeckungsquote ist gering. Das gilt auch für das Unrechtsbewusstsein.“ Jemanden illegal im Haushalt zu beschäftigen werde weniger kritisch gesehen, als ein Versprechen nicht zu halten, ergab eine Umfrage im Auftrag des Instituts. „Und nur drei Prozent der Deutschen würden das anzeigen.“

Nach der Umfrage durch TNS-Emnid hat 2007 jeder dritte Deutsche Arbeiten ohne Rechnung vergeben und dafür im Schnitt rund 1000 Euro bezahlt. Handwerkliche Aufgaben standen auf Platz eins der Schwarzarbeitsliste, gefolgt von sogenannten familienunterstützenden Dienstleistungen. Dazu zählen zum Beispiel Putzen, Bügeln, Hausaufgabenbetreuung oder Chauffeursdienste. Sie machten der Umfrage zufolge rund 16 Prozent der Schwarzarbeit aus.

An Haushaltshilfen besteht nach Einschätzung des Wirtschaftsinstituts wachsender Bedarf: Zum eine werde es aufgrund des demografischen Wandels immer mehr Ältere geben, die sich helfen lassen möchten. Zum anderen nehme die Frauenerwerbstätigkeit zu, was einerseits den finanziellen Spielraum vergrößere - andererseits aber auch den Bedarf, sich im Haushalt helfen zu lassen.

Schon die Daten von 2006 zeigen, dass insbesondere ältere Menschen Haushaltshilfen beschäftigen: Dem IW zufolge waren 38 Prozent von ihnen für ältere Menschen im Einsatz, 28 Prozent für kinderlose Paare. Doppelverdiener hätten häufig die finanziellen Möglichkeiten und außerdem beruflich so viel Druck, dass sie sich beim Bügeln, Putzen oder Einkaufen helfen lassen. Etwa jeder zehnte dieser Haushalte nutze solche Dienstleistungen. Dagegen beschäftigten Haushalte mit Kindern vergleichsweise selten Haushaltshilfen - egal ob schwarz oder nicht. So hatten sie 2006 zwar einen Anteil von rund 25 Prozent aller Haushalte, aber nur 18 Prozent der Haushaltshilfen arbeiten für Paare mit Nachwuchs.

Stuttgart (dpa/tmn) - Schwarzarbeit neben dem eigentlichen Job kann zur fristlosen Kündigung führen. Das gelte zumindest dann, wenn durch die illegale Tätigkeit die Interessen des Arbeitgebers berührt werden, sagte Jobst-Hubertus Bauer, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Stuttgart. Beispielsweise ist das der Fall, wenn ein fest angestellter Handwerker in seiner Freizeit schwarz für Auftraggeber arbeitet, die auch Kunden seines Arbeitgebers sein könnten.

„Dann muss sich der Arbeitnehmer im Klaren sein, dass er auch eine fristlose Kündigung riskiert. Und der Arbeitgeber könnte Anzeige bei der Staatsanwaltschaft stellen.“ Auch Schwarzarbeit für die Konkurrenz hat arbeitsrechtliche Folgen. Falls die Interessen des Arbeitgebers nicht tangiert sind, sei Schwarzarbeit allerdings kein Kündigungsgrund, erläuterte Bauer. Das gilt auch, wenn ein Arbeitnehmer in Teilzeit nebenher schwarz arbeitet. „Entscheidend ist, ob die Arbeitsleistung, die er dem Arbeitgeber schuldet, dadurch eingeschränkt wird.“ Das gelte ebenso für legale Nebentätigkeiten.

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