Schwaben haben einen anderen Humor

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Jimmy Kelly und seine Band haben das Publikum in der Linse drei Stunden lang bestens unterhalten. (Foto: Susi Donner)
Schwäbische Zeitung
Susi Donner

Der große Saal im Kulturzentrum Linse ist restlos ausverkauft. Es wurden sogar schnell noch Ersatzstühle herbeigeschafft, auf denen die Leute sitzen. Dabei dauert es nicht einmal drei Minuten ab Konzertbeginn, und es wären gar keine Stühle mehr notwendig gewesen, weil die Leute aufgesprungen sind, die Arme hochrecken und sich zur Musik bewegen, begeistert mitsingen und mitklatschen.

Doch da sind auch die gefühlvollen Balladen, zu denen sich die Pärchen im Publikum aneinander schmiegen. Manche haben Tränen in den Augen. Und wer erzeugt so intensive Emotionen? Auf der Bühne steht Jimmy Kelly und seine Band, Kollegen von der Straße, darunter auch seine Frau Meike und sein Cousin Mike aus den USA. Sie spielen Folklieder aus Irland, Spanien, Frankreich, Amerika. Lieder in denen die Seele des jeweiligen Volkes deutlich mitschwingt.

„Viva la Strada – es lebe die Straße!“ hat Jimmy Kelly seine Tour benannt und sie ist ein Loblied auf die Straßenmusik. Jimmy Kelly, der in den 1990er Jahren große Erfolge, erst auf der Straße, dann in großen Konzerthäusern mit seiner Familie gefeiert hat, ist auch heute wieder auf der Straße unterwegs und etwas von seinen Straßenentertainer-Qualitäten hat er in die Linse mitgebracht. Auf der Straße, da muss er das Publikum an sich binden können, damit sie ihm lauschen. Und der sympathische Musiker hat das gut drauf, seine Zuhörer an sich zu binden. Er ist eine richtige Rampensau. Und was er und seine grandiosen Bandkollegen bieten, ist handgemachte, ehrliche und erdige Musik, voller Intensität. Sie wechseln die Instrumente im Liederrhythmus, Susaphon, Mandoline, Akkordeon, Geige, Schlagwerk, Kontrabass und Geige kommen bravourös zum Einsatz. Spaß und Spielfreude die die Musiker dabei haben, sind absolut ansteckend und mitreißend. Französische Chansons, amerikanischer Bluegrass, Klezmer aus Pariser Hinterhöfen, irische herzzerreißende Balladen, alles ist sehr emotional. Jimmy Kellys raue Stimme erzeugt zudem pures Gänsehautfeeling.

In der Pause stehen die Bandmitglieder an der Bar. Trinken Apfelschorle oder Biobier. Jimmy erzählt, dass ihm das Publikum in der Linse gut gefällt. „Sie lachen zwar nicht immer über meine Witze, ich glaube, die Schwaben haben einfach einen anderen Humor, als in anderen Teilen Deutschlands, aber wenn sie mal aus sich rausgehen, dann sind sie wirklich voll bei der Sache.“ Und das Publikum geht auch nach der Pause voll aus sich raus. Tanzt, singt bereitwillig den großen Chor für die band. „Ihr könnt ja singen!“ lobt Jimmy Kelly. Nach drei stimmungsvollen Stunden und zwei Zugaben verlassen die Musiker einer nach dem anderen die Bühne. Ein schwarzer Nightliner-Tourbus steht halb auf dem Gehsteig vor der Linse. Mit dem geht es noch in dieser Nacht über die Straße weiter, zum nächsten Konzert.

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