Schwäbisch Media zieht um: „Es fällt nicht leicht, die Heimat aufzugeben“

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Chefredakteur Hendrik Groth (links) und Schwäbisch-Media-Geschäftsführer Kurt Sabathil haben sich in Leutkirch wohlgefühlt. (Foto: Rasemann)
Schwäbische Zeitung

Schwäbisch Media startet in eine neue Ära: Am Freitag, 1. Februar, lenken Geschäftsführer Kurt Sabathil und Chefredakteur Hendrik Groth letztmalig die Geschäfte des Medienhauses sowie der Schwäbischen Zeitung von ihren Schreibtischen in der Rudolf-Roth-Straße 18 in Leutkirch. Zusammen mit der Mantelredaktion geht es dann nach Ravensburg – in die neue Verlagszentrale. Im Gespräch mit Sabathil und Groth beleuchtet Michael Loskarn, Redaktionsleiter der SZ-Lokalredaktion Leutkirch, was der Umzug für das mittelständische Unternehmen, aber auch für die Region bedeutet.

SZ: Herr Sabathil, Herr Groth, bitte erläutern Sie die Gründe für die Umsiedlung der Verlagszentrale nach Ravensburg. War der Verlag mit dem Standort in Leutkirch unzufrieden?

Kurt Sabathil: Unser Unternehmen wurde nach Kriegsende am 4. Dezember 1945 in Leutkirch neu gegründet. Seither war die Stadt die Heimat unserer Zentrale, und es fällt natürlich nicht ganz leicht, diese Heimat aufzugeben. Aber es ist nun mal so, dass sich Leutkirch am Rande des Verbreitungsgebiets der Schwäbischen Zeitung befindet, das sich von Nord nach Süd über 200Kilometer und von West nach Ost über 150 Kilometer erstreckt. Ravensburg liegt im Vergleich deutlich zentraler – quasi im Herzen unseres Erscheinungsbereichs. Das war ein Grund, weshalb wir uns für Ravensburg entschieden haben. Ein anderer ist die unmittelbare Anbindung an die Hochschulen. Das erleichtert es dem Unternehmen, hochqualifizierte Mitarbeiter für sich zu gewinnen.

SZ: Was planen Sie mit dem Leutkircher Verlagsgebäude inklusive Grundstück in der Rudolf-Roth-Straße? Gibt es eventuell schon Interessenten?

Sabathil: Wir sind hier mit der Stadt Leutkirch und verschiedenen Projektentwicklern im Gespräch, und ich gehe davon aus, dass wir im Laufe dieses Jahres gemeinsam eine gute Lösung präsentieren können. Die Verwaltung ist durchaus für unterschiedliche Konzepte offen. Aufgrund der Struktur der gesamten Region ist es aus unserer Sicht aber wahrscheinlich, dass es auf dem Gelände zu einer Wohnbebauung mit Ein- und Mehrfamilienhäusern kommen wird. Von der Leutkircher Stadtverwaltung wissen wir, dass es einen entsprechenden Bedarf an Grundstücken gibt. Bis aber wirklich Konkretes zu vermelden ist, wird es noch vieler Gespräche und einiger Entwicklungskonzeptionen bedürfen.

SZ: Ist es in heutigen Zeiten für ein mittelständisches Unternehmen nicht auch positiv zu bewerten, ein solches Grundstück in den Aktiva zu haben?

Sabathil: Man sieht ja in der gegenwärtigen Finanzkrise, dass die Menschen Immobilien zur Wertabsicherung kaufen. Insofern ist es für den Moment natürlich nicht schädlich, das Gebäude und das Grundstück in den Bilanzen zu behalten. Andererseits kostet der Unterhalt eines Gebäudes und eines Grundstücks – auch, wenn sie ungenutzt sind – eine ganze Menge Geld: Wir müssen die Außenanlagen pflegen, es muss eine Grundheizung geben, damit die Leitungen nicht einfrieren, wir müssen für eine Bewachung sorgen, um Vandalismus zu verhindern. Es sind also laufende Kosten da, die bei einer Immobilie dieser Größe durchaus relevant sind. Deshalb wollen wir das Gelände perspektivisch vermarkten, denn letztlich wollen wir ja, dass sich hier etwas Positives für das ganze Umfeld entwickelt. Es gibt ja nichts Schlimmeres für eine Stadt, als wenn ein Grundstück brach liegt und keinen Nutzen bringt.

SZ: Was passiert mit der Region um Leutkirch publizistisch betrachtet?

Hendrik Groth: Niemand in Leutkirch muss die Sorge haben, abgehängt zu werden. Im Gegenteil: Wir haben alle Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die redaktionelle Berichterstattung in Leutkirch ausgeweitet werden kann. Die Schwäbische Zeitung bleibt ja mit der neuen Lokalredaktion im Herzen der Stadt präsent, und wir haben hier in redaktionelle Mitarbeiter investiert, die Tag für Tag aus der Region und für die Region berichten. Und auch die Chefredaktion wird das Allgäu nach dem Umzug ganz sicher nicht ignorieren. Es gehört nach wie vor zu den Bereichen, in denen die Schwäbische Zeitung publizistisch uneingeschränkt zu Hause ist. Für den Leser ändert sich nichts.

SZ: Was bedeutet der Umzug für das Herzstück der Redaktion, den „Mantel“?

Groth: Zunächst einmal bringt der Wegzug aus den vertrauten Redaktionsräumen in der Rudolf-Roth-Straße für die Kolleginnen und Kollegen ein bisschen Herzschmerz mit sich. Auf der anderen Seite werden wir künftig in einem hochattraktiven und hochmodernen Gebäude arbeiten. Dieses Umfeld bietet uns deutlich verbesserte Möglichkeiten, die wir nutzen werden, um zu einem noch aktiveren Journalismus zu kommen. Wir freuen uns auf den Umzug, aber nochmal: Die Schwäbische Zeitung bleibt in Leutkirch durch unsere vergrößerte Lokalredaktion weiter präsent.

SZ: Wie sehen Sie die zukünftige Rolle des Lokalverlags Leutkirch?

Groth: Er spielt eine wichtige Rolle in unseren redaktionellen Planungen. Leutkirch wird aufgrund unserer Unternehmensgeschichte immer der zentrale Standort der Schwäbischen Zeitung im Allgäu sein. Die Region gehört deutschlandweit zu den attraktivsten – hier wollen wir weiter expandieren. Übrigens: Die Lokalredaktion ist sowohl technisch als auch von ihrem architektonischen Zuschnitt her so ausgestattet, dass die Kollegen im ganzen Land neidisch werden. Ich halte unsere Redaktion in der Marktstraße für eine der schönsten, die ich überhaupt kenne.

Sabathil: Wir haben beginnend mit dem Umzug des Lokalverlags an den Marktplatz dafür gesorgt, dass die Region Allgäu rund um Leutkirch besser ausgestattet ist als sie es jemals zuvor war. Damit will Schwäbisch Media auch ein Zeichen setzen und betonen, dass wir weiterhin hier verwurzelt sind und dass wir auch in Zukunft nah bei unseren Lesern, bei unseren Kunden sein wollen.

SZ: Ziehen bisher in Leutkirch wohnende Mitarbeiter nun vermehrt ins Schussental? Können Sie hierzu etwas sagen?

Sabathil: Die Planungen für den Umzug nach Ravensburg haben schon vor über zehn Jahren begonnen. Viele Mitarbeiter, die seit dieser Zeit zu uns gestoßen sind, sind deshalb gleich in den Raum Ravensburg gezogen und erleben nun, wie das Unternehmen zu ihnen kommt. Ein großer Teil derer, die heute in Leutkirch wohnen, bleibt aber bewusst hier. Das ist ja auch durchaus nachvollziehbar. Die Menschen fühlen sich hier sehr wohl, ihre Kinder gehen hier zur Schule, sie schätzen die kurzen Wege. Kurz: Leutkirch ist eine attraktive Stadt, darum nehmen viele Mitarbeiter die Pendelei in Kauf – auch, wenn die Bahnverbindung leider nicht allzu gut ist.

SZ: Was wird sich in Ravensburg für Schwäbisch Media verändern?

Sabathil: In Ravensburg haben wir alle Medien unseres Hauses unter einem Dach: die Zentralredaktion der Zeitung sowie die Lokalredaktion, die Zentrale von Regio TV Bodensee, die Redaktionen der digitalen Medien und unseren Magazinverlag. Wir bekommen damit die Möglichkeit, die verschiedenen Kanäle unseres Hauses effizienter miteinander zu vernetzen. So kommen wir auch unseren Lesern, Zuschauern und Usern und ihrem sich verändernden Mediennutzungsverhalten entgegen. Unsere Kommunikation nach außen wird also zunehmend crossmedial. Insgesamt ist das gesamte Gebäude sehr transparent, wodurch wir für die Bevölkerung noch sehr viel offener und anders ansprechbar werden. Aber auch die interne Kommunikation wird in unserem Neubau weiter gefördert werden. Wir setzen auf Open-Space-Architektur, das heißt, es gibt keine Einzelbüros mehr, sondern eine Mischung aus Großraumbüros und abgeschirmten Besprechungsecken mit Lounge-Charakter, wo kreative Ideen entwickelt werden können.

Groth: Dieses tolle Haus in Ravensburg ist aus redaktioneller Sicht auch ein Statement für unser gesamtes Verbreitungsgebiet: Wir wollen die Menschen umfassend und auf allen Kanälen informieren und tätigen dafür eine große Investition. Für unsere Redaktionen ist das nochmals ein gewaltiger Schritt nach vorne.

SZ: Wie haben Sie Ihre bisherige Arbeit von Leutkirch aus empfunden?

Sabathil: Ich bin seit viereinhalb Jahren bei Schwäbisch Media und in Leutkirch. Ich habe mich hier immer wohlgefühlt. Die wundervolle Umgebung der Stadt ist ein Genuss.

Groth: Ich habe meine eineinhalb Jahre in Leutkirch als sehr angenehm empfunden und habe hier sehr offene, sehr nette Leute getroffen. Für mich ist klar: Meine Ärzte, meine Bank, meinen Friseur – die habe ich auch weiterhin in Leutkirch.

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