„Schulterschluss“ für die Zukunft des Waldes

Lesedauer: 4 Min
Unterzeichnen eine gemeinsame Vereinbarung (von links): Ignaz Einsiedler (WBV Kempten), Johann Jordan (FBG Oberallgäu), Ulrich S
Unterzeichnen eine gemeinsame Vereinbarung (von links): Ignaz Einsiedler (WBV Kempten), Johann Jordan (FBG Oberallgäu), Ulrich Sauter (AELF) und Peter Freytag (WBV Westallgäu). (Foto: Olaf Winkler)
Lindauer Zeitung
Olaf Winkler

Trockene Sommer und heftige Stürme als Auswirkungen des Klimawandels setzen dem Wald zu. Das ist einer der Hauptgründe, warum das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und die drei Zusammenschlüsse der Waldbesitzer in den Landkreisen Oberallgäu und Lindau sowie in der Stadt Kempten ihre Zusammenarbeit jetzt auf eine neue Basis gestellt und eine gemeinsame Kooperationsvereinbarung unterschrieben haben.

Ziel der Vereinbarung ist eine „flächendeckende, nachhaltige und zukunftsweisende Bewirtschaftung der Wälder“, so Robert Baldauf vom AELF. Er war bislang als Berater für die Waldbesitzervereinigungen tätig und ist künftig wohl einer der Koordinatoren, die das Miteinander von Amt und den Waldbesitzervereinigungen Westallgäu und Kempten sowie der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Oberallgäu unterstützen sollen. Die Ausgangslage: 50 und mehr Jahre nach der Gründung der Zusammenschlüsse der Waldbesitzer seien deren Organisatoren „professionalisiert“, wie es AELF-Bereichsleiter Ulrich Sauter formuliert. Entsprechend sei eine Kooperation „auf Augenhöhe“ das Ziel der künftigen Zusammenarbeit. Die drei Organisationen im West- und Oberallgäu repräsentieren rund 6800 Waldbesitzer und rund 40 000 Hektar Waldfläche. Sie beraten, sie organisieren den Einschlag und die Vermarktung des Holzes und sie wollen auch politisch Einfluss nehmen. Das haben sie in der Vergangenheit getan – und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern. Für den Vorsitzenden der FBG Oberallgäu, Johann Jordan, ist deshalb klar: „Am liebsten wäre es mir, wir würden den Vertrag nach der Unterzeichnung in die Schublade legen und nie wieder anschauen müssen.“ Vor allem fordert er, dass das AELF, die FBG und die beiden WBVs auch künftig „mit einer Zunge reden“. Denn: „Nur dann kann es funktionieren.“

Gemeint ist damit vor allem eine gemeinsame Strategie, wie sich dem Klimawandel begegnen lässt. Hier ist ein Umbau der Wälder von Fichten-Monokulturen hin zu Mischwäldern das erklärte Ziel aller Beteiligten. Nicht zuletzt viele Besitzerwechsel erschweren die Umsetzung. Denn: „Wald wird wenig gehandelt, er wird im Regelfall vererbt.“ Und immer häufiger erbt nicht ein Landwirt, der einen direkten Bezug zu seinem Wald hat, sondern ein „urbaner Waldbesitzer“, wie es Sauter formuliert.

Für Sauter ist klar: „Wir wissen, was man tun muss.“ Die Kompetenz sei im AELF ebenso vorhanden wie bei den Waldbesitzer-Zusammenschlüssen. Deshalb ist die neue Kooperation vor allem auch eine Fortschreibung der Zusammenarbeit, die es schon in Folge der Forstreform 2005 gab. Der nun geschlossenen Vereinbarung liegt der „Waldpakt 2018“ der Staatsregierung zugrunde. Er verspricht vor allem mehr finanzielle Mittel, um sowohl den Waldumbau als auch die Sicherung beispielsweise von Schutzwäldern zu fördern. Für Robert Baldauf ist die jetzt in Immenstadt unterzeichnete Vereinbarung eine Besonderheit, denn alle drei Zusammenschlüsse konnten sich mit dem AELF auf einen gemeinsamen Text einigen. Er spricht denn auch von einem „Schulterschluss“ der Beteiligten für die Zukunft des Waldes.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen