Berufliche Schulen stehen in einem harten Wettbewerb zueinander.
Berufliche Schulen stehen in einem harten Wettbewerb zueinander. (Foto: dpa)
sbo und Cornelia Spitz

Die Diskussion flammte ganz plötzlich auf, sie war kurz und eindeutig, das Ergebnis dürfte Berufsschüler freuen: Der Schwarzwald-Baar-Kreis hat das Schulgeld an den Fachschulen der beruflichen Schulen gekippt.

Im Landkreis Konstanz war man nach vorne geprescht. Die Sitzungsvorlage, welche die Kreisräte des Ausschusses für Bildung und Soziales für ihre Sitzung am Montag erhalten hatten, war plötzlich überholt, denn: Konstanz hatte Ende Mai beschlossen, künftig kein Schulgeld mehr zu erheben.

In den Landkreisen Freiburg und Rottweil werden Berufsschüler noch zur Kasse gebeten. Ebenso war dies bislang an den vier Fachschulen im Schwarzwald-Baar-Kreis – der Fachschule für Technik an der Gewerbeschule Villingen-Schwenningen (410 Euro pro Halbjahr, Fachrichtung Automatisierungstechnik/Mechatronik), der Fachschule für Bautechnik an der Gewerblichen Schule Donaueschingen (485,73 Euro pro Halbjahr), der Fachschule für Maschinentechnik, Vertiefung Kunststofftechnik, ebenfalls in Donaueschingen (250 Euro pro Schuljahr) sowie der Fachschule für Organisation und Führung mit den Schwerpunkten Sozialpflege und Sozialpädagogik (204,52 Euro pro Schuljahr) an der Albert-Schweitzer-Schule in VS-Villingen.

Doch die Konkurrenz schläft nicht – und manchmal ist sie gar einen Sprung voraus. Konstanz war das im Falle des Beschlusses zur Abschaffung des Schulgeldes. Dass die beruflichen Schulen längst in einem heftigen Wettbewerb zueinander stehen und um Schüler ringen, ist kein Geheimnis.

Auch im Schwarzwald-Baar-Kreis bangte man schon, ob bestimmte Fachklassen überhaupt zustande kommen können. Mindestens 16 Schüler müssen dafür angemeldet sein. „Wenn der Schwarzwald-Baar-Kreis hinterher hinkt, dann wird man bestimmte Klassen verlieren“, war sich beispielsweise Anton Knapp (SPD) sicher. Nur allzu gut erinnerte sich der langjährige Kreispolitiker an die Jahre, als man „Bauchweh hatte“ und gebangt hat, ob das Minimum von 16 Schülern in der einen oder anderen Fachrichtung überhaupt erreicht werden können.

Auch Landrat Sven Hinterseh bemerkte eingangs, dass der Landkreis hinsichtlich der Berufsfachschüler im Wettbewerb stehe, weshalb er am Montag angeregt hat, nicht nur über eine Reduzierung auf ein einheitliches Schulgeld von 200 Euro, sondern sogar über einen Verzicht auf das Schulgeld im Schwarzwald-Baar-Kreis nachzudenken.

Ein Vorschlag, mit dem er offene Türen einrannte. Flugs hagelte es noch während der Sitzung und vor der fünfminütigen Auszeit zur internen Beratung der einzelnen Fraktionen Stellungnahmen, wonach auch der Schwarzwald-Baar-Kreis das Schulgeld kippen solle.

Die vergleichsweise geringen Einnahmen von jährlich 74 000 Euro ließen das zu – bei einer Reduzierung auf ein einheitliches Schulgeld von 200 Euro hätte sich dieser Ansatz auf 38 000 Euro reduziert, im Extremfall entfiele er ganz.

Obgleich die Anmeldezahlen aktuell erfreulich solide sind – 19 Bautechniker, 28 Kunststofftechniker und 22 Sozialpfleger und -pädagogen stehen aktuell in der Anmeldestatistik – stand es für das Gros des Gremiums außer Frage: Das Schulgeld wurde einstimmig, bei nur zwei Enthaltungen, gekippt. „Das müssen wir den Schulen jetzt aber rasch mitteilen, dass sie noch damit werben können“, sagte Landrat Sven Hinterseh.

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