Deutsche Presse-Agentur

Ein Unfall wie viele. Ein Auto streift eine Fußgängerin, nichts Ernstes ist passiert. Aber die Fantasie des Fahrers setzt ein: Was, wenn die Frau schwer verletzt worden und künftig querschnittsgelähmt wäre?

Und wenn er am Unfall schuld gewesen wäre? In Nils Willbrandt, TV-Autor und -Regisseur, reifte ein Filmstoff heran. Und er wusste auch schon, wer die Hauptrolle spielen sollte. Kein Mann, sondern eine Frau, Thekla Carola Wied: „Ich hatte sie im Film über den 17. Juni gesehen, "Tage des Sturms", in einer kleinen, aber eindrucksvollen Rolle, und mich gleich gefragt: Warum wird diese Frau eigentlich immer als die Nette, Patente eingesetzt? Warum nicht dramatisch?“

Der Film „Schuldig“ läuft in der ARD an diesem Mittwoch, einen Tag vor Thekla Carola Wieds 65. Geburtstag, und sie freut sich: „Das ist mein schönstes Geburtstagsgeschenk.“ Schon weil der Film eine recht andere Wied zeigt als in den meisten Rollen der letzten Jahre, keine Patentfrau, sondern verhärmt, von Schuldgefühlen gebeutelt, verzweifelt, eine Frau auf dem Weg nach unten.

Zunächst steht sie als Professorin Eva Senn glänzend da; sie ist Erfolgsjournalistin und Erfolgsautorin. Dann zerbricht ihre Ehe. Aus Kummer trinkt sie ein Glas zu viel, wird am Steuer erwischt, verliert den Führerschein und fährt, als sie den Wagen einer Freundin etwas zurücksetzen will, eine junge Frau um. Die ist daran nicht ganz unschuldig, aber Eva Senns heile Fassade zerbricht. Zumal ein Unbekannter ihr mit Mord droht.

Thekla Carola Wied sagt über ihre Rolle: „Das ist ein Schicksal von fast antiker Wucht. Die "Normalen" des Films, ihre Freundin (Carin C. Tietze), ihr Anwalt (Jürgen Tarrach), versuchen zu beschwichtigen. Aber sie stellt sich ihrer Schuld, sucht Vergebung, reagiert nahezu grenzwertig-manisch.“ Weite Teile des Films entstanden mit der Handkamera, die Nahaufnahmen entblößen jede Falte im Gesicht. Willbrandt erinnert sich: „Ich musste Thekla nicht antreiben, eher bremsen. Sie bestand darauf, viele Szenen ungeschminkt zu spielen.“ Wozu die Schauspielerin lächelt: „Das sieht man ja wohl auch, oder?“

Der Film entstand, auf Wunsch des produzierenden MDR, in Magdeburg. Die Stadt gilt nicht als besonders fotogen, aber Regisseur wie Hauptdarstellerin entdeckten bald schon ihren spezifischen filmischen Reiz. Willbrandt: „Man kann wunderschöne Sonnenuntergänge einfangen und dann wieder einen miesen Plattenbau zeigen. In diesen Gegensätzen spiegelt sich auch gleich die Brüchigkeit des Stoffs.“

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