Schrauber des Vertrauens - Die richtige Werkstatt

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Deutsche Presse-Agentur

Für viele Autofahrer war es noch vor kurzem selbstverständlich, ihren Wagen in einer Markenwerkstatt warten zu lassen. Doch in Zeiten, in denen das Geld knapper wird, kommen auch die Werkstattkosten auf den Prüfstand.

So mancher Autofahrer hält daher jetzt nach einer günstigeren freien Werkstatt ohne Markenbindung Ausschau. Dabei stellt sich jedoch die Frage, wie sich eine gute von einer schlechten Werkstatt unterscheiden lässt.

Dass Autofahrer bei der Werkstattwahl genauer überlegen, lässt sich schon länger erkennen. So hat das Marktforschungsunternehmen TNS Infratest aus München ermittelt, dass der Marktanteil der Freien nicht erst seit der Finanzkrise wächst. Vielmehr wandern schon seit mehreren Jahren Kunden von den Vertragswerkstätten ab: Kamen die freien Werkstätten 2004 auf etwa 40 Prozent aller Service- und Reparaturarbeiten, so waren es 2007 bereits 46 Prozent.

Besonders bemerkbar macht sich das Interesse an den freien Werkstätten in dem Zusammenhang, dass die Autos immer länger im Besitz eines Fahrers bleiben - seit 2001 ist das Durchschnittsalter von 6,9 auf mehr als 8 Jahre gestiegen. Bei Autos ab einem Alter von 10 Jahren haben die freien Werkstätten einen Marktanteil von gut 63 Prozent. Doch auch Halter neuerer Modelle überlegen die Werkstattwahl genauer: Wurden 2004 nur 7 Prozent der bis zu drei Jahre alten Autos in freien Werkstätten gewartet, so sind es mittlerweile 12 Prozent.

Doch wer zu einer günstigeren Werkstatt wechseln möchte, hat das Problem, wie sich deren Qualität erkennen lässt. Schließlich möchte niemand Geld für eine verhunzte Reparatur ausgeben. Und die Sache wird nicht einfacher dadurch, dass der äußere Eindruck nicht viel aussagt. „Von außen kann man meist nicht erkennen, ob die Werkstatt gute Arbeit leistet“, sagt Hermann Schenk von der Gesellschaft für technische Überwachung (GTÜ) in Stuttgart. Denn eine Kaffeemaschine zur Selbstbedienung oder der beheizte Fußboden im Warteraum haben nichts mit dem zu tun, was auf der Hebebühne geschieht.

„Eine gute Werkstatt erkennt man zum Beispiel an der Annahme des Fahrzeugs und der Erklärung der Arbeiten“, sagt Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn. In einem ordentlichen Betrieb wird die Annahme direkt am Fahrzeug vorgenommen. Dort schaut sich der Meister den Wagen an und bespricht mit dem Halter die Arbeiten. Dabei sollte auch geklärt werden, was zu tun ist, wenn unerwartete Mängel auftauchen. Und es sollte festgehalten werden, dass die Werkstatt über weitere Reparaturen zunächst den Kunden telefonisch informieren und sein Okay einholen sollte. Auch eine Preisobergrenze wird besser besprochen.

Vor der Abholung sollte außerdem eine Probefahrt mit dem Auto gemacht worden sein - am besten wiederum vom Meister. Wer ganz sicher gehen will, ob das wirklich geschehen ist, merkt oder notiert sich den Kilometerstand des Wagens bei der Abgabe in der Werkstatt. So lässt sich hinterher schon anhand der zusätzlich absolvierten Strecke ablesen, ob das Auto wirklich Probe gefahren wurde.

Sonderangebote sollten dagegen kein Kriterium sein, um sich für eine Werkstatt zu entscheiden. „Auch Betriebe, die mit kostenlosen Kurz-Checks werben, müssen ihr Geld verdienen - vom Draufzahlen kann niemand leben“, so Hermann Schenk. Vielmehr holten solche Betriebe die Kosten durch andere Arbeiten wieder rein. Auch wenn für die Dauer der Reparatur kostenlos ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung gestellt wird, rät Schenk zu überlegtem Handeln - dadurch entstehen dem Betrieb ebenfalls Kosten, die wieder erwirtschaftet werden müssen.

Die angegebenen Stundensätze sind nach Aussage der Experten außerdem nicht prinzipiell ein Hinweis darauf, ob eine Werkstatt teuer oder günstig ist. So sind in Innenstädten die angesetzten Reparaturpreise nicht selten höher als auf dem Land, weil die Betriebe auch höhere Kosten für die Miete oder die Pacht aufbringen müssen. Die möglichen Preisdifferenzen sind daher recht groß: Laut dem ZDK liegen die Stundensätze zwischen etwa 40 und 120 Euro. Grundsätzlich hat die Wahl der Werkstatt auch etwas von der Suche nach einem Arzt: „Man muss Vertrauen aufbauen“, sagt Helmut Blümer. „Das ist wie der Besuch beim Zahnarzt.“ Wenn man dessen Arbeit schätzen gelernt hat, vertraut man auch seinem Ratschlag.

Bei Werkstattärger können sich Autofahrer auch an Schiedsstellen wenden - jedenfalls dann, wenn es sich um einen Mitgliedsbetrieb der Kfz-Innung handelt, erläutert der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe in Bonn. Die Arbeit der Schlichtungsstellen ist für den Kunden kostenlos. Der Kfz-Betrieb ist an die Entscheidung dabei gebunden, dem Kunden steht danach immer noch der Weg zum Gericht offen.

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