Schräger Vogel: Mac DeMarco und sein „Cowboy-Album“

Lesedauer: 4 Min
Mac DeMarco
Mac DeMarco hat die Ruhe weg. (Foto: DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Werner Herpell

„This one is my cowboy record“, teilte Mac DeMarco kürzlich den auf sein neues Album wartenden Fans mit. Für ihn sei „Cowboy“ ein zärtlicher Begriff, den er oft auf die netten Menschen in seinem Leben anwende. Aha...

Was unser liebster Indiepop-Slacker mit den kryptischen Worten meinte, sollte dann mit dem Album-Opener und Titelsong „Here Comes The Cowboy“ doch klarer werden. Aber nein, eigentlich singt DeMarco zu einem rudimentären Groove über drei Minuten mit cooler Bariton-Stimme immer nur „Here comes the cowboy“. Minimalistisch das Ganze, und auf charmante Weise redundant.

Minimalistische Klänge und Wiederholungs-Warteschleifen trifft man auf Mac DeMarcos viertem Album auch danach noch häufiger an (etwa in „Choo Choo“ oder „Hey Cowgirl“). Der immer leicht spinnert wirkende Kanadier mit der witzigen Schneidezahn-Lücke hat wieder die Ruhe weg, wie man das schon von den Vorgängern „2“ (2012), „Salad Days“ (2014) und „This Old Dog“ (2017) kannte.

Entspannter kann man kaum klingen. Wie ein Enkel, Sohn oder Bruder der ebenfalls extrem relaxten Songwriter J.J. Cale (1938-2013), Jonathan Richman, Evan Dando, Beck und Kevin Morby kommt der ewige schräge Vogel Mac DeMarco auf diesem sympathischen Werk rüber, das in den USA überraschend die Top Ten der Billboard-Charts erreichte.

Erdiger Country-Folk, simpel instrumentierter LoFi-Pop (alte Drum-Machines!) sowie lässige Latin- und Soul-Sounds schlendern auf „Here Comes The Cowboy“ (Mac's Record Label/Caroline International) quasi Hand in Hand daher. Nach zwölf nicht immer allzu ernst gemeinten, smarten, meist kurzen Liedern - von denen die zarte Liebesballade „K“ wirklich tief berührt - kommt zum Abschluss das siebeneinhalbminütige „Baby Bye Bye“.

Doch gemach - auch dies ist kein unerwarteter monumentaler Pop-Entwurf des 29-Jährigen, sondern lediglich ein zweigeteilter Schluffi-Song mit Steel-Gitarre, angetrunken-windschiefem Chor, bekifftem „Yeehaw!“-Funk und hörbar viel Spaß im Studio. Mac DeMarco, inzwischen mit Freundin an der US-Westküste angesiedelt (passt wohl auch besser zu seinem Lifestyle als zuvor New York), bleibt sich eben treu.

„Here Comes The Cowboy“ ist ein kauziges, auf seine spezielle Art ganz tolles Frühlings- und Sommeralbum. In Deutschland tritt DeMarco damit leider erst im tiefsten Herbst auf - am 10. November in Hamburg (Große Freiheit 36) und am 11. November in Berlin (Columbiahalle).

Website Mac DeMarco

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen