Schnell aus der Maschine: Besteck richtig pflegen

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Deutsche Presse-Agentur

Hier ein Schnittchen, dort ein Häppchen und am Ende noch ein Spießchen: Fingerfood ist nach wie vor angesagt, ob bei Geschäftsfeiern oder der privaten Party. Doch kein Trend ohne Gegenbewegung.

So mancher ist es mittlerweile leid, mit Hilfe von Serviette und Cocktail-Spießchen Kartoffelschiffchen und Krebsschwänze in den Mund zu bugsieren. Und so wird das Besteck allmählich seinem vorübergehenden Schattendasein entrissen - Messer, Gabel und Löffel kommen derzeit auf schön gedeckten Tischen zu neuen Ehren.

Stilistisch werden derzeit eher moderne Stücke mit Design-Charakter und schlichten, klaren Formen bevorzugt, sagt Jens-Heinrich Beckmann, Geschäftsführer des Industrieverbands Schneid- und Haushaltswaren (IVSH) in Solingen. „Aber auch Chippendale-, Spaten- und Rokoko-Bestecke sind heute wieder gefragt.“

Seltener geworden sei es, zwischen einem Alltagsbesteck und einem für besondere Gelegenheiten zu unterscheiden. „Silberbesteck galt früher als Statussymbol, als ein Zeichen für den sozialen Aufstieg“, erzählt der Experte. „Heute verwendet man dieses Besteck regelmäßig - das hat den großen Vorteil, dass das Silber nicht mehr anläuft.“

Dass alle mit Messern und Gabeln ausgestattet am Tisch sitzen, ist noch gar keine so alte Sitte. „Erst seit 150 Jahren gibt es hierzulande ein Besteck für jeden Gast“, sagt Imme Vogelsang, Benimmtrainerin aus Hamburg. Davor teilten sich mehrere Esser ein Besteck. Häufig wurde auch mit den Fingern gegessen. Und lange Zeit gab es bei Tisch nur Löffel und Messer: „Die Gabel war in Deutschland als Teufelswerkzeug verpönt.“

„Unbedingt in die Hand nehmen“, ist der wichtigste Tipp, den Experten wie Curt Mertens Verbrauchern zum Besteckkauf geben. Das Design habe einen wichtigen Einfluss darauf, wie man isst, sagt der Bestecksachverständige und Geschäftsführer der Besteckfabrik Carl Mertens in Solingen. Deshalb muss nicht nur die Optik stimmen: Messer, Gabel und Löffel sollten gut in der Hand liegen, nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu schwer und auch nicht zu leicht sein.

Das Design gefällt, das Besteck fühlt sich gut an - bleibt die Frage nach der Qualität. Die ist für den Laien oft nur schwer zu beantworten. „Auf den ersten Blick ist billiges häufig nicht von teurem Besteck zu unterscheiden“, sagt Beckmann. Das gängige Material ist heute Edelstahl.

Ein Anhaltspunkt für Qualität ist der 18/10-Stempel auf dem Besteck. „Das bedeutet, dass der Chromanteil bei 18 Prozent liegt, der Nickelanteil bei 10 Prozent, die übrigen 72 Prozent sind Eisen“, erklärt Bernd Wiedenhöfer vom Hersteller WMF aus Geislingen/Steige in Baden-Württemberg. Während Chrom für Rostfreiheit sorge, mache Nickel das Material säurefest und verleihe ihm Glanz.

Allergiker müssen sich wegen des Nickelanteils keine Sorgen machen: Laut Beckmann handelt es sich nicht um eine Beschichtung, sondern um eine Legierung - und aus der könne sich der Nickel nicht lösen.

Bei Messern wird zwischen sogenannten Monoblock- und Hohlheft-Messern unterschieden. Monoblock-Messer sind aus einem Stück gefertigt, die Klinge wird lediglich durch Prägewerkzeuge geformt. „Hohlheft-Messer haben dagegen eine geschmiedete Klinge, die in den Griff eingesetzt wird“, erklärt Beckmann. Die Hohlheft-Messer haben den Vorteil, dass die Klinge härter ist und sich in der Regel nicht verformt. Zu erkennen sind sie meist an einer feinen Naht zwischen Klinge und Griff. Falls kein Übergang zu spüren oder zu sehen ist, sollte das Messer einfach angehaucht werden, rät der Experte: „Besteht das Messer aus zwei Teilen, beschlagen sie unterschiedlich.“

Bei Gabeln lohnt sich ein genauer Blick zwischen die Zinken. Wurde dort ordentlich geschliffen und poliert, spricht das für die Qualität, erläutert Wiedenhöfer. Denn das Polieren können heute zwar auch Maschinen übernehmen, trotzdem bleibt dieser Arbeitsgang teuer. Entsprechend wird bei billigen Gabeln oft nur kurz poliert. Die Oberfläche bleibt dann vergleichsweise rau - Rost hat deshalb ein leichtes Spiel. Und bei Löffeln können einem scharfe Kanten den Spaß am Essen verderben.

Schnell aus der Maschine: Besteck richtig pflegen

Einzelne Gabeln und Löffel gibt es oft schon für weniger als einen Euro. Auf manchem Kaufhaus-Angebotstisch finden sich ganze Besteckkoffer für unter 50 Euro. Auf erstklassige Qualität dürften Verbraucher bei solchen Schnäppchen allerdings nicht hoffen, warnen die Experten. Jens-Heinrich Beckmann, Geschäftsführer des Industrieverbands Schneid- und Haushaltswaren in Solingen, rät: „Für ein Set für sechs Personen sollte man schon einen dreistelligen Betrag anlegen.“

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