Schmuck ist fast so kostbar wie der von der Keltenfürstin

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 Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden (von links), Archäologe Jörg Bofinger und Bürgermeister Magnus Hoppe schauen sich die A
Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden (von links), Archäologe Jörg Bofinger und Bürgermeister Magnus Hoppe schauen sich die Ausstellung an. (Foto: vera romeu)
Vera Romeu

Die spannende Ausstellung „Steinzeit und Keltengold – Archäologische Entdeckungen zwischen Alb und Neckar“ in Keltenmuseum in Hundersingen ist offiziell eröffnet. Auf dem Hegelesberg in Kirchheim unter Teck ist neben Gefäßen aus der Jungsteinzeit noch der außergewöhnlich kostbare Schmuck aus Gold und Korallen einer keltischen Frau gefunden worden. Dazu wird in der Ausstellung weiterer Schmuck keltischer Frauen aus Sirnau und Schöckingen zum Vergleich präsentiert.

„Die Frau vom Hegelesberg ist wahrscheinlich zu Lebzeiten auf der Heuneburg zu Besuch gewesen“, sagte Archäologe Jörg Bofinger. Der Betrachter staunt über die Schönheit des Schmuckes und über die keltische Hochkultur, die überregional vernetzt war.

Bürgermeister Magnus Hoppe freute sich, dass mit dieser Ausstellung die Kelten und die Heuneburg wieder in den Mittelpunkt gestellt werden. Er verriet, dass derzeit auf Landes-, Kreis- und Gemeindeebene viel über eine neue keltische Erlebniswelt auf der Heuneburg besprochen und entschieden werde, was aber noch nicht in die Öffentlichkeit dringe. „Deshalb haben wir im Museum und auf der Heuneburg die Aufgabe die Fahne hochzuhalten, bis es soweit ist“, erklärt er. Er dankte Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden für ihren Einsatz um die Heuneburg.

2,5 Hektar Fläche untersucht

Landesarchäologe Bofinger berichtete, wie es zu diesem spektakulären Fund kam und welche Schlüsse daraus gezogen werden, die nun in der Ausstellung präsentiert werden. In Kirchheim sollte ein Gewerbegebiet auf dem Hegelesberg mit einer Fläche von 8,5 Hektar erschlossen werden, davon haben die Archäologen 2,5 Hektar untersucht.

Zunächst wurde eine größere Siedlung mit rund 20 Langhäusern mit einer Länge von bis zu 30 Metern aus der Jungsteinzeit (rund 6000 vor Christus) gefunden. Es handle sich hier um die früheste bäuerliche Kultur im Land. Die Keramik-Gefäße sind mit schönen Linien dekoriert. In der Ausstellung sind Scherben und Rekonstruktionen dieser typischen Gefäße zu sehen.

Im August 2015 wurden die Archäologen von der Entdeckung von Bronzeringen, die nebeneinander lagen, überrascht. „Dies deutete auf ein frühkeltisches Grab und war eigentlich in dieser Siedlung nicht zu erwarten“, berichtete Bofinger. Es kamen Gagatperlen und Goldperle zutage. Dann war definitiv klar, dass es sich um ein wichtiges Grab handelt. Es wurde im Block geborgen, im Labor des Landesdenkmalamtes freigelegt und untersucht. Der Schmuck wurde restauriert und funkelt nun in den Vitrinen des Heuneburgmuseums in Hundersingen. Was fehlt ist der Korallen-Schmuck, der sich wegen der Bodenbeschaffenheit nicht hat erhalten können. Korallen wurden aus dem Mittelmeerraum (Italien, Südfrankreich) importiert und waren sehr kostbar.

Der Schmuck der keltischen Frau auf dem Hegelesberg ist sehr vergleichbar mit dem Schmuck der Damen aus Sirnau und Schöckingen. Sie waren Zeitgenossinnen der Keltenfürstin auf der Heuneburg. „Der Schmuck dieser drei Frauen reicht in Qualität und an Reichtum nicht ganz an den der Frau aus dem Bettelbühl an der Heuneburg, er kommt ihm aber sehr nahe“, sagte Bofingen. In Vitrinen, auf Stellwänden werden Schmuck und Rekonstruktionen gezeigt. Auf einem Video sind die Grabung und die Untersuchung zu sehen.

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