Schwäbische Zeitung

Drei Kliniken verriegeln ihre Türen, einzig der Biberacher Standort bleibt erhalten und wird aus- oder gleich ganz neu gebaut: Das ist die extremste Möglichkeit für die Zukunft der vier Kreiskliniken, über die im Kreistag seit Monaten heiß debattiert wird. Aber: Sie ist auch die günstigste. Das ist zumindest der Stand der Untersuchung einer Stuttgarter Beratungsgesellschaft.

Von unserer Redakteurin  Katja Tölle

Die Zukunft der Kreiskliniken ist weiter offen, die Debatte nun aber – seit der gestrigen öffentlichen Diskussion im Kreistag – endlich auch öffentlich. Das komplexe Thema der Zukunft der vier Kreiskliniken hat die Stuttgarter Beratergesellschaft auf vier Varianten herunter gebrochen:

Alle vier Häuser bleiben erhalten

Die Ochsenhausener Klinik schließt

Ochsenhausen und Riedlingen oder Laupheim schließen

Ochsenhausen, Riedlingen und Laupheim schließen.

Klar ist eigentlich nur, dass die Biberacher Kreisklinik erhalten bleibt und aus- oder neu gebaut wird, alles andere ist in der Schwebe. Unumstritten ist auch, dass der Erhalt jeder einzelnen Klinik für sich teuer ist, weil sie dafür alle saniert werden müssten. „Am gravierendsten“ ist der Bedarf laut der Verwaltung in Biberach mit insgesamt 137 Millionen Euro, die für eine Sanierung der bestehenden Klinik gebraucht würden. Notwendig seien hier vor allem der Neubau einer Wahlleistungsstation und eines Ärztehauses, die Erweiterung der Funktionsbereiche und die Ausstattung der Patientenzimmer mit Badezimmern. Betriebswirtschaftlich ist es laut der Verwaltung am günstigsten, das Biberacher Krankenhaus zu schließen und ein ganz neues zu bauen.

Für den Erhalt der Laupheimer Kreisklinik rechnen die Berater mit einer Investition von 33 Millionen Euro. Bei einer Schließung des Hauses gehen sie davon aus, dass 40 Prozent der bisher 4668 Patienten nach Biberach abwandern, die anderen 60 Prozent unter anderem nach Ehingen und Ulm. Die wesentlichen Maßnahmen, die hier bei Erhalt anstünden, sind der Neubau eines OP-Traktes, die Angliederung der Radiologie an den OP und die Ausstattung der Patientenzimmer mit Badezimmern.

Die Riedlinger Kreisklinik zu erhalten, kostet laut der Berechnung der Beratergesellschaft genau so viel wie die Laupheimer Klinik. Der Unterschied: Hier geht die Berechnung davon aus, dass die Hälfte der 4527 Patienten nach Biberach abwandert. Auch hier müssen neue Badezimmer gebaut werden, die Funktionsbereiche erweitert und der Haupteingang verlegt werden.

Wenn eine Entscheidung zwischen Laupheim und Riedlingen anstehen würde, zöge vermutlich Riedlingen den Kürzeren, weil Laupheim das bessere Betriebsergebnis aufweist.

In Ochsenhausen sind laut der Untersuchung zehn Millionen Euro an Investitionen nötig. Bei den derzeit 1739 Patienten rechnen die Berater mit einer Abwanderung nach Biberach von 70 Prozent. Das hieße, dass nur 30 Prozent der Patienten unter anderem an das Memminger Krankenhaus verlorengingen. Die Hauptmaßnahmen hier: der Bau von Badezimmern in den Patientenzimmern, der Umbau des OP-Bereichs und die Verlegung der Notaufnahme.

Eins haben alle vier Lösungen gemein: Sie sind teuer. Die günstigste Lösung wird mit 157 Millionen Euro an Investitionen veranschlagt, die teuerste, der Erhalt aller Kliniken und ein Neubau in Biberach, mit 241. Die teuerste Lösung ist auch gleichzeitig die, die die Verwaltung den Kreisräten empfiehlt. Die jährlichen Kosten variieren zwischen 4,6 Millionen Euro für den Neubau in Biberach und die Schließung aller anderen Kliniken und 12,5 Millionen Euro für die Variante, dass alle vier Häuser ohne Neubau in Biberach erhalten bleiben.

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