Schieflage bei Besucherzahl bringt „Aus“ für Miniaturpark

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Schieflage: Vor drei Jahren war der schiefe Turm von Pisa eine der neuen Attraktionen von Mini Mundus Bodensee -- im Bild mit Jü (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung

„Wir erhielten sehr kurzfristig die Mitteilung unserer Muttergesellschaft, dass der Betrieb von Mini Mundus Bodensee zur Saison 2013 eingestellt wird. Der Eröffnungstermin 27.April ist somit hinfällig. Wir bedauern diesen Schritt, müssen aber die Entscheidung der Muttergesellschaft akzeptieren.“ So lässt es sich aktuell der Homepage des Miniaturparks Mini Mundus Bodensee entnehmen, den es seit 2005 im Meckenbeurer Teilort Liebenau gibt und der knapp 90 der schönsten Bauwerke der Welt im Maßstab 1:25 zeigt.

Roland Hertsch, den Leiter des operativen Geschäfts vor Ort, erreicht die SZ am Autotelefon. Auch für ihn scheint diese Entwicklung eher überraschend zu kommen – was nichts daran ändert, dass Hertsch bereits in Sachen Abwicklung unterwegs ist. Konkret: Bestätigungen und Aufträge zurückzunehmen, die bereits erteilt wurden. „Einiges noch zu tun“ habe er, sagt Hertsch, der viel Herzblut in die Anlage investiert hat.

Was der Co.-Geschäftsführer ausdrücklich bestätigt: Magister Paul Jäger ist Leiter Sanierungsmanagement der in Innsbruck ansässigen Bank für Tirol und Vorarlberg. „Er war Mini mundus“, gibt Jäger unumwunden höchstes Lob an Hertsch‘ Adresse weiter.

Aber an was lag es, dass „Mini Mundus Bodensee“ (so die Schreibweise seit 2009) dieses Jahr nicht öffnet und das endgültige Aus für den Park besiegelt scheint?

Rückblende: Auf Investitionskosten von 14,5 Millionen Euro wird geschätzt, was da 2005 als Nachbar zum Spieleland erwächst. Dahinter steht ein Joint Venture von Minimundus Klagenfurt und Separ Rimini, die die rund 40 000 Quadratmeter große Fläche von der Stiftung Liebenau gepachtet haben. Nur ein Jahr nach ihrer Eröffnung ist die Betreiberfirma in die Pleite geschlittert. Wie am Wörthersee hatte man mit Hunderttausenden Besuchern jährlich gerechnet, wovon aber keine Rede sein konnte.

Im Rahmen der Insolvenz folgt ein Eigentümerwechsel – hin zu einer Tochterfirma der Bank für Tirol und Vorarlberg. Für diese spricht Paul Jäger davon, dass „ein derart kostenintensiver Park“ nicht erwarten stand. Was allein von den laufenden Kosten (zum Beispiel Sanierungen jeden Winter) eine Besucherzahl benötigt hätte, die hier nicht machbar war. „Es fehlen zur Besucherzahl 2012 rund 20 Prozent, um kostendeckend zu arbeiten“, nennt Jäger eine Zahl.

Schon in der Ursprungs-Infrastruktur sieht Jäger Voraussetzungen angelegt, die „nicht optimal“ seien – angefangen vom anzumietenden Parkplatz über die Zweiteilung durch die Straße bis… Veränderungen daran – etwa mittels Untertunnelung – seien wiederum so kostenintensiv, dass sie sich nicht auszahlten.

Im Fazit: Die Entscheidung, dem schlechten Geld kein gutes mehr hinterher zu werfen, sei nach den Zahlen für 2012 gefallen. „Wir haben es aufrichtig versucht“, gibt Paul Jäger den Zeitraum von sechs Jahren zu bedenken, in denen man es probiert habe: „Das ist länger als sonst üblich.“

In den Kreis der „rührigen Mitarbeiter“ bezieht Jäger nicht nur Roland Hertsch, sondern alle fünf Angestellten mit. Wichtig war dem Mini-Mundus-Geschäftsführer aus Innsbruck daher auch die Zusage, dass sich die fünf Mitarbeiter bei der Stiftung Liebenau bewerben können.

Zu den Modellen: Höchstes Modell ist das Burj al Arab in Dubai (12,80 Meter), teuerstes Modell der Dresdner Zwinger aus Elbsandstein (Wert 600 000 Euro). Die Modelle bleiben vorerst vor Ort, die weitere Verwendung ist laut Paul Jäger aktuell noch offen.

Die unmittelbaren Auswirkungen sind vernachlässigbar – und doch verfolgt das Ravensburger Spieleland mit Argusaugen, was sich beim Nachbar tut: Das eine sind die Kombi-Tickets und Parkplatzgebühren, die mit der Mini Mundus Schließung wegfallen. Gravierender aber ist, was Carlo Horn auf SZ-Anfrage bestätigt: „Wir wollen für 2014 gemeinsam mit der Stiftung Liebenau einen Konzeptansatz finden“, berichtet der Spieleland-Chef von Gesprächen mit der Stiftung als Grundstücks-Eigentümer des vier Hektar großen Areals. Zumal diese schon in der Verganegnheit (also weit vor 2005) als Erweiterungsfläche fürs Spieleland angedacht war – eine Pachtoption, die dann an Mini Mundus abgetreten worden sei, so Horn.

Und die nun doch zum Tragen kommen könnte, denn: Das Spieleland ist räumlich an seine Grenzen gestoßen, „wir wollen expandieren“, so Horn. Zwar gibt es nordwärts (Richtung Ravensburg) eine Option, doch müsste hier erst ein Bebauungsplan entstehen. Hingegen existiert für die Mini-Mundus-Fläche eben schon ein solches Planwerk.

Das Spieleland ist also interessiert, die Fläche zu pachten: „Es ist für uns naheliegend, den nächsten Schritt hier zu tun“, fasst Carlo Horn zusammen. Was der weiteren „partnerschaftlichen“ Planung mit der Stiftung bedarf.

Zum Hintergrund: Das Ravensburger Spieleland gibt es seit 1998 in Liebenau – auf einer Fläche, auf der zuvor ein Maisfeld angesiedelt war. Familien mit Kindern von zwei bis 14 Jahren sind die Klientel, die sich hauptsächlich von den Attraktionen auf den 25 Hektar angesprochen fühlen sollen. Im Vorjahr war die Besucherzahl auf 349 000 gestiegen, Saisonstart 2013 ist am 23. März.

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