Schiedsrichterlegende Ahlenfelder wird 65

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Deutsche Presse-Agentur

Schon „400 bis 500 Mal“ hat Wolf-Dieter Ahlenfelder seine unglaubliche Geschichte erzählt - doch sie wird ihn bis zum letzten Tag seines Lebens begleiten. So einen Fauxpas hat es im deutschen Fußball bis heute nicht gegeben.

Am 8. November 1975 pfiff der Bundesliga-Schiedsrichter aus Oberhausen in der Partie zwischen Werder Bremen und Hannover 96 bereits nach 29 Minuten zur Halbzeit. „Aus einem Bier sind irgendwann drei und dann sechs geworden, dabei hatte das mit Alkohol überhaupt nichts zu tun“, erklärt Ahlenfelder, der am 11. Februar 65 Jahre alt wird, in einem dpa-Gespräch. Und fügt hinzu: „In betrunkenem Zustand ein Bundesliga-Spiel zu pfeifen, das schafft man nicht.“

Dass der beliebte und beleibte Unparteiische damals eine Fahne gehabt haben soll, bestreitet er heftig. Verbürgt ist jedoch seine Aussage: „Ein Bier und ein Malteser zum Mittagessen, das wird doch wohl erlaubt sein. Wir sind doch Männer und trinken keine Fanta.“ Folge: In so mancher Bremer Kneipe konnte man jahrelang einen „Ahlenfelder“ bestellen - ein Bier und einen Malteser.

Vom vierten Schiedsrichter oder der Coaching-Zone hält Ahlenfelder, der einst 24 Mark Tagegeld bekam, nichts. Er habe eben noch mit den aufmüpfigen Trainern kommuniziert. „Ich habe dem Otto Rehhagel früher gesagt, wenn du nicht sitzen bleibst, kriegste Pattex unter den Hintern.“ Und als Paul Breitner zu ihm sagte: „Ahlenfelder, du pfeifst wie ein Arsch“, da konterte der Referee: „Breitner, kann es sein, dass du spielst wie ein Arsch?“

Wenn man Herbert Fandel auf Ahlenfelder anspricht, schlägt Deutschlands derzeit erfolgreichster Referee die Hände über dem Kopf zusammen. „Das können Sie ruhig schreiben“. Sagen will er ansonsten nichts zum Unikum vergangener Tage. DFB-Lehrwart Eugen Strigel, der zu Ahlenfelders Zeiten selbst noch im Profifußball pfiff, meint: „Wolf-Dieter stand eher für das Unterhaltsame, das war eine andere Zeit. Bei der Medienpräsenz heute ist so ein Auftreten undenkbar.“

Mit der heutigen Generation der Männer in Schwarz kann wiederum Ahlenfelder wenig anfangen. „Die Schiedsrichter können nicht mehr lachen.“ Überhaupt würden heute „nur noch Doktoren pfeifen“, beklagt sich der Rentner und frühere Mineralöl-Kaufmann, ein „Arbeiterkind“. „Fehlt nur noch, dass die Angela Merkel einen Schiedsrichter-Lehrgang besucht.“ Dass das Fußballspiel schneller und damit die Aufgabe für die Spielleiter wesentlich schwieriger geworden ist - keine Frage. „Der Schiri hat halt nur zwei Augen und eine Flöte in der Hand.“

Nach dem legendären verfrühten Abpfiff 1975, berichtet Ahlenfelder heute, „fuchtelte mein Linienrichter mit der Fahne rum“. So gab es Schiedsrichter-Ball - und der Rest der ersten Halbzeit wurde ordnungsgemäß zu Ende gespielt. Auf 106 Bundesliga-Spiele brachte es Ahlenfelder in der Zeit zwischen 1975 und 1988, international Karriere wie Fandel hat er nie gemacht.

Heute trauert er der Zeit hinterher, als die Kicker nach seiner Pfeife tanzten, und erklärt seiner Frau vor dem Fernseher, was seine Nachfolger falsch machen: „Ich bin nicht umsonst mal der beste Schiedsrichter in Deutschland gewesen.“ In seinem „Fußball-Zimmer“ hängen Wimpel, Fotos, eine goldene Pfeife und Geschenke wie ein Bierkrug des FC Bayern München mit Original-Zinndeckel. „Der Ahli hat sich total zurückgezogen. Aber mir fehlt die Pfeiferei.“

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