Schüler raufen sich öfter - Mehr Unfälle

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Deutsche Presse-Agentur

Auf deutschen Schulhöfen geht es offenbar öfter als bislang gewaltsam zu: Die Zahl der Unfälle infolge von Raufereien von Schülern ist gestiegen.

Das geht aus Statistiken der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung hervor, die von der Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) auf der Bildungsmesse Didacta (10. bis 14. Februar) in Hannover vorgestellt wurden. Die stärksten Zuwächse von gewalttätigen Auseinandersetzungen gibt es demnach an Gymnasien und Realschulen: Dort wurden 2007 jeweils rund zehn Prozent mehr Raufunfälle als im Vorjahr registriert. Grundschulen verzeichneten einen Anstieg von rund neun Prozent.

Jeder zehnte Schülerunfall geschieht derzeit als Folge von Raufereien, wie die IGA anlässlich einer neuer Wanderausstellung mit dem Titel „Achtung in der Schule“ mitteilte. Die Schüler gehen dabei anscheinend nicht zimperlich vor: Einer von 100 Schülern muss jedes Jahr nach einer Rangelei zum Arzt, und in gut 7000 Fällen mussten Schüler 2007 mit gebrochenen Knochen behandelt werden.

Insgesamt ist die Zahl solcher Unfälle zwar nur leicht um rund ein Prozent gestiegen. Im Vergleich zum jüngsten Höchstwert aus dem Jahr 2000 ist sie sogar um gut ein Viertel zurückgegangen. Das liegt den Angaben zufolge aber vor allem am Rückgang von Prügeleien an Hauptschulen - an dieser Schulart gab es 2007 gut zehn Prozent weniger Unfälle durch raufende Schüler als im Jahr zuvor. Im Vergleich zu 2000 hat sich die Zahl dort sogar um 43 Prozent abgesenkt. Raufunfälle an Hauptschulen machen den Großteil derartiger Vorfälle aus.

„Die Dunkelziffer ist außerdem sehr hoch“, sagte Prof. Herbert Scheithauer, Psychologe von der Freien Universität Berlin bei der Vorstellung der Ergebnisse. Außerdem würden von den Zahlen nur Auseinandersetzungen mit körperlichen Folgen erfasst. Inzwischen spielten in der Schule aber auch subtilere Formen der Drangsalierung eine zunehmende Rolle - dazu gehörten Mobbing oder das sogenannte Bullying, zu dem etwa die Androhung von Gewalt gehört. „Zehn bis zwölf Prozent aller Schüler erleben solche Schikanen mindestens einmal in der Woche - das ist also an der Tagesordnung.“

Auch hätten Mädchen in Sachen Gewalt in den vergangenen Jahren „enorm zugelegt“, sagte Scheithauer. Bislang sind Jungen mit 63 549 Fällen noch mehr als doppelt so häufig wie Mädchen (25 245 Fälle) von Raufunfällen betroffen. Besonders häufig gibt es den Angaben zufolge Rangeleien zwischen angehenden Teenagern: Rund 60 Prozent aller gemeldeten Raufunfälle entfallen auf die Altersgruppe zwischen 11 und 15 Jahren.

Website der Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA): www.achtung-in-der-schule.de

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